Nicht hier? Jetzt hier? Oder wo?

Die Flughafenstraße wird allmählich zum Anziehungspunkt für eine junges metrokulturelles Publikum. In der Nummer 38 residiert der Staalplaat Store, der hippe pseudoalternative Electrosoziopath_innen nach Neukölln zieht. Weiter oben wurde aus der alten Wäscherei die Lavanderia Vecchia, die, wie in der Flughafenpost (pdf) zu lesen war, Mama und Papa von Neuneuköllner Student_innen und Gourmets italophil locken will. Die anderen Neuköllner_innen sind dabei nicht so interessant. Gut das es den Kanal in der Weisestraße gibt. Vielleicht spielt die Performance knowhere ja auch auf aktuelle Entwicklungen in Nordneukölln an. Wer weiß.

Der Kanal ist ein internationales Künstler_innen-Kollektiv, daß ihr Domizil in der Weisestraße aufgeschlagen hat. Diese Künstler_innen scheinen aber nicht so egozentrisch und antiemphatisch zu sein, wie die Electro- oder Italofreaks in der Flughafenstraße.

Auf den Vorwurf, sie wären Pioniere der Gentrifizierung, sie würden für Mieterhöhungen sorgen und sollten sich deshalb verpissen, antworteten sie mit einem öffentlichen Gesprächsangebot über Kunst und Gentrifizierung. An der letzten Stadtteilversammlung im Schillerkiez haben sie sich ebenfalls beteiligt. Zur Öffnung des Tempelhofer Feldes waren sie noch unentschlossen, was sie von dem neuen reglementierten freiRaum halten sollten, und luden mit dem sezierten Einhorn – dem letzten vielleicht – zum Grillen und Konzerten.

Und auch die neue Performance knowhere beschäftigt sich offenbar mit der Frage nach einem (Nicht-) Ort, einem freiRaum, wo sich Body & Soul treffen und sich fragen, wo es lang gehen soll.

Körper trifft Seele auf dem Weg ins Ungewisse. Die Seele fragt: „Wohin gehst du?“ Der Körper antwortet: „Ich weiß nicht.“ Die Seele fragt weiter: „Du gehst also einfach wer-weiß-wohin?“ Der Körper stimmt zu: „Da hast du wohl Recht Seele. Willst du mit mir kommen?“ Darauf sagt die Seele: „Ich dachte du würdest nie fragen! Ja! Ich bin dabei! Und wie weiter?, was jetzt? Der Körper antwortet: „jetzt? ich bin hier, mit dir, zusammen sind wir gewiss jetzt hier.“

Mal sehen, wie sich sich die paradox gegenüberstehenden, beweglichen Materialen zueinander Verhalten. Auf der einen Seite der Körper – das künstlerische Material – und auf der offenbar abgegrenzt die immaterielle Seele (obwohl es die selbstverständlich nicht gibt).

Die Tanzperformance wird von den drei Künstler_innen Esther-Maria Ufer, Noa Eliel und Zohar Ren Karni präsentiert.

    Premiere
    Fr. 13. Aug. um 20 uhr 30.

    Weitere vorstellungen
    Sa. 14. um 20 uhr 30
    So. 15. um 19 uhr 30.