Party statt Trauerkitsch – Ein Plädoyer für’s Schampussaufen am Kriegerdenkmal


Liebe Angehörigen! Liebe Kameraden!

[…]

Wir alle kennen den Satz: Das erste, was im Krieg stirbt, ist die Wahrheit. Lassen Sie uns deshalb hier den Krieg draußen halten und bleiben wir für einen Augenblick bei der Wahrheit.

Der Tod ist der denkbare Abschluß eines soldatischen Arbeitstages. Diese Männer sind in Ausübung ihres Berufes gestorben. Der Tod ist die logische Konsequenz soldatischen Handelns. Auch wenn wir das gerne verdrängen und zur Tarnung merkwürdige Namen erfinden, wie gefallen, verloren, im Feld geblieben. Letztlich wird in der Fachliteratur alles gleich behandelt, nämlich unter der Rubrik Weichzielverlust.

Wir hier versuchen dem Tod des Einzelnen einen Sinn zu geben. Aber geben wir der Wahrheit die Ehre, liebe Trauergemeinde, ein sterbenswerter Sinn für das, was wir in Afghanistan tun, ist nicht mehr erkennbar. Die Kinder winken nicht mehr, wenn wir auf Patrouille gehen. Die von uns gebauten Schulen sind geschlossen. Für jeden von uns erschossenen Zivilisten melden sich zehn Freiwillige bei den Taliban, die mittlerweile vielen schon als das kleinere Übel gelten. Und selbst der von uns gekaufte Präsident Karsai sieht unseren Abzug lieber heute als morgen. Wir sind nur noch dort und Kämpfen, weil wir nicht den Mut haben zuzugeben, daß wir gescheitert sind. Eine Kultur des Scheiterns ist in unserem westlichen, moralischen Wertekatalog nicht mehr vorgesehen. Vielleicht hat Clausewitz deshalb geschrieben: Nichts ist schwerer als der Rückzug aus einer unhaltbaren Position.

Deshalb lassen Sie uns mutig sein und das Schwere tun. Lassen Sie uns das Kühne wagen. Lassen Sie uns das Scheitern eingestehen. Denn nur, wer das Scheitern eingesteht, ist der wirklich Starke. Und wenn wir dann nach Draußen gehen, mit diesem Gedanken, dann hat der Tod dieser Männer vielleicht doch noch einen Sinn gehabt.

Georg Schramm geht meiner Ansicht nach nicht weit genug in seiner Trauerrede auf die deutschen Soldat_innen. Daß der Tod die logische Konsequenz soldatischen Handelns ist, kann nicht bestritten werden. Soldat_innen töten und werden getötet. Diese Dichotomie dominiert die soldatische Existenz und hebt sie auf eine beinah existenzialistische Höhe. Ich nun aber möchte mich auf die Soldat_innen selbst und ihr menschliches Leben konzentrieren.

Der (logische) Tod der Soldat_innen, der Frauen und Männer sowie Transgender unter Waffen muß konsequent und systematisch überhöht werden, um ertragbar zu sein. Nicht der Tod macht die Soldat_innen besonders, sondern der märtyrerhafte Heldentod. Insbesondere die_er deutsche Soldat_in scheint sich nach dem schicksalhaften Nibelungen-Tod zu sehnen. Er weiß zwar nicht, wofür er kämpft. Aber er stirbt für Frieden, Recht und Freiheit – vor allem aber für die deutsche Volksgemeinschaft!

Deshalb frage ich mich ernsthaft, warum nicht am Krieger_innen-Denkmal auf die toten deutschen Soldat_innen angestoßen werden darf, wenn eine_n deutschen Soldat_in der Heldentod ereilt? Schließlich haben sie ihr Ziel erreicht – sie sind in Pflichtausübung für die Freiheit des Deutschen Vaterlandes oder der Muttererde gestorben. Für Opium, Öl und Aufbauhilfe.

Warum heult die Bundesmutti um die Soldat_innen. Ist es nicht ekelhaft, wie sie sich über den Tod von Soldat_innen echauffiert und eine vermeintliche Misanthropie der Taliban anprangert, aber zum Tod afghanischer Zivilist_innen kein Wort verliert? Es nervt einfach nur, daß sie den toten deutschen Soldat_innen nicht ehrwürdig ein Sektglas entgegenstreckt und ausruft: Ihr habt es geschafft! Ihr seid im heiligen Walhalla!

Noch schlimmer ist aber der von und zu Guttenberg! Warum entschuldigt sich der Obergeneral ständig? Warum feiert er nicht sein Kanonenfutter? Sein weinerliches Ich nenn‘ es auch Krieg braucht kein Mensch. Er sollte ebenfalls auf die Toten trinken, für die er verantwortlich ist. Er sollte sie beglückwünschen, daß sie die logische Konsequenz soldatischen Handelns – den Ehrentod – erreicht haben und im ewigen Angedenken der widerlichen Deutschen Nation weiterleben werden. In Stein gemeißelt und umzäunt abgestellt, selbstverständlich unter Auschluß der Öffentlichkeit.

Deshalb rufe ich dazu auf nicht rumzuheulen, wenn ein_e Soldat_in stirbt. Weint um die hunderten Zivilist_innen, die tagtäglich von alliierten Raketen, islamistischen Bomben und Kugeln der Warlords getötet werden! Feiert den sinnlosen Heldentod der deutschen Soldat_innen! Gebt der Passion Deutschland einen Sinn – steigert den Schampusverbrauch!

Feiert Feste, wie sie fallen!