Gegen Antisemit_innen und Rassist_innen!

Die Universität Greifswald hat kein Problem mit ihrem Namensgeber Ernst Moritz Arndt, der sich durchgehend antisemitisch äußerte und Verfechter einer germanischen Rassenhygiene war. Eine Diskussion wurde zögerlich geführt und öffentlich abgebügelt. Das Ergebnis, daß Arndt weiterhin als Namenspatron der Uni Greifswald bestehen bleibt, zeigt aber auch, daß antisemitische Positionen im wissenschaftlichen Establishment ohne weiteres mehrheitsfähig sind. Etwas ähnliches passiert gerade an der FU Berlin, wo vor allem Jurist_innen und Wirtschaftswissenschaftler wieder unbeeindruckt im Bau studieren, der nach dem Antisemiten Henry Ford benannt worden ist, der Jud_innen als Zyste alegorisiert und ihre offene Entrechtung propagiert.

Henry Ford hat sich Mühe gegeben seinem offenen eliminatorischen Antisemitismus einen wissenschaftlichen Habitus zu geben. Sein Standardwerk zur Judenfrage läuft unter dem Motto Der internationale Jude und repoduziert offen die Verschwörungstheorien der gefälschten Protokolle der Weisen von Zion. Andererseits beklagt er, wie Finkelstein heute, gleich in drei von vier Bänden den jüdischen EInfluß auf die amerikanische Industrie, das Alltagsleben durch ihre Aktivitäten.

Fords Gedanken waren für die Nationalsozialist_innen und die Rechtfertigung für ihren Antisemitismus offenbar so wichtig, daß sie mehrfach erwähnt wurden. Heinrich Himmler zum Beispiel äußert, daß Ford einer der wertvollsten, gewichtigsten und geistreichsten Vorkämpfer für die Nazis gewesen sei. Reichsjugendführer Baldur von Schirach geht noch einen Schritt weiter.

Das ausschlaggebende antisemitische Buch, das ich damals las und das Buch, das meine Kameraden beeinflußte … war das Buch von Henry Ford ‚Der internationale Jude‘. Ich las es und wurde Antisemit. Dieses Buch hat damals auf mich und meine Freunde einen so großen Eindruck gemacht, weil wir in Henry Ford den Repräsentanten des Erfolgs, den Repräsentanten aber auch einer fortschrittlichen Sozialpolitik sahen.

All das war bei der Wiedereröffnung des Henry-Ford-Baus kein Thema. Aus diesem Grund kümmert sich nun, wie Endstation Rechts berichtet, die antifaschistische Gruppe Kathartische Putztruppe (KaPut) um die Umbenennung, ein sozialdemokratisches Projekt, das gerne die Antifa verarscht und Nazis eher witzig als gefährlich findet, nimmt sich diesen Diskurs an und verarbeitet ihn zu einem Aprilscherz. Soviel bedeutet ihnen also die durchaus wichtige Kritik an der Namenspolitik im wissenschaftlichen Diskurs! Naja, auf jeden Fall bin ich drauf reingefallen . . . Trotzdem finde ich das Thema wichtig.

Im Übrigen tragen in Dahlem, im Umkreis der Universität und in Berlins Mitte Straßen sowie Plätze nicht nicht nur Namen von Antisemit_innen. Rassist_innen und rassistische Kolonialist_innen sind ebenfalls dabei. Die Diskussion um die Umwidmung der Mohrenstraße, in die das Institut für Afrika- und Asienforschung der Humboldt-Universität umgezogen ist (siehe auch das Sonderheft Rassismus als pdf) von HUch)m verdeutlicht, daß rassistische Verharmlosungen und weiße Zuschreibungen gegenüber people of color immernoch den wissenschaftlichen Diskurs dominieren.

Aufgrund der Diskussionen an der Humboldt Universiät und der Freien Universität formiert sich zunehmend eine antirassistische Kritik. An der FU gründete sich eien Initiative gegen das N-Wort, weil Dozent_innen offenbar glaubten es nutzen zu dürfen und süffisant eine etymologische Begründung zur Rechtfertigung heranzogen. Die universitätsübergreifende Initiative uniwatch will ein Monitoring rassistischer Vorfälle durchführen und den Betroffenen zu Seite stehen. Ereichbar ist die Gruppe unter uni_watch@yahoo.de.

Also, scheiß‘ auf Antisemit_innen, Rassist_innen, Homophobiker_innen und Sexist_innen!
Reclaim public names!