Mit dem Hakenkreuz die Sonne grüßen

Da haben sie sich ganz furchtbar echaufiert – die ehemaligen adligen Widerstandskämpfer_innen mit völkisch antisemitischen Habitus von der Stiftung 20. Juli 1944. Ausgerechnet das Flagschiff für die Restauration der ruhmreichen deutschen Luftwaffe – äh Luffahrt – erlaubt sich am 20. Juli 2010 die restaurierte Ju88 zu präsentieren, die mit einem fetten Hakenkreuz ausgestattet an prominenter Stelle in der Ausstellung platziert wurde und gut sichtbar nationalsozialismusaffine Besucher_innen für ein Erinnerungsfoto erwartet. Die Stiftung kritisierte übrigens lediglich den sehr unpaßend gewählten Termin.

Laut rbb fiel Holger Steinle, dem Leiter der Abteilung Luft- und Raumfahrt des Deutschen Technikmuseum Berlin, bezüglich dieses unpaßenden Termins zur Präsentation eines technischen Nazimörderwerkzeugs nur ein, daß man sich über das Datum keine Gedanken gemacht habe.

Das Hakenkreuz ist ebenfalls kein Problem für die Offiziellen des DTMB. Der Museumsdirektor Dirk Böndel erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, daß Geschichte nicht ausgeblendet werden kann und soll. Aber eine kritische Auseinandersetzung mit den Errungenschaften deutscher Ingenieurkunst ist ebenfalls nicht erwünscht und wird insbesondere von Böndel ignoriert.

Diese Verdrängung der Verantwortung für eine kritische Einordnung der Exponate in einen historischen Diskurs hat im DTMB eine fruchtbare Tradition. Die Verdrängungsleistung ist enorm und zeigt sich immer wieder, wie unsensibel selbst die Konzeptionen der Ausstellungen im DTMB erarbeitet werden. Kritische Interventionen, wie hier schon das ein oder andere mal berichtet wurde, werden kriminalisiert und unterminiert.

Nicht nur Präsentationsdaten werden nicht sorgfältig ausgesucht, sondern die Ausstellungen selbst sind Teil Beweise für die enorme Verdrängung jeder historischen Veratnwortung. So mußte der Deportationswagen bei Veranstaltungen im Lokschuppen regelmäßig dem Buffet weichen. Die Plattformen in derselben Ausstellung zur Geschichte der Reichsbahn sind für Menschen mit Handicap nicht zu erreichen. Hinzu kommt, daß sich nicht selten Nazis, erkannbar an ihren Klamotten, sich vor nationalsozialistischer Technik fotografieren lassen. Die Luffahrtausstellung erfeut sich hier aufgrund der einschlägigen Symbolik besonderer Beliebtheit bei Nazis.

Mit der Ju88 – dem neuen Herzstück der Luftfahrtausstellung – wird das DTMB schnell zum Pilgerort für die brauen Brüder, die sich mit Hakenkreuz ausgestattet der Sonne zuwenden wollen. Getreu dem Nazischlager – Flieger, grüß‘ mir die Sonne.