Okerstraße – Es geht voran!?

Die Task Force Okerstraße hat gestern eine Bilanz seiner Arbeit vorgestellt. Nicht der Bevölkerung. Auch nicht der direkten Nachbarschaft in einer Einwohner_innen-Versammlung. Die Presse wurde informiert, wie der Tagesspiegel (via schätzchen) heute berichtet, wie engagiert und effektiv sich Frau Schmiedeknecht, die Chefin des Vorortbüros der Brandenburgischen Stadterneurungsgesellschaft mbH (BSG) um den aufstrebenden Kiez in Nordneukölln kümmert.

Die Monitoringinstitution integra e.v. bietet nun neuerdings Mitternachtsboxen für Gangkids an. Damit sie sich Freitags ab 22 Uhr nicht mehr gegenseitig die Fresse polieren, sondern nach einigen Monaten effektiver und zielgenauer den anderen vermöbeln können. Kann natürlich sein, daß dieses Angebot auch Gewalt kanalysiert und ein niederschweliges Angebot für Sozialarbeit liefert. Ich will mal nicht sein und letzteres präferieren.

Schlimmer finde ich die Begehungen in kleinen ämterübergreifenden Teams, welche die Problemhäuser in der Okerstraße überwachen sollen. Mit Razzien hat das selbstverständlich nichts zu tun. Was die Task Force Okerstraße den lieben langen Tag sonst noch so macht, hat Schmiedeknecht der versammelten Presse ebenfalls erzählt.

Sie arbeitet seit zwei Jahren und besteht im Wesentlichen aus einem Runden Tisch verschiedener Behördenvertreter, der alle zwei Monate tagt und brisante Daten austauscht. Beteiligt sind Jugend- und Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Bauaufsicht, Schulverwaltung und Polizei. In kleinen Teams machen sie „Begehungen“ in den bekannten „Problemhäusern“ und setzen den Hausbesitzern Fristen, um Schäden zu beseitigen und Mietverhältnisse zu klären. Parallel dazu arbeitet ein Team von Sozialarbeitern mit den Roma-Jugendlichen, die kontinuierlich im Kiez leben.

Das eines der Problemhäuser in der Okerstraße im Übrigen einer Investmentfirma gehört, verschweigt Schmiedeknecht in dieser hübschen Aufzählung. Schließlich geht es ihr nicht um Transparenz, sondern um Sicherheit und Ordnung. Und, was noch viel wichtiger ist, um brisante Daten, die sie von den Ämtern bekommt und für ihr Bauunternehmen auswerten kann. Die Rendite der fremden Firma ist ihr dabei gleichgültig. Bedenkenswert ist trotzdem, daß leere Häuser einfacher saniert und verkauft werden können.

Des Weiteren fällt bei Schmiedeknechts Beschreibung zur Arbeit der TFO auf, daß Anwohner_innen und selbst ansässige Gewerbetreibende darin nicht vorkommen. Es sind Ämter, Behörden und Sicherheitsorgane mit denen Schmiedeknecht zusammenarbeitet. Die Nachbarschaft im Kiez scheint als Partner und Akteur völlig uninteressant zu sein.

Wie das Gemeine Wesen in einem Beitrag über die Okerstraße und seine Gewerbetreibenden schreibt, agiert das Quartiermanagment und die TFO eher nach Gutsherrenart. Dabei lassen es die netten Mitarbeiter_innen des QM, wie Fritz Felgentreu meint, aber am Einfühlungsvermögen und Emphatie vermissen. Die eigenen Bürozeiten sind ganz egoman und einziger Maßstab.

In einem Brief, persönlich wäre wahrscheinlich zu viel verlangt, schließlich müßten die netten QM-Mitarbeiter_innen dann mit Menschen interagieren, sollte im direkten Dialog mit den Vertreter_innen der BSG erörtert werden, welche Projekte die Situation der Geschäftsleute aufwerten könnten. Das Gemeine Wesen dokumentiert die enttäuschten Reaktionen der Gewerbetreibenden in der so übel beleumndeten Okerstraße.

„Wie stellen die sich das vor? Hätte ich meinen Laden zuschließen sollen, um zu diesem Treffen zu gehen?“, fragt sich eine der Eingeladenen wütend und desillusioniert: „Schon die Terminierung beweist doch, dass die sich kein Stück für unsere Anliegen interessieren.“ In einem Laden ein paar Häuser weiter ist die Stimmung nicht besser: „Solange die nicht begreifen, dass Zusammenarbeit nicht funktioniert, wenn alles immer so laufen soll, wie’s denen passt, können die mich mal.“ Geschäftsleute für mittwochs um 10 einzuladen, das sei doch „an Hirnlosigkeit kaum zu überbieten“. Andere baten das QM-Team, das Treffen in die Abendstunden zu verlegen und signalisierten, dann auch daran teilnehmen zu wollen. Doch der Einwand verpuffte.

Ob die wütenden Okerstraße Gewerbetreibenden, die sich über das QM echaufieren für Fritz wohl auch eine autonome Gruppe bilden?