Serie von Nazianschlägen in ganz Berlin

In den vergangenen Tagen gab es eine Serie von Nazianschlägen auf mindestens sechs Treffpunkte von Antifaschist_innen in Berlin. Allein in Neukölln gab es neben dem Angriff den Salvador-Allende-Club in der Nacht zum Dienstag vier weitere Anschläge, darunter eine Morddrohung am Haus eines_r bekannten Antifaschist_in. Das Projekt Friedel54 war ebenfalls betroffen. Außerdem sind zwei weitere Galerien attackiert worden.

In derselben Nacht gingen die Scheiben der Erwerbsloseninitiative Querkopf in Kreuzberg zu Bruch. In der selbstherausgegebenen Zeitschrift setzen sich die Aktivist_innen kritisch mit sozialer Ausgrenzung, Gentrifierung und Nazis auseinander. Außerdem wurden die Fensterscheiben des veganen Café Tante Horst in der Oranienstraße eingeschmißen. Ein benachbartes alternatives Antiquariat war ebenfalls betroffen.

In der Nacht zum Mittwoch gab es weitere Nazianschläge in Berlin. In Reinickendorf wurde ein Büro der Linkspartei angegriffen. Wie eine Pressemitteilung der Polizei berichtet, gab es am vergangenen Wochenende mindestens 19 dokumentierte Sprühereien von Nazis.

Die Attacken auf linke Treffpunkte vollziehen sich immer gleich. In jedem Fall wurden die Türschloßer verklebt und Parolen gesprüht. Wie der Tagesspiegel berichtet sind die Nazischmiereien mit ANB unterzeichnet. Das Label steht für die Autonomen Nationalisten Berlin, die insbesondere in Rudow äußerst aktiv sind.

Eine zentrale Figur der Rudower Szene ist Julian B. , der in den vergangenen Tagen in Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf das Haus der Demokratie in in Zossen vernommen und dessen Wohnung durchsucht wurde. Er soll kurz vor dem Anschlag Kontakt zu den örtlichen Freien Kräften gehabt haben. Eine direkte Tatbeteiligung läßt sich allerdings nicht nachweisen.

Ob Julian B. auch maßgeblich an der Organisation der aktuellen Angriffe auf linke Treffpunkte beteiligt ist, bleibt unklar. Dennoch sollte die Verbindung der Rudower Nazis zu Brandanschlägen nicht vernachlässigt werden. Schließlich gab es schon im April 2008 zwei rassistische Übergriffe auf Wohnhäuser bei denen Julian B. als Verdächtiger galt. Ein paar Monate später brannte ein türkischer Imbiß in Blankenfelde. Wieder soll Julian B., wie der Tagesspiegel damals berichtete, Kontakt zu den Branstiftern gehabt haben.

Die Division Rudow, eine Teil der Nationalen Autonomen Szene Berlins bei denen Julian B. seit Jahren offenbar eine steile Naziskarriere gemacht hat, werden enge Kontakte zu den Freien Kräften Teltow-Fläming nachgesagt. Eine etwas ältere Aufarbeitung der Neuköllner Strukturen, ihrer Militanz und Aktivitäten bittet die Broschüre Antifa Informationen Zu neonazistischen Aktivitäten in Berlin Neukölln (pdf)

Aufrund der Verbindung der Berliner Nazis und ihrem Hang zum Zündeln warne ich davor die Nazianschläge zu verharmlosen und eine vermeintliche Schwäche der Szene zu diagnostizieren. Viel mehr ist davon auszugehen, daß die Nazistrukturen sich offenbar berlinweit stärker vernetzt haben. Seit Monaten häufen sich die Anschläge gegen linke und alternative Treffpunkte, sowie gegen Parteien, die sich antifaschistisch engagieren. Hierbei sind vor allem Vorortbüros der Grünen und der Linkspartei betroffen. Aus diesem Grund sollte die längst notwendige Vernetzung gegen die Nazis in den Kiezen voranschreiten.

In Neukölln wehrt sich die SPD zwar gewohnt rechtskonservativ gegen derartige Bündnisse und polemisiert fiel lieber gegen vermeintliche autonome Gruppen. An vorderster Front steht dabei Fritz Felgentreu. Der muß derartig sauer darüber sein, daß er nicht in den Bundestag einzog, so daß er einen Schuldigen für diese Blamage braucht und ihn_sie in den bösartigen Autonomen gefunden hat. Anders ist seine Blindheit gegenüber den Vorkommnissen im Kiez nicht zu verstehen.

Deshalb fordere ich dazu auf die Kampagne Kein Ort für Nazis des Bündnisses Neukölln gegen Nazis zu unterstützen. Zum Beispiel beim Langen Tag gegen Nazis am 20. März.

+ + u p d a t e + +

Weitere Verlinkungen und Fotos von den Schmierereien gibt es bei der Jugendantifa Wilmersdorf & Charlottenburg