„Staat ist nicht gleich Staat, aber Kapital ist gleich Kapital.“

Am nächsten Donnerstag redet Gerhard Scheit in Potsdam auf Einladung der Emanzipativen und Antifaschistischen Gruppe (eag) und der Gruppe Disparat über sein neuestes Buch Der Wahn vom Weltsouverän. Zur Kritik des Völkerrechts.

Schon im November vergangenen Jahres veröffentlichte die jungle World ein Kapitel aus dem Buch. Eine recht kritische Rezension erschien ein paar Monate später im Leipziger Conny Island Magazin CEE IEH Nummer 173. Der Autor meint einen Zerfallsprozess an den bewegungspolitischen Rändern der antideutschen Theorie zu erkennen, die nunmehr nur noch Ideologiekritik (Bahamas) sein möchte, und attestiert Scheit eine reißerische, zurichtende Methodik und rhetorische Abgeschlossenheit.

Ich fand die Ideen und intellektuellen Konstruktionen von Scheit in seinem neuen Buch in erster Linie komplex, kompliziert und äußerst abstrakt. Ähnliches kann den Kritiker_innen vorgeworfen werden. Dies Rezension in der CEE IEH ist eine Diskurssammlung, die jede_n Politikwissenschaftler_in und Philosoph_in beeindruckt, aber eine Bewegung, ob sie nun antideutsch, antifaschistisch oder antistaatlich (also anarchistisch) sein mag, in den sprichwörtlichen Elfenbeinturm einsperrt. Dennoch finde ich beides interessant und erhellend. Ähnlich geht es mir übrigens mit Peter Decker. Nur geht mir der in seiner destruktiven und nihilistischen Art zu weit.

Aber vielleicht bin ich auch nur zu blöd die Wahrheit zu verstehen. Lyzis würde dem ganz bestimmt vorbehaltlos zustimmen. Schließlich brauch der Bolschewik seinen Feind, sein linkes Gegenstück, daß eindrucksvoll und sprachgewaltig abgewertet werden muß. Schließlich gibt es wahrhaftig kein man, was durch mensch ersetzt werden muß. Man meinte schon immer (etmylogisch) und historisch richtig den abstrakten Menschen.

Aber das ist eine ganz andere Diskussion, die allerdings den der GSPler genauso brennend interessiert, der sich diszipliniert jauchzend dem verbalen Ordnungsfetisch hingibt und dem bürgerlichen Standatisierer Duden gleich, sich über sprachliche Dynamik genauso echaufiert, wie über Genderkuddelmuddel. So wird schließlich das so einfache Weltbild kompliziert, unüberschaubar, diskursverhaftet und sprachlich. Dann schon lieber ausgrenzen, dogmatisch abwatschen und avandgardistisch herabsetzen! Immer auf der Suche nach Sprachnazis und Diskursfaschist_innen!

Aber witzig sind sie trotzdem, die spaßfreien, reaktionären Bolschewiken und Stalinisten. Vielleicht kommen sie ja am Freitag ganz emanzipativ und kritisch Gerhart Scheit stören. Allerdings nur, wenn sie sich nicht schon am Donnerstag völlig verfilzt und verknotet haben.