Versöhnung!? Wir wollen deutsche Opfer!

Wie der Evangelische Pressedienst berichtet, hat der Zentralrat der Juden in Deutschland entschieden die Mitgliedschaft in der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung bis auf weiteres ruhen zu lassen. Außerdem droht offenbar ein völliger Rückzug der beiden jüdischen Vetreter_innen Salomon Korn, Vizepräsident des ZdJ, und Lala Süsskind, der Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlins, aus der Stiftung. Die Christ_innen wollen allerdings bleiben und dafür sorgen, daß sich revanchistische und abwegige Positionen nicht durchsetzen. Ob das klappt?

Mit dem erneuten Rückzug nicht-christlicher, darauf läßt sich der Opferdiskurs um die deutschen Flüchtlinge aus dem Osten insbesondere nach dem Verständnis des Bundes der Vertriebenen (BdV) durchaus verkürzen, und nicht-deutscher Vertreter_innen aus der Stiftung, demaskiert sich mehr und mehr der Auftrag und die ideologische Zielsetzung der Dokumentationsstätte. Damit ist ein weiterer Schritt hin zu einer ethnisch und religiös homogenen, deutschen Opferstiftung getan.

Es ging und geht bei der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung mitnichten darum einen Beitrag zur europäischen Vertreibungsgeschichte zu setzen und eine Kontextualisierung in die Verbrechen der Nationalsozialist_innen zu leisten, sondern die Geschichte der deutschen Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkriegs zu beleuchten. Die ethnischen Bewegungen vor 1945, so wird immer sichtbarer, sind dabei offenbar irrelevant. Andere Opfergruppen, als vermeintlich ethnisch deutsche, werden übergangen und ihre Perspektive bewußt marginalisiert.

Der Zentralrat verweist in seinem Brief übrigens explizit auf die Berufung der BdV-Funktionäre Arnold Tölg und Hartmut Saenger. Zwar hält auch Bernd Naumann, der Chef der Stiftung, die Äußerungen der beiden zu Zwangsarbeiter_innen-Entschädigungen und der Relativierung einer deutschen Kriegsschuld, die mit einer Diffamierung der von Nazideutschland überfallenen sowie annektierten Ländern einhergeht, für nicht akzeptabel, doch ein Überdenken des Engagements der beiden Revisionist_innen ist nicht vorgesehen.

Diese Tatenlosigkeit der Stiftungsoffiziellen war offenbar der ausschlagebende Punkt beim Rückzug der jüdischen Vertreter_innen aus der Stiftung. Die Berufung widerspricht nach Ansicht des Zentralrates des Juden dem satzungsmäßigen Versöhnungsauftrag der Stiftung. Außerdem gab es zwar eine Diskussion um die Berufung von Tölg und Saenger sowie ihrer Positionen, aber eine nennenswerte substantielle Bewegung oder gar erkennbare Revision dieser Entscheidung in der Stiftung, blieb aus.

Wenn das so weiter geht, wird das Deutschlandhaus seinem Namen gerecht und verdrängt jede kritische Kontextualisierung und setzt Maßstäbe in der Verklärung deutscher Nationalsozialist_innen zu Opfern der Allierten.