Schwuchteln, Schwule und andere Menschen – Homophobie im Fußball

Im Fußball sind homophobe Beschimpfungen immer noch an der Tagesordnung. Spieler_innen müssen sich männlich benehmen.Sie sollen kämpfen und sich für die Mann_Schaft kollektiv aufopfern. Als Belohnung winkt Ruhm, Ehre und Massenzärtlichkeit. Letzteres finde ich übrigens durchaus symphatisch, aber die latente Homphobie, die selbstverständlich zumeist die Gegner_innen betrifft, ist mehr als widerwärtig. Diese Ausgrenzungsmechanismen lassen sich aber, wie Judith Butler bei ihrer Ablehnungsrede zum CSD Zivilcouragepreis, zahlreichen Organisationen betonten, nicht von rassistischen, islamophoben, nationalistischen und vermeintlich kulturellen Exklusionen trennen.

Erstaunlich ist, daß Umarmungen, Potätscheln und Küße zwischen Männern und Frauen auf dem Rasen von Fans durchaus positiv wahrgenommen und geduldet werden. Selbst auf den Rängen finden sich Gruppen zum Kuscheln zusammen. Es wird aber kategorisch negiert, daß diese kollektiven Zärtlichkeiten irgend etwas homoerotisches hätten. Jeder Kuß würde wahrscheinlich dementsprechend schmerzhaft bestraft werden. Obwohl selbiges auf dem Rasen stattfindet.

Im Rahmen der Reihe Aktiv im Abseits im tristeza findet am Donnerstag zum Thema Homophobie im Fußball eine Infoveranstaltung und Podiumsdiskussion statt. Anwesend sein werden Referent_innen von der European Gay and Lesbian Sport Federation (EGLSF), den Respect Gaymes aus Berlin und vom Sportverband für Schwule und Lesben anwesend. Hier der Einladungstext.

„Als ich noch in Bremen war, hörte ich, dass unser Masseur schwul ist.“ Reaktion Rudi Assauers, Ex-Manager von Schalke 04: „Ich habe ihm gesagt: Junge, tu mir einen Gefallen: Such Dir einen neuen Job.“. Schon seit vielen Jahren fragen Medien und Sportvertreter danach, doch passiert ist bisher nichts: Wann outen sich die ersten aktiven Fußball spielenden Frauen und Männer als homosexuell? Klar ist: Einige sind homosexuell, verstecken sich jedoch: Mit Alibi-Ehe, Alibi-Kindern und damit zu weiten Teilen Alibi-Leben. Offene und versteckte Spielarten von Homophobie befinden sich bei Vereinen und Verbänden ebenso wie bei den Spielenden selbst und deren Fans. Und das obwohl sich diese im Fußball weit öfter körperlich nahe sind als im restlichen gesellschaftlichen Leben. Oder sind Sie gerade deswegen besonders homosexuellenfeindlich? Es würden diejenigen, die sich outen, plattgemacht von ihren Mitspielern und von den Leuten im Stadion. „Diese Hetzjagd sollte man ihnen ersparen.“, so Assauer. Wir werden aktuelle Erscheinungsformen von Homophobie im Fußball benennen und Praxisbeispiele vorstellen, die sich klar dagegen positionieren.

Einen Tag vorher zeigt die Brigata Amaranto in der Lunte den Film Ultrà – Blutiger Sonntag, der sich ungeschönt mit der Gewalt und den Ritualen dieser Fankultur auseinandersetzt. Hier ein Video als Vorgeschmack.