Antisemitismus, Homophobie und ein Übergriff

Der Berliner Fußball in den unteren Ligen bietet dem nationalen Jungvolk alles, was es braucht. Beim Auswärtsspiel der zweiten Mannschaft von Union Berlin gab es offenbar im Mommsenstadion während des Spiels antisemitische, sexistische sowie homophobe Gesänge. Außerdem wurden auf der Heimfahrt einige TeBe Fans von einem Mob Unioner_innen organisiert angegriffen und gejagt.

Schon im Januar letzten Jahres gab es unschöne Szenen während eines Hallenfußballspiels zwischen Unioner_innen und Tennis Borussia. Damals stürmten unter antisemitischen Rufen einige besonders motivierte Eisernen über das Spielfeld auf die wenigen TeBe Fans zu. Ergebnis war, daß weder der Berliner Fußballverband noch Union selbst ernsthafte Konsequenzen zog. Vielmehr wurde aus Fansicht verharmlost, die erschrockenen Veilchen als Denunzianten und Verleumder_innen beschimpft und ganz besonders kreativ eine (jüdisch schwule) Verschwörung gegen den FC Union Berlin imaginiert.

In diesem Jahr waren Fans von Tennis Borussia schon einmal Ziel einer Attacke. Während des Karnevals der Kulturen griffen Hertha Fans der Ultràgruppe Harlekins den Wagen der TeBe Fans mit Flaschen und Gläsern an. Außerdem klauten zwei ganz enthusiastische Männer das Party Army Transparent.

Bei dem aktuellen Vorfall kommt allerdings beides zusammen. Wie im Lila Kanal, dem Fanforum von Tennis Borussia, zu lesen ist, sangen einige Unioner_innen antisemitische Lieder, gröhlten homophobe Chöre und kündigten sexistisch Übergriffe auf TeBe Fans an. Selbst im Unioner_innen Fanforum wird die Aggression einiger angereister Köpenicker_innen bestätigt. Auch die antisemitischen sowie homophoben Gesänge werden erwähnt. Interventionen gegen die ausgrenzenden Äußerungen von Teilen des Unionanhangs wurden offenbar sexistisch beantwortet. Erfreulich ist aber, daß sowohl während des Spiels, als auch danach Unioner_innen sich kritisch zum Antisemitismus, der Homophobie und dem Sexismus äußern und die Vorfälle offensiv thematisieren.

Lange geleugnet wurde aber, daß nach dem Spiel TeBe Fans aus der S-Bahn gejagt und verprügelt wurden. Dieser Übergriff soll, so berichtet Fußball von Links, geplant und koordiniert durchgeführt worden sein. Am Bahnhof Savignyplatz begann der auf 20 Mann angewachsenen Unioner Mob auf die TeBe Fans einzuschlagen, sie zu treten und mit Flaschen zu bewerfen. Als die flüchteten, verfolgten die Angreifer sie bis in eine nahegelegenen Kneipe und wollten diese stürmen.

Hinter dem Übergriff sollen wohl Ultràs vom Wuhle Syndikat oder der Jugendgang Teen Spirit Köpenick stecken. Aber ob wirklich organisierte Fans von Union beteiligt waren, ist weiter unklar.

Im schon erwähnten Fanforum von Union wurde dieser Übergriff lange als Märchen und erdachte Geschichte behandelt. Krude Konstruktionen, die schon beim Platzsturm während des Hallenturniers herausgekrammt wurden, imaginierte eine lilaweiße Lügen- und Diffamirerungsmaschine des Lila Kanals gegen die gesamte Unioner Fanszene. Nicht wenige wollten unabhängige Quellen zu diesem Überfall präsentiert haben. Ganz vergessen wurde, wie es solche den geben soll. Schließlich waren zwei Parteien beteiligt. Die eine äußert sich traumatisiert und die andere verkriecht sich, wie es für Ultràs üblich ist.

Aber es hat sich nun auch bei den Unioner_innen rumgesprochen, daß die TeBeler nicht gelogen haben, der Überfall stattfand. Mal sehen, wie der Verein oder die Fanszene reagiert. Bisher gab / gibt es im Fanforum lediglich Distanzierungen. Eine Erklärung ist nicht in Sicht. Aber wie auch, wenn ein großer Teil der eisernen, organisierten Fanszene es als Teil ihrer Fankultur betrachtet andere Fans zu attackieren, sie antisemistisch, sexistisch und homophob zu beschimpfen oder Fanuntensilien zu klauen. Mit Fußball hat das sowas von gar nix zu tun. Mit menschenfeindlichen Ideologie und Politik allerdings schon sehr viel mehr. Und welche erzählen vernünftige Unioner_innen schon selbst.

ich habe noch nie solch hirnlose gesänge gehört!!!! phasenweise dachte ich, ich wäre auf einer propaganda veranstaltung einer npd aktion. wir wurden von der eigenen ultraszene als antifa fotzen beschimpft und es wurde mächtig mache gegen uns betrieben. judenfeindliche gesänge waren die regel. und das sage ich als unioner, nicht als tebe´ler….es war einfach nur widerlich..und das ekeligste daran ist, dass diese lieder und aktionen von mitgliedern der ultra /fangruppen ws,tsk,hh und kh kamen! ich schäme mich für diesen abend.

seid ihr nicht die, die immer wieder daher labern „schöner eisern ohne politik“????? DAS war politik meine lieben ultras,…und das war politik vom allerletzten!!!!

Vielmehr gibt es dazu eigentlich nicht mehr zu sagen. Nur eines ist noch wichtig. Hiermit schließe ich mich dem Aufruf von Fußball von Links an die Unioner_innen gerne an.

An all die netten und korrekten Unioner_innen, die es ja auch gibt: Wann macht ihr in Eurer Kurve endlich mal Klarschiff und schmeißt dass rechtsoffene Hooltragesocks in die Wuhle?!