BdV – Bund der Antifaschist_innen aus dem Osten

Erika Steinbach, die bis heute die Oder-Neiße-(Friedens-)Grenze aufgrund von ungeklärten Eigentumsfragen als unnötig ansieht, behauptet seit Jahren gerne, daß im Bund der Vertriebenen (BdV) nicht mehr Nazis wären als im Rest der Gesellschaft. Da das offenbar nicht mehr ausreicht, um politisch zu punkten, hat sie sich neuerdings darauf versteift, daß im BdV mehr Widerstandskämpfer als Nationalsozialisten aktiv sind und waren.

Diese Gewißheit entnimmt sie offenbar einer Studie, die der oberschlesisch landsmannschaftliche Historiker Matthias Lempart geschrieben hat und in der die braune Vergangenheit des BdV massiv verharmlost wird. Bei kulturzeit erzählt der Historiker Erich Später einiges über den Träger der Ehrenurkunde für hervorragende Arbeiten für Oberschlesisches Deutschtum. Sein Hang zur Verharmlosung und zu partieller Amnesie bezüglich nationalsozialistischer Verbindungen hat er offenbar schon bei einer Studie zur Flucht katholischer Patres bewiesen.

Hinzu kommt, daß die Studie auf äußerst dubiose Weise zu Stande kam. Wer dort wen finanziert und welche Ergebnisse veröffentlicht werden sollen, ist nicht nur unklar, sondern wird maßgeblich vom Forschungsgegenstand selbst – dem Bund der Vertriebenen – entschieden, der auch noch die Hauptverantwortung für die Untersuchung hat.

Ähnlich wie aus 500.000 osteuropäischen, deutschen Vertriebenen durch die BdV Rechnung 15 Mio. werden, lassen sich dann ganz bestimmt auch einige Tausend antifaschistische Widerstandskämpfer_innen aus dem Hut zaubern. Oder Lempart verschweigt einfach, wie er es schon einmal getan hat, die Antisemit_innen, NSDAPLer und SS-Todesschwadronist_innen, die den BdV maßgeblich aufgebaut haben und leiten.

Die Studie zur Vergangenheit des BdV scheint im Übrigen fertig und wartet auf Veröffentlichung. Später hat sie schon gelesen und fordert, gerade weil sie grob verharmlost und zum Teil wohl falsch ist, zur kritischen Aufarbeitung eine schnellstmögliche Publikation in der breiten Öffentlichkeit.

Der BdV hat sich, entegen seiner ersten Weigerung, doch für eine Veröffenlichung entschieden. In einer Erklärung wird allerdings darauf hingewiesen, daß erst nach gründlicher Bewertung im Laufe dieses Jahres das Ergebnis der Öffentlichkeit vorgelegt werden soll. Schließlich muß erst überarbeitet werden. Denn es handelt sich bei den Materialien um Interna, die eigentlich nicht aus dem braunen Sumpf des BdV stinkend an die Oberfläche kommen sollten.

Die Ähnlichkeiten zur Intransparenz der Stiftung mit dem irreführenden Name Flucht, Vertreibung und Versöhnung ist nicht nur frappierend, sondern zwangsläufig. Seit der deutschen Opferstiftung im Dezember auch das letzte polnische Feigenblatt verloren gegangen ist, muß die Stiftung als ethnisch gesäubert betrachtet werden. Das revanchistische, deutsche Opferhaus und seine Besetzung hätte eine Erika Steinbach ohne Schaden oder eine Verschiebung der Inhalte gut vertragen können. Nur ist jetzt sichtbarer, daß europäische Dimensionen und Folgen, die auch von deutscher Seite veranlasst wurden nicht von sonderlichem Interesse sind.

Die Verallgemeinerung des deutschen Leids wird so ins Zentrum gerückt. Die deutschen Flüchtlingsbewegungen sollen nicht mehr nur den östlichen Nachbar_innen in die Schuhe geschoben werden, sondern die osteuropäischen Landsmannschaften werden ebenfalls zu Naziopfern und tendenziell eher zu Widerstandskämpfer_innen transformiert.

Wie schon berichtet wird der Opferdiskurs allerdings neuerdings auch nach Westen ausgedehnt. Wie das geht, konnte jahrzehntelang im Osten geübt werden. Das Deutsche Freakhaus für das deutsche Martyrium wird ganz bestimmt bald auch darauf eingehen und diese Leidensgeschichte in die Ausstellung zur Deutschen Vertreibung in Europa aufnehmen.