Volksfest, Opfer und Pensionen

Eigentlich wollte ich zur Duisburger Loveparade nix schreiben. Dazu gibt es genügend und sehr gute Analyse bei verschiedenen Zeitungen, Zeitschriften und in den sozialen Netzwerken.

Mit Eva Hermann und dem Kopp-Verlag kamen auch schon die christlichen Fundamentalist_innen aus ihren Löchern gekrochen, welche die apokalyptisches Bilder christlich umwerteten und Gottes Strafe – bekannt als Sodom und Gomorrha – heraufbeschworen. Hierfür gab es selbst in islamistischen Foren Applaus. Da fehlt eigentlich nur noch der nationalbolschewistische Antikapitalist Elsässer. Der würde aber wahrscheinlich eher von einer Verschwörung des angloamerikanischen Finanzkapitals geifern, das zurückschlug, weil es an den Einnahmen des rave nicht beteiligt wurde und so das nationale Volksfest loveparade in einem inside job oder mittels agent provocateur beerdigt hat.

Ganz christlich-abendländisch werden zu Zeit die Diskurse um (politische) Verantwortung, Schuld und Buße ganz groß geschrieben. Die Forderung nach Transparenz – das architektonische Äquivalent zur neoliberalen Anreizideologie – wird ebenfalls permanent von Menschen bemüht, die dafür nicht gerade bekannt sind. Politiker_innen wollen aufarbeiten. Die Polizei fordert Offenheit. Die Kirche öffnet sich für die Trauernden. Und Heiner Cloesges vom Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen erklärt, warum der Duisburger Oberbürgermeister Sauerland weder Transparenz und Offenheit noch seinen Rückzug anbietet.

Er verliert nicht nur die Beamtenpension als Verwaltungschef, sondern auch seine Altersbezüge als ehemaliger Berufsschullehrer.

Das geht selbstverständlich gar nicht. Der arme Kerl hätte gar keine sozaile Absicherung – außer Hartz IV. Dann lieber schon ausbuhen lassen oder zu Hause die Trauernden am Samstag im Fernsehen anschauen. Wer weiß, vieleicht gibt es ja auch einen wütenden Mob, der Sauerlands Haus stürmt.

Und jetzt hab ich doch was geschrieben. Ich werd’s nicht nochmal tun. Versprochen!