Schwarz-weiß-rot – Was sonst!?

In Berlin sammeln sich zur Zeit jeden Nachmittag am Nazibau Olympiastadion wieder tausende deutschtümelnde Nationalist_innen und feiern gemeinsam mit semiprofessionellen Firmen, sozialen Netzwerker_innen und anderen Nationalfahnenfetischist_innen das Großereignis Fußballweltmeisterschaft. Die Fanmeile wird von der Firma compact team organisiert, die bei nationalistischen Massenspektakeln in Deutschland der führende Dienstleisterleister ist. Ihr Geschäftsführer ist der bundesdeutsch gewendete Ex-Ossi Gerald Ponesky, der einige Schwierigkeiten mit den deutschen Nationalfarben hat.

In einem Interview mit der aktuellen jungle World, das leider erst in den nächsten Tagen online geht, outet er sich als Anhänger einer reaktionären, reichsdeutschen Farbenlehre. Auf die Frage, was es mit dem 100m lange Deutschland Schal, den einige selbstausbeuterische Assecoires Produzent_innen für die Fanmeile gestrickt haben, auf sich hätte, antwortet Ponesky wie folgt.

Das war eine ganz tolle Aktion von der Online-Plattform „DaWanda“. Die haben eine Fan-Schal stricken lassen, so richtig mit Wolle, in schwarz-weiß-rot, äh schwarz-rot-gold. Der ist über 3 Meter breit gewesen und 100 Meter lang und den haben wir über die Fans ausgelegt. Die haben ihn über die Köpfe weitergereicht. Das war ein traumhaftes Bild, sensationell.

Er scheint gar nicht zu bemerken, was er da so klassisch freudschisch von sich gegeben hat. War es zuerst die ZDF Journalistin Katrin Hohestein-Müller, die Verbindung zum deutschen Unterbewußtsein aufgenommen hat, legt Ponesky eindeutiger und unmißverständlicher nach. Das erste, was ihm zu Deutschland, seinen Menschen, ihrer Euphorie und Lebensfreude und dem gelebten Miteinander einfällt, sind die deutschnationalen Farben konservativer Revolutionäre, die bereitwillig von den Nazis übernommen wurden. Ponesky entlarvt sich so als (unbewußten) Parteigänger preußisch reaktionärer, nationalistisch vordemokratischer Ideale, die sich durch seine Biographie durchaus bolschewistisch verknüpfen lassen und so in einer widerlichen, (totalitären) nationalistisch sozialistischen geistigen Querfront münden.

Früher einmal organisierte er in der DDR die Aufmarsch-Farce zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987. Er brachte Bruce Springsteen nach Ost-Berlin und ließ Honnecker verstärkt in Polen reden. In der BRD ging seine Karriere steil weiter. Er gründete eine Modelagentur, richtete den großen Gerhard Schröder Inthronisierungsparteitag aus und wuselte sich erfolgreich durch den Berliner Kulturklüngel.

Heute ist er bevorzugt Ausrichter der nationalen Großereignisse. So wird er am 2. / 3. Oktober in Bremen das Einheitsfest in Bremen organisieren. Die SPD Prteitage seit 1998 liegen komplett in seiner Hand. Er feiert gern zivilbürgerlich unkritisch und antiextremistisch mittig die Demokratie. Gegen Teror hat er auch was. Auf jeden Fall läßt sich mit Trauer vorzüglich Geld verdienen. Das das Einheitsfest in Bremen sensationell wird und es zum nationalen Staubahnbruch kommt, dafür wird Ponesky schon sorgen. Schade eigentlich, daß kein Sportereignis gleichzeitig stattfindet. Dann hätte er es einfacher! Der (unbewußt) deutschnationale Ponesky!