Kreuzberg – Immer noch in der Hand von altlinken Ideologen

Der große Menschenfreund Nicolas Berggruen ist wahrhaftig ein ganz Großer. Vor ein paar Tagen rettete er die Karstadt Mitarbeiter_innen, jedoch ohne einen Plan zu haben, was er mit ihnen anstellen soll. Beim Künstlerhaus Bethanien hatte er es schon einfacher. Die mußten nämlich vor anarchistischen Linksautonomen gerettet werden, die immer wieder die Kunsträume angriffen, Dinge stahlen und überhaupt sich völlig nonkonformistisch dem Schalten und Walten des honorigen Ex-Ostlers Christoph Tannert widersetzten. Das Deutschlandradio (mp3) widmete sich dem Umzug und zeichnete ein verqueres Porträt des diktatorischen Kunstmanagers.

Das es dem gar nicht menschen- allerdings verdammt kapitalfreundlichem Tannert in erster Linie um die kommerzielle Ausbeutung künstlerischer Objekte als Ware geht, betont er gerne und immer wieder ungefragt. Dabei ist seine Wortwahl nicht selten totalitär existenzialistisch. So meint er, daß wer den Markt ignoriert, darin umkommen würde. Damit meint er all jene, die sich außerhalb kommerzieller Verwertungsmechanismen bewegen oder diese künstlerisch attackieren.

Das Feature beim Deutschlandfunk feiert Tannert dementsprechend freundlich als Bollwerk gegen altlinke Ideologien. Cornelius Wüllenkemper, der Autor des Beitrags, wiederholt unhinterfragt die blödsinnigen Phrasen und trotzigen Verschwörungstheorien von Tannert. Der sei vom Senat gegängelt worden. Die Autonomen hatten ihn und sein Haus bedroht sowie verbreiten eine totalitäre (vielleicht auch extremistische) Atmosphäre. Außerdem ist der versteckte Standort des Künstlerhauses mehr als unvorteilhaft zur ordentlichen Vermarktung der Kunstware.

Bewußt verschwiegen wird, daß die übel beleumndeten automen Besetzer_innen zum New Yorck gehören. Der Name fällt nicht einmal. Darf er auch nicht. Schließlich verweist das Projekt mit seinem Namen auf das ältere brutal und widerrechtlich geräumte Haus in der Yorckstraße 59. Ganze Familien verloren ihr Dach über dem Kopf. Antirassitische Initiativen, migrantische Gruppen und andere Organisationen verloren ihren Treffpunkt. Künsterler_innen wurden obdachlos.

Die Geräumten besetzen den Südflügel des Bethanien und schufen einen neuen freiRaum. Tannert und die ach so avantgardesken Künstler_innen im Nordflügel arbeiteten ohne Rücksicht auf die existenzielle Zwangslage der Besetzer_innen von Beginn an gegen sie und betrieben eine aggressive sowie ausgrenzende Lobbyarbeit beim Berliner Senat. Der hielt sich allerdings zurück. Dies gefiel Tannert nicht und so zog er weiter.

Das es um die Beziehungen zwischen dem Regierenden Bürgermeister, dem Senat und dem Managment nicht so schlecht bestellt sein kann, ist daran zu erkennen, daß sich – wie bei jedem kulturellen Event – Wowereit, Schmitz und Co. freundlich und in contraalternativer Feierlaune gerne von Tannert und Berggruen einladen lassen. Den Deutschlandfunk interessiert dieses Paradoxon aber wenig. Der deutschnationalen und prokapitalistischen Kulturabteilung ist nur eins wichtig: altlinke Anarchist_innen zu marginalisieren und diffamieren.

So verwundert es nicht, daß Wüllenkemper die Vertreibung alternativer Strukturen, wie zum Beispiel das Cafè Jenseits, als Fortschritt und Ausgrenzung vermeintlich reaktionärer, linker Phantasten feiert.

Der Umzug des Künstlerhauses zeigt, wie ein manchmal noch von altlinken Ideologien geprägter Bezirk mit einer jungen, modernen Kunstszene endlich in der Gegenwart ankommt.

Na darauf einen Latte bei Starbucks!