Türkische Invasionen und „weiße Kurven“

Der Deutsche Fußballbund (DFB) will diesmal alles richtig machen und das EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei zu einem echten, weißen Heimspiel machen. Und nein, weiß meint hier nicht die Hautfarbe. Es sollen auch nicht rassistisch Deutsche zum Spiel mobilisiert werden. Vielmehr ist die Trikotfarbe der deutschen Nationalmannschaft – die Jogi-Löw-Schwulencombo, wie Ballacks Berater so gern betont – gemeint. Trotzdem hab ich so einen merkwürdigen Brechreiz, wenn ich davon lese.

Worauf der DFB ebenfalls großen Wert legt ist, daß das Qualifikationsspiel in einer friedlichen Atmosphäre abläuft. Dafür sollen 15% Gästekarten sorgen, die dem türkischen Verband großzügig statt der sonst üblichen 10% zugesichert wurden. Was aber auf jeden Fall systematisch verhindert werden soll, ist eine Invasion von Türk_innen im Berliner Olympiastadion. Schließlich hat die (Reichs-) Hauptstadt einen Ruf zu verlieren.

Es wäre nicht auszudenken, daß nur einige Kilometer entfernt vom Haus der Wahnseekonferenz, wo die systematische und industrielle Ermordung der Jüd_innen als Endlösung der Judenfrage beschlossen wurde, dunkelhäutige Osman_innen ihre Nationalmannschaft feiern. Außerdem hat schon Adolf Hitler um seine La Mannschaft arisch reiner, germanischer Recken dort geweint. Das darf nicht noch einmal passieren, muß sich der DFB gedacht haben und besteht deshalb auf eine weiße Kurve.

Da fällt mir doch glatt ein, was der DFB noch am Anfang des 20. Jahrhunderts als sein vorrangiges Ziel betrachtete. Bernd Reinink hat in der letzten Jungle World freundlicherweise darauf hingewiesen.

Der [Fußball-] Sport steht auf deutsch-vaterländischem Boden, wo sollte er auch sonst stehen! Was bei uns geleistet wird, ist gute deutsche Arbeit und bewusste deutsche Arbeit. Auch bei uns singt man deutsche Lieder und hält mit deutscher Treue zur Sache.

Ob sich die Nazis beim letzten Aufeinandertreffen der türkischen auf die deutsche Nationalmannschaft an diese Sätze erinnert hatten, als sie den sportlichen Kriegszustand auf dem Rasen in die deutschen Städte trugen und das feindliche Territorium, eventuell dazwischen geratene (nicht-weiße) Nasen und andere Körperteile zertrümmerten? Was war das damals für eine friedliche Atmosphäre in Party-Deutschland. Ganz ohne Nationalismus. Sondern lediglich mit gesundem Patriotismus.

Das diesmal mehr weiße Deutsche im Stadion sind, darum hat sich der DFB gekümmert. Der Berliner Anti-Islamist Stadtkewitz ist eventuell ebenfalls an vorderster Front im Stadion am jubeln. Womöglich mit Geert Wilders an seiner Seite. Der ist zwar Niederländer, dafür aber ganz bestimmt weiß und hübsch blond.

Einige Tipps für eine ordentlich weiße Kurven kann sich der DFB in Torgelow geben lassen. Wie das am besten geht, scheint der SV Greif beim Auswärtsspiel von Tennis Borussia am vergangenen Samstag bewiesen zu haben. Die Ordner_innen trugen offenbar einige besonders widerlichen Stücke aus den Kollektionen von Thor Steinar und der Konkurrenzmarke Erik & Sons. Es hätten eigentlich nur noch ein paar Klamotten von Angar Aryan gefehlt, dann wäre die nationale, deutsche Modenschau fertig gewesen.

Das Bild ist übrigens die Kurve von Odins Krieger_innen aus Magdeburg.