Mehr „Stadt für alle“

Unter dem Motto Stadt für alle luden am gestrigen Donnerstag (15.04.) Klaus Wowereits und Ingeborg Junge-Reyers die Presse ein, um gemeinsame Aktionstage von Reclaim Tempelhof, Mediaspree entern und der Anti-Liegenschaftsfonds-Gruppe der Wir bleiben alle-Kampagne für die kommenden Monate vorzustellen. Dabei ging es um die Eroberung des Tempelhofer Feldes am 8. Mai, den Störungs- und Aneignungs-Aktionstag entlang dem Spreeufer am 5. Juni sowie weitere Besetzungsaktivitäten auf privatisierungsbedrohtem Gelände.

Die Baustellen-Atmosphäre am Zaun des Tempelhofer Feldes machte es den Aktivist_innen nicht leicht, ihr Bündnis vorzustellen. Die Bagger schaufelten fleißig Gräben für die geplanten Drehkreuz-Eingänge des neuen Parks Tempelhof und auch das Wetter lud nicht gerade ein, im Freien eine Pressekonferenz zu besuchen. Vielleicht kamen aus diesem Grund relativ wenig Interessierte. Bis auf ein paar Zivilbeamte, Fotograf_innen und dümlich fragende Tanten von der bürgerlichen Presse blieb die Zuhörerschaft äußerst beschränkt. In der selben Weise liest sich denn auch die Berichterstattung über das neue Bündnis Stadt für alle: nur zwei Artikel beschäftigten sich im heutigen Blätterwald mit der Veranstaltung.

Dabei hatten die drei beteiligten Gruppen interessante Ideen für die geplanten Aktionstage vorgetragen. Beim zweiten Versuch, das Tempelhofer Feld zu bevölkern und kreativ zu nutzen, hat Reclaim Tempelhof am 8. Mai tolle Preise zu vergeben. Dazu zählen ein goldener Reclaim Tempelhof-Wecker, der goldene Bolzenschneider sowie ein vergoldeter Bauwagen, der gestern allerdings noch nicht präsentiert wurde. Weiterhin sind eine Demo vom Hermannplatz zum Park, ein Alternativprogramm mit verschiedenen Workshops und einer Vollversammlung sowie eine Party am Abend geplant. Außerdem sollen sich die Berliner_innen auf dem Feld niederlassen und auf den Wiesen in Zelten und Bauwagen übernachten.

Mehr Bilder gibts bei B. Kietzmann

Das will der Senat natürlich verhindern. Schließlich soll der Park bei Sonnenuntergang geschlossen werden und überhaupt wolle man (!) sich sein Fest nicht kaputt machen lassen. Dass die großartig angekündigte Öffnung des ehemaligen Flughafens unter dem lächerlich anmutenden Motto Bewegungsfreiheit mit teuren Fress- und Saufbuden mal wieder ohne Einbeziehung der Bevölkerung in den angrenzenden Kiezen stattfindet, wird nicht zur Kenntnis genommen. So verkommt der historisch bedeutsame 8. Mai 2010, der 65. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus und Nazi-Terror, zum Laufsteg für die lokale Politprominenz.

Dass die Berliner rot-rote Koalition auch in anderen Bezirken für eine durchprivatisierte Stadtenwicklung mit einhergehender Verdrängung der noch ansässigen Bevölkerung verantwortlich ist, will Mediaspree entern am 5. Juni (pdf) zeigen. Denn auch nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid für ein Spreeufer für alle werden die Wünsche und Vorstellungen der Bevölkerung ignoriert und die Großprojekte direkt an der Spree weitergebaut. Die Kreuzberger rufen deshalb dazu auf, am 5. Juni mit der Störung von laufenden Bauvorhaben, der Aneignung von nichtgenutzten Flächen und Gebäuden sowie deren aktive Gestaltung zivilen Ungehorsam praktisch zu üben.

Die Anti-Liegenschaftsfonds-Gruppe setzt sich darüber hinaus gegen die Privatisierung von Grundstücken in der gesamten Stadt ein und will den Handlungsdruck mit einem Aktionstag im September auf den Senat sukzessive erhöhen. Ziel der gesamten Stadt für alle-Kampagne ist die solidarische Selbstorganisierung der Stadt mit einer offensiven sozialen Bewegung.

Hoffentlich wird sich diese an den Aktionstagen zusammen finden – bei hoffentlich auch besserem Wetter!