. . . und täglich grüßen die Revanchist_innen!

Am Montag kündigte der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen Rückzug aus der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung an und setzte eine Rechtfertigungswelle sowie den Beißreflex der Nazis in Gang. Auf der einen Seite echaufierte sich Erika Steinbach, die Vorsitzendes des BdV, daß Polen doch vor dem Überfall von Nazideutschland längst (gegen Deutschland) mobil gemacht hätte. Auf der anderen Seite, so berichtet der NPD-Blog, konstruierte der sächsische Nazi Holger Apfel eine jüdische Verschwörung gegen Steinbach.

Als erste Konsequenz ihrer Relativierung der deutschen Kriegsschuld und Konstruktion eines möglichen Präventivkrieges gegen Polen durch Nazideutschland, verläßt Steinbach den CDU Vorstand freiwillig. Des Weiteren gibt es erste Forderungen, daß die revanchistische BdV-Vorsitzende aus der CDU aufgrund ihrer geschichtsklitternden Vorstellungen ausgeschlossen werden soll.

Die Stiftung selbst ist selbstverständlich von den politischen Pöchchenspielchen nicht betroffen. Tölg und Saenger sitzen fest auf ihren Stellvertreter_innen Stühlen. Ihre ebenfalls problematischen Ansichten sind zwar der Grund für den Rückzug der jüdischen Vertreter_innen aus der Stiftung, doch dies wird lediglich bedauert. Wie auch Wolfgang Thierse in einem Interview mit dem Deutschlandfunk klarstellt, darf der Versöhnungsauftrag und die Zielsetzung der Stiftung nicht gefährdet werden.

Das, was wir da machen, ist nicht mehr das Zentrum gegen Vertreibung, wie es der BDV, wie es Frau Steinbach wollte, es ist jetzt ein Projekt des Bundes. Und Zweck der Stiftung, so steht es im Gesetz des Bundestages, ist, den Geist der Versöhnung, Erinnerung und Gedenken an Flucht und Vertreibung im 20. Jahrhundert wachzuhalten und zwar im historischen Kontext des Zweiten Weltkrieges und der nationalsozialistischen Verbrechenspolitik. Das ist die Idee dieses Projekts, die ich unterstütze – Erinnerung um der Versöhnung willen. Und das darf nicht gefährdet werden durch problematische Vertreter des BDV.

Was mich allerdings verwundert ist, daß es längst nicht mehr um die europäische Aufarbeitugn der Fluchbewegung geht. Wie denn auch. Schließlich sind sämtliche nicht-deutsche Vertreter_innen längst ausgestiegen. Mit den jüdischen Vertreter_innen kommt nun hinzu, daß es nicht nur eine rein deutshe Stiftung, sondern auch eine religiös homogene geworden ist. Von einer europäischen Perspektive kann kaum noch die Rede sein.

Die Stiftung hat nun vollends die deutsche Perspektive übernommen. Diese setzt konsequent nur noch die deutschen Flüchtlinge am Ende des Zweiten Weltkrieges ins Zentrum der Auseinandersetzung. Eine kritische Kontextuisierung der Verwicklungen der Deutschen aus Osteuropa in nationalsozialistische Strukturen sowie ihre ideologische Heimat sol ausgeblendet werden. Außerdem muß, zur Wahrung des deutschen Opferstatus, die Kriegsschuld der Deutschen im Kontext des Zweiten Weltkrieges zwingend relativiert oder umgekehrt werden. Sonst ist es vorbei mit dem deutschen Opfermythos.