השמוק – Ein Guido für die weiße Mitte

Schmock ist die Bezeichnung für einen Menschen, der durch ein rechthaberisches, belehrendes oder durch ein opportunistisches Verhalten negativ auffällt. Der Schmock ist nach langläufiger Auffassung häufig eitel oder arrogant. Gleichzeitig gilt er aber als mäßig intelligent, nicht gerade gutaussehend und wenig geistreich. Die Bezeichnung dürfte nach diesem Verständnis auch sehr gut auf den Noch-Sozialdemokraten Thilo Sarrazin passen, der ALG II-Beziehern Kaltduschen empfiehlt und biologistische Vererbungslehre propagiert.

Eine äußerst qualifizierte Analyse der Person Guido Westerwelles lieferte neulich Pascal Beucker in der Jungle World.

Einer »klassischen« Erwerbsarbeit musste der 48jährige Schmock bislang noch nicht nachgehen. Eine Ahnung davon, wie es sich in den Souterrains der Gesellschaft lebt, besitzt er erst recht nicht. Seine Vorstellungen vom Prekariat speisen sich vor allem aus einem Kurzbesuch im »Big-Brother«-Container vor zehn Jahren. In seiner Welt trifft er ansonsten solche Menschen nicht. Unter den 93 Abgeordneten der FDP-Bundestagsfraktion finden sich 76 Abgeordnete mit Universitätsabschluss, aber kein einziger Hauptschüler. Gerade einmal sechs der Parlamentarier verfügen nur über die Mittlere Reife. Da verwundert es übrigens auch nicht, dass die FDP, verbissen wie keine andere Partei, am dreigliedrigen Schulsystem festhält und sich etwa für den reaktionären Volksentscheid gegen das schwarz-grüne Schulreförmchen in Hamburg einsetzt: Oben muss oben, unten muss unten bleiben.

Die Hamburger Schulreform wurde unterdessen vorgestern einstimmig von der Bürgerschaft beschlossen. Die weißen Bürger_innen um ihren Anführer Walther Scheuerl und ihre schneidige Forderung Wir wollen lernen sehen wahrscheinlich schon den Sozialismus mit Roten Fahnen in ihrem Viertel aufmarschieren. Jetzt sollen nämlich auch die anderen lernen dürfen.

Guido hätte wahrscheinlich dafür gesorgt, daß solch Pöbeldekadenz zumindest nicht ohne Gegenwehr durchgegangen wäre. Trotzdem fühlt sich der Chef der Wohlstandspatrizier betrogen und glaubt die Bevölkerung immer noch auf seiner Seite.