Die Pioniere sind längst da! Und sie bleiben!

Seit einigen Tagen ist die zweite Ausgabe Stadtteilzeitung Randnotizen fertig und kann in der Lunte abgeholt werden. Sie wird in den nächsten Tagen aber ganz bestimmt auch in anderen Lokalitäten ausliegen. Die Lektüre lohnt sich vor allem auch, um sich darüber zu informieren, was in den letzten Wochen im Kiez passierte. Außerdem gibt es erneut Hinweise, wie wie, wo und wann Anwohner_innen aktiv werden können. Ein Möglichkeit ist zum Beispiel sich an der nächsten Stadtteilversammlung in der Langen Nacht am 1. Juli ab 20 Uhr zu beteiligen.

Wie wichtig der selbstorganisierte Protest und Widerstand gegen Aufwertungs- und sogenannte Gentrifizierungsprozesse zeigt sich daran, daß beinah jede Woche neue Äußerungen und Aktivitäten von den Verantwortlichen der Bezirksämter, den Parteien – allen voran den Grünen – den Träger_innen und den Bevollmächtigten zur konzeptionellen Flurbereinigung für die Privatisierung vom Quartiersmanagment Schillerpromenande kommen, welche den Alltag der Anwohner_innen im Schillerkiez existenziell gefährden. So soll der Quadratmeterhöchstpreis für Neuvermietungen auf über 9 Euro pro m² gestiegen sein. Die Neuköllner Grünen wünschen sich eine ökologische Aufwertung von Nordneukölln durch nachhaltige Bauvorhaben zum Kultur- und Szenekiez. Das es insbesondere in der Weise- / Fontane- / Selchowerstraße längst nach Friedrichshain aussieht, dürfte die abesicherten Bürger_innen-Kinder sehr freuen. Wobei sie ausgerechnet aus ihrem Jugendumfeld einige Kritik einstecken mußten.

Ein weiteres Indiz für zunehmenden Aufwertungs- und damit Verdrängungdruck auf Anwohner_innen und ärmere Zuzügler_innen aus Friedrichshain, Mitte, Kreuzberg und dem Reuterkiez (!) ist, daß Immobilienbesitzer_innen zunehmend versuchen ihre Häuser selbst zu renovieren und zu sanieren, weil sie offenbar glauben, danach sehr viel höhere Mieten kassieren zu können. Die Geschichte des selbstorganisierten Projektes (Randnotizen #2, S. 47), das an dem runtergekommenen Haus in der Weisestraße 47 interessiert war, um dort alternative Lebensentwürfe zu leben, verdeutlicht erschreckend, daß die Verdrängung in Nordneukölln, in nicht nur im Reuter- und Flughafenkiez längst angekommen ist.

Außerdem eskalierte in der vergangenen Woche die Situation direkt auf der Schillerpromenande. Nachdem das QM im Allgemeinen und Schmiedeknecht im Besonderen in Zusammenarbeit mit den Ämtern – vor allem dem Bauamt – die sogenannten osteuropäischen Sasionarbeiter_innen verjagt haben, sind nun die Trinker_innen dran. Nachdem vor einiger Zeit erst wieder die Bänke in der Schillerpromenande erneuert und sogar Tische aufgestellt wurden, mußten sie am vergangenen Dienstag wieder weichen. Dieser direkte Angriff auf vermeintlich störende Trinker_innen, die sich einfach nicht leisten können, in den umliegenden Kneipen zu sitzen, beweist, daß das QM keineswegs an einer Zusammenarbeit mit den Anwohner_innen interessiert ist, sondern vielmehr diese offensiv immer wieder auf’s Neue unter Druck setzt.

Aber das eigentliche Thema Randnotizen ist das Tempelhofer Feld und seine spektakuläre Öffnung, die für einige mit Platzverweisen, Prügel, fremdenfeinlichen und sexistischen Beleidungungen sowie Festnahmen endete. Diese ungemütliche Atmosphäre setzte sich an den folgenden Tagen fort. Höhepunkt war ein Übergriff von Nazis auf renitente, antifaschistische Kritiker_innen am Pfingstsonntag. Trotz Security die bei alternativen Menschen durchaus ruppig reagieren, blieb ein Nazi mit Hitler-Shirt auf dem der Spruch Ein Volk, ein Reich, ein Führer aufgedruckt war, völlig unbehelligt (siehe Volksverhetzung, Strafvereitelung im Amt usw). Einen Platzverweis gab es nicht. Eine Beschlagnahme und Aufnahme der Personalien ebenfalls nicht. Dafür wurden die Antifaschist_innen nachdem Security und Polizei gegangen war, angegriffen und mußten das Feld – den öffentlich privatisieren Park – verlassen.

Also, ist gibt einiges zu lesen und viel zu besprechen! Viel Spaß!