Amertà – Schweigepflicht auf katholisch

Scheiß‘ auf den Papst. Der alte Spinner macht es sowieso nicht mehr lange. Wozu eine Entschuldigung von einem asexuellen Beinahheiligen, den nichts menschliches bindet und der losgelöst von Affekten mit seinem Haupt im Himmel thront. Den Klerus mit seinen Patres und Nonnen, Kardinälen, Bischöfen und was weiß ich noch interessiert lediglich der Fels auf dessen Schultern die Heilige (Römisch) Katholische Kirche gebaut werden sollte.

Deshalb gehen Jesuit_innen vorsorglich ganz weltlich insolvent. Damit bloßt nicht all das viel Gold verloren geht und die Gottespaläste plötzlich ganz leer werden. Deshalb werden jugendliche Opfer auch zum Schweigen vereidigt. Derjenige, der diese Amertà deckte, sitzt heute übrigens auf dem irischen Kardinalsstuhl. Gehen will er trotzdem nicht. Schließlich ist er dem Himmel schon so nah und der Welt nix schuldig außer einem Tritt.

Aber was soll’s, auch Ratzinger hat Erfahrungen mit pädophilen Patres. Er nahm sie gern unter seine Fittiche und schütze sie vor den Unbillen der uneinsichtigen Welt und seiner Gesetzbarkeit. In der Glaubenskongregation hat er die römisch-katholische Gesetzbarkeit wertkonservativ und traditionsbewußt weiterentwickelt.

Deshalb hat sich bis heute nichts geändert. Während behauptet wird, mit dem Schweigen lediglich die Opfer geschützt zu haben, zeigt sich, daß es mitnichten um das Seelenheil der Geschundenen ging, sondern vielmehr um die Unfehlbarkeit und den Schutz der Kirche – des petrinischen Felses.

Anders als Klaus Walter in der aktuellen jungle World behauptet, geht es bei den vorliegenden Fällen weniger um homosoziale Räume, die Mißbrauch und Züchtigund ermöglichen. Es sind auch nicht nur alte Täter_innen 8auch nicht ausschließlich männliche), die wieder aus der Grube an den Pranger gezerrt werden. Genauso wenig erinnern sich die Opfer erst Jahrzehnte später. Sie haben den Mißbrauch und die Willkür nicht selten sehr viel schneller gemeldet, als heute behauptet wird. Nur wurden sie nicht angehört und, wie der Fall Brady beweist, bei lautstarker Renitenz zum Schweigen gezwungen. Auch die zentrale sexuelle Zentrierung bei Walter verharmlost den Mißbrauch.

Das konditionierende, meinetwegen auch konservativ-patriachale, männlichkeitszentrierte Moment wird zwar angedeutet, aber lediglich als homosoziologisch abgewertet. Die Züchtigung, ob sie nun sexuell oder sadistisch ist, bleibt ein Übergriff einer (stärkeren) Machtinstanz, dessen Ziel es ist Hierarchien und Gewalt zu reprodizieren. Von der christlichen caritas bleibt dabei wenig. Der kommunionale Agape-Akt der entkörperlichten Christ_innen verwandelt sich im Mißbrauch zum sadistisch kannibalistischen Akt der Einverleibung des göttlichen Fleisches, das jungfräulich jung dem Pater nix anhaben kann, aber in seiner Adoleszenz gefährlich wird. Deshalb muß der Eros, ob nun pädagogisch oder römisch-katholisch, durch Schläge und Mißbrauch entmenschlicht und entkörperlich werden.

Was bleibt sind die Bilder der Erniedrigung des eigenen Körpers, der buchstäblich im Schmutz liegt, und so zu einem sakralen Kollektivkörper wird. Die Erinnerung an die eigenen Hände und Genitalien sind danach unerträglich. Das Gehirn wird, wie es Sean Brady mit seiner Ausrede zu seinem Verhalten 1975 bewiesen hat, ebenfalls klerikalisiert und entindividualisiert.

Also, scheiß‘ auf die Kirche! Den Papst abschaffen!