Michael Ballack – Weiß und schlagkräftig

Die deutsche Fußballnation leidet und die teutonische Volkssele kocht. Der schwarze Bösewicht, der Berliner Prince Kevin, der öffentlichkeitswirksam dem DFB den Rücken kehrte und die Heilige Deutsche Bundesrepublik für Ghana verlassen hat, trat den deutschen Saubermann und Fußballsteuermann brutal um. Und er bekam lediglich die Gelbe Karte für das rüde Foul. Völlig unterschlagen wird aber, daß Ballack einige Minuten vor dem Foul Boateng mit der flachen Hand, ganz in der Manier des Kolonialherren, der seinen Sklaven schlägt, geohrfeigt hat. Für diese Tätlichkeit hätte er locker Rot sehen müssen.

Aber für den deutschen Kapitän gilt diese Regel nicht. Er hat sich schließlich benommen, wie es sich für einen weißen Übermenschen gehört. Der Schwarze, ob nun Prince oder einfach übermütig, darf das saubere weiße Fleisch gar nicht berühren. Der Mohr sollte froh sein, wenn der Herr ihn persönlich und nicht in der Dritten Person anspricht.

Nur dem aufmerksamen 11 Freunde Experten BjörnBond, dessen unverzeihlicher Fehler es ist HSV Fan zu sein, fiel etwas ganz besonders auf.

Boateng und der englische Schiri haben der Nationalmannschaft also einen Dienst erwiesen. Denn das Foul hätte es nie gegeben hätte der Schiri Ballack für seine Tätlichkeit an Boateng von der Koppel gestellt.

Das heißt nix anderes, als daß der englische Schiri Schuld ist. Schließlich hat er Ballack für seine klare Tätlichkeit gegen Boateng lediglich verwarnt. Eine Karte gab’s, wie wir wissen, nicht. Also, der bösartige Brite hat in Zusammenarbeit mit dem farbenflüchtigen Antideutschen die deutsche Nationalmannschaft empfindlich geschadet.

Aber diese wichtige Kausalkette interessiert die deutschen Medien wenig. Sie pöbeln fröhlich nur gegen Boateng und schüren mit Extrasendungen und Dauerwiederholungen den Haß. Das sieht auch Vater Boateng so. Gegenüber der Münchener tz echaufiert er sich über die Kampagne gegen seinen Sohn.

Es ist immer das Gleiche: Alles, was Kevin macht, ist immer gleich Absicht. Warum stempelt man ihn so ab? Ich sage das nicht, weil er mein Sohn ist, sondern weil es unfair ist. Das kotzt mich langsam echt an. Immer ist Kevin der Buhmann.

Sonderlich neu ist dies nicht. Der Stempel für den frechen Migranten liegt in europäischen Stadien immer griffbereit. In Italien ist es Mario Balotelli, der sich keinen Fehler und zu viel Euphorie erlauben darf. Der Haß gegen ihn geht seit einiger Zeit so weit, daß er nur noch imaginiert werden muß, um zu rassistischen Gesängen zu motivieren. Totti war der Spieler, der den verbalen Rassismus von den Rängen beim Pokalspiel am 5. Mai praktisch werden ließ. Er grätschte Balotelli um, trat nach und beschimpfte ihn mit dem N-Wort. Ballack war da etwas zurückhaltender. Er hat Boateng lediglich geschlagen. Nur bekam er einige Minuten später die (rebellische) Quittung für seinen Übergriff.

Die deutschen Medien berichten von dem für Ballack wenig schmeichelhaften Vorspiel wenig. Das ZDF erwähnt zwar, daß sich Boateng und Ballack schon vor dem Foul in der Wolle hatten, vergißt aber zu erwähnen, daß das arme deutsche Opfer (aus dem Osten) Boateng geschlagen hat. Im Bericht im Aktuellen Sportstudio wurde diese Sequenz am Samstag noch nicht unterschlagen. Aber schon einen Tag später war der Sündenbock geboren. Prince Boateng, der Rüpel und Treter, der sich gefälligst beim weißen Überkapitän entschuldigen soll, wird zum Sündenbock für das Leid der deutschen Fußballnationlist_innen.

Boateng soll mit Absicht zugetreten haben. Er soll mit diesem Foul bewußt die wichtigste Position in der deutschen Nationalmannschaft weggetreten haben. Sein neues Nationalteam soll ausschlaggebend für sein (Revanche-) Foul gewesen sein. In keinem Fall war es Ballacks Tätlichkeit, die nicht geahndet wurde. Boateng will, so phantasiert die deutsche Volksseele, den Deutschen die Weltmeisterschaft vermiesen. Schließlich trifft Ghana schon in der Gruppenphase auf Deutschland.

Also, wenn Löws Jungs mit Bundesadler auf der Brust, gleich nach der Gruppenphase (oder schon vorher) rausfliegen, steht der Schuldige längst fest. Prince Boateng hat jetzt schon den Schwarzen Fritz gezogen und der deutschen Seele eine schöne Ausrede geliefert. Hierbei sind eventuelle xenophobe Exzesse und rassistische Beschimpfungen eingeschlossen. Mal sehen, wie sich die Sache noch entwickelt. Schön wird’s auf keinen Fall.