Nazis morden erneut in Moskau

Am Samstag abend wurde erneut ein Mensch von Nazis umgebracht. Verschiedene Blogs und Zeitungen berichten, daß mindestens dreißig vermummte Nazis eine Geburtstagsfeier auf einer Uferwiese im Nordwesten von Moskau in der Dämmerung mit Steinen, Flaschen, Schreckschußpistolen und Messern angegriffen haben. Die Männer und Frauen flohen. Nur Dima Kaschizyn war nicht schnell genug und mußte sterben. Hinzu kommt, daß in Iszhewsk auf einen bekannten Antifaschisten ein Brandanschlag verübt wurde.

Die Angreifer_innen in Moskau hielten die Feiernden offenbar für Antifa-Aktivist_innen, was ihren brutalen und tödlichen, geplanten Übergriff wohl rechtfertigen sollte. Aus diesem Grund solidarisieren sich Moskauer Antifaschist_innen mit den Opfern und rufen zur Unterstützung der Hinterbliebenen auf.

Der 27-jährige Dimitrij Kaschizyn war angehender Absolvent der Moskauer Universität für Technik und Verwaltung. Nach Angaben seiner Freunde hatte er keinen Kontakt zur Antifa oder andern politischen Gruppen. Fußball- oder Eishockeyfan war er ebenfalls nicht. Dima war weltoffen, freundlich und Hardcore-Fan.

Das Geburtstagskind, das die Party ausrichtete erzählt gegenüber der Izvestija folgendes zu den Vorkommnissen und dem Verhalten der Polizei.

Am Samstag sind wir in einer großen Gruppe nach Stroguno gefahren um meinen Geburtstag zu feiern. Wir haben Schaschliki gegrillt, Bier getrunken und entspannt gechillt. Gegen 22:30 Uhr waren wir nur noch 15 Menschen, davon waren die Hälfte Mädchen. Es begann zu dämmern.

Wir machten uns bereit aufzubrechen, haben die Reste des Essens zusammengepackt und den Müll eingesammelt. Plötzlich sahen wir wie ein Mob von ca. 30-40 Mann aus der Richtung des Restaurants „GlavBeach“. Alle schwarz vermummt. Sie schrien: Da sind sie. Zicke-zacke. Holt sie euch! Und dann begannen sie Steine und Flaschen auf uns zu werfen. Einer der Typen schoß mit einer Pistole, wahrscheinlich einer Schreckschußpistole. Ich hörte mindestens drei Schüße.

Wir sind dann abgehauen und in verschiedene Richtungen gerannt. Das Geschrei und der Lärm dauerte ungefähr zwei Minuten und verstummte dann. Als wir zurückkehrten, sahen wir, daß einer von uns es nicht gschafft hat wegzulaufen. Es war meine Freund Dima Kaschizyn.

Er sah schlimm aus: sein Gesicht und Kopf waren zerschlagen, die Hand verdreht, und sein Rücken übersät mit Messerstichen. So wie er aussah, wurde er mehrmals von hinten in der Nähe des Herzen mit einem langen, dünnen Messer getroffen.

Die Miliz behauptet, daß unsere Gruppe irgend etwas besonderes gehabt haben muß, weil diese Typen ausgerechnet uns überfallen hätten. Aber wir sind ganz normale Leute und ich verstehe absolut nicht, warum dies passierte. Vielleicht haben die uns mit irgend wem verwechselt?

Im Übrigen dauerte es 10 Minuten bis die Miliz kam. Der Rettungswagen kam erst 40 Minuten nach dem Übergriff. Dima war zu dieser Zeit längst tot.

Die Polizei versuchte, wie auch aus der Schilderung des Gebutstagskindes zu erkennen ist, einen offensichtlichen Angriff militanter Nationalist_innen und Nazis zu negieren und die Ermittlungen in diese Richtung zu verhindern. Vielmehr veröffentlichten sie eine eigene Version der Ereignisse. Die Konstruktion der Sicherheitskräfte kolportierte zunächst eine Auseinandersetzung verfeindeter Eishockeyfans, die sich nach dem Spiel zwischen Deutschland und Russland ebenfalls in Stroguno getroffen haben und aneinander geraten sein sollen. Später revidierten die Offiziellen ihr Version und negeierten eine Verbindung. Aber sie behaupteten immer noch, daß zwei Gruppen beteiligt waren, die an der Uferwiese gegrillt hatten. Bis heute bleibt die Miliz bei ihrer Version, daß die Mörder keine Nationlist_innen gewesen wären. In Stroguno waren alles Russ_innen und von nationalistischen Parolen wurde ns nix erzählt. Nur komisch, daß die Opfer sehr wohl ähnliches erwähnt hatten.

Nur einige Stunden später und einige hundert Kilometer weiter im Osten wurde in Izhewsk auf die Wohnung des bekannten Antifaschisten Oleg Serebrennikov ein Brandanschlag verübt. Außerdem sollen Schüße aus einem Lufdruckgewehr gefallen sein.

Serebrennikov war 2004 schon einmal Opfer eines Naziangriffes. Nach einer nichtangemeldeten, antimilitaristischen Kundgebung der anarchistischen Gruppe Attaca gegen die Wiederwahl von Putin im Febuar 2004 überfiel eine Gruppe von ca. 20 Naziskins Serebrennikov und einen Genossen.