„Aber Du doch nicht, Mama, oder?“

Das sagt der kleine Musti zu seiner Mutter und durchbricht so – nicht nur mit seinen vielen Warum – eine antideutsche Hysterie der nicht nur sexuell neuerwachten Fricka. Mit dieser emotionalen Feststellung eines kleinen Knochenmannes wird die irrationale Abgrenzung durch eine liebevolle Inklusion ersetzt.

Andreas Michalke setzt in dem aktuellen Bigbeatland Strip seine Auseinandersetzung mit antideutscher Theorie fort. Es scheint eine bürgerliche Kritik zu sein, die eine ideologische Abgrenzung durch familiäre Nähe ersetzt. So einfach ist es aber nicht, wenn mensch sich die gesamte Bigbeatland Historie vergegenwärtigt.

Der kleine Musti ist das verkleinerte Spiegelbild des Knochenmann Markus. Der ist ein politisches Chamäleon. Seine Figur hat einiges mitgemacht. Sie ist einfach alt, wie Markus mal auf eine Frage, warum er so komisch aussieht, von jungen, hippen Partysquatter_innen geantwortet hat.

Markus war quasi seit den 60igern bei allem dabei, was in der radikalen Linken legendär und wichtig war / ist. Er war seit einigen Monaten verzweifelt und schien ideologisch erstarrt. Aber dann kamen die Nazis und sie haben alles verändert. Am Ende der Eskalation ging Markus in den Knast und Fricka blieb allein mit einem Knochenmännchen, das sich schwarzrotgold beschmiert.

Im letzten Bigbeatland Strip brauchte die anti-antideutsche Kritik noch viele Worte und drehte sich dialogisch diskursiv um sich selbst. Gebrochen wurde sie durch eine repressive Mutterintervention. Musti hat keine Chance und mußte sich fügen. Aber diesmal hat das Knochenmännchen gelernt. Musti hebt die antideutsche Tirade seiner Mutter ganz einfach auf.

Der verkleinerte Knochenmann – graphisch das Spiegelbild des vermeintlichen Ex-Terroristen, des Kommunisten, Antikapitalisten, Autonomen, Squatter und revolutionären Nationalisten – setzt dem Ideologischen das Familiäre entgegen und bleibt so doch politisch. Aber Du doch nicht, Mama, oder befragt die Theorie und Mutter zugleich. Ist das nicht sogar beinah dialektisch?