Bunt und laut gegen 1.000 Kreuze!

Am nächsten Samstag werden wie schon seit einigen Jahren christliche Fundamentalist_innen, nationalistische Christ_innen und erzkonservative Körperfeinde gegen die sexuelle Selbstbestimmung der Menschen im Allgmeinen und von Frau im Besonderen demonstrieren. Ihr sogenannter Marsch für das Leben richtet sich gegen einen vermeintlichen Massenmord an ungeborerenem Leben, den sie shoarelativierend zum Teil Babykaust nennen, durch imaginierte Massenabtreibungen. Hierbei vermischen sich mittelalterliche Sexual- und asketische Moralvorstellungen mit (sarrazin’schen) Überfremdungsängsten, die prophetisch dämmlich einen apokalyptisch überhöhten, nahen Volkstod phantasieren.

So absurd und krude die Vorstellungen der maßgeblichen Unterstützer_innen rund um den Bundesverband Lebensrecht (BvL) und den Marsch in Berlin sind, politische und vor allem soziale Relevanz haben sie dennoch. Wie das Neue Deutschland heute berichtet, grüßten im vergangenen Jahr mit dem evangelikalenfreundliche Bischof Wolfgang Huber, damals als Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD), sowie dem damaligen Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Jürgen Rüttgers durchaus geachtete und einflußreiche Persönlichkeiten den Marsch der Fortpflanzungsfetischist_innen solidarisch sowie formulierten offen ihre Symphatie.

Die neue Diskussion um einen vermeintlichen Verlust konservativer Werte in den Unionsparteien, forciert durch die Bildzeitung und die anderen Springerpublikationen, sorgt erneut für Symphatiebekundungen aus den Reihen der CDU / CSU. Wo es um die Abwendung eines vermeintlichen Linksrucks in der CDU geht, ist der Arbeitskreis Engagierter Katholiken (AEK) nicht weit. Neben den bekannten christlich-fundamentalistischen Sekten und christlich-nationalistischen Kleinstparteien mobilisiert die Junge Union Berlin und die Seniorenunion in der CDU ebenfalls zum Marsch, wobei lediglich die Alten offensiv auf ihrer Homepage zu den 1.000 Kreuzen rufen.

Ebenfalls unter den Unterstützer_innen ist der Verein Durchblick, der seit August diesen Jahres erneut eine sogenannte Embryonenoffensive startete. In Zusammenhang mit dieser Kampagne, so schreibt das ND, sollen bisher 300.000 Plastikembryonen-Modelle verschickt worden sein. Außerdem fand mindestens eine Kundgebung in Saarbrücken statt.

Dieser Verein und seine aktuelle Kampagne gegen Schwangerschaftsabbrüche, die sie genauso wie der BvL mit erstaunlich hohen, imaginierten Zahlen untermauern, wird von höchster katholischer Stelle unterstützt. Das zuständige Bistum Trier bekennt sich ausdrücklich nach internen Kontroversen zu der Pro-Life-Aktion von Durchblick, hält sie zwar für provokant, sieht aber keine Veranlassung, sie abzulehnen.

Wie die Reaktionäre von kreuz.net berichten, werden sich weitere katholische Organisationen am Marsch beteiligen. So ist auch der Verein Aktion Leben mit dabei. Der nutzt übrigens zur Veransschaulichung der vermeintlichen Opfer von Schwangerschaftsabbrüchen (zu bedenken gilt, daß es nicht um Föten und schon gar nicht um Embryonen geht) ein Bild, das sich auch auf der Seite des Shoarelativierers Klaus Günter Annen befindet.

Außerdem soll am Abend, nach dem Marsch, die homophobe und erzkonservative, katholische Konvertitin Christa Meves im Großen Saal des Bernhard-Lichtenberg-Hauses an der Sankt Hedwigs-Kathedrale zur Krise der Gesellschaft sprechen. Danach soll es eine erbauliche Podiumsdiskussion mit dem katholischen Publizisten Michael Ragg geben.

Mit Christa Meves laden sich die christlichen Fundis eine reaktionär ökumenische Leifigur ein, die das Spektrum von katholischen Traditionalist_innen bis zu erweckten Evangelikalen abdeckt. Außerdem engagiert sich die ältere Dame konsequent nationalistisch und patriachal offenbar in der Partei AUF, der Politsekte mit Christen für Deutschland. Das sie das überhaupt noch, neben ihrem streng konservativ heteronormativem Elterncolleg schafft, ist schon erstaunlich.

Die Partei Bibeltreuer Christen (PBC) ist ebenfalls wieder dabei. Wenn das Wetter es zuläßt, werden die Passant_innen also erneut mit dämmlichen Slogans, wie Deutschland braucht Jesus belästigt. Das widerliche Infokrieger_innen Shirt Ein Volk stirbt aus ist hierzu durchaus anschlußfähig und könnte ekelhafte Bündnisse ermöglichen. Ob die Berliner Netzwerker_innen und Truther_innen schon darüber nachgedacht haben sich dem 1.000 Kreuze Marsch (für sie allerdings für die Wahrheit) anzuschließen?

Gegen diesen gesammelten christlich fundamentalistischen, lebensfeindlich antimodernen und patriachal heteronormativen Aufzug sammelt sich ein breites Bündnis aus feministischen, antifaschistischen, antagonistischen und religionskritischen Gruppen. Mit der Berliner queeren Hiphopper_in Sookee unterstützt auch ein_e Künstler_in den Protest. Wie sie_er schreibt, wird die Auftrittsgage vom 28.07.2010 aus der kasse der katholischen Kirche komplett an das Bündnis 1.000 Kreuze in die Spree gespendet.

Deshalb rufen wir erneut dazu auf sich am 18. September zahlreich und kreativ am Protest gegen die Fundamentalist_innen, Nationalist_innen, patriachalen Traditionalist_innen und konservativen Populist_innen zu beteiligen!

    12:30 Uhr
    Erste Kundgebung am Neptunbrunnen

    14:30 Uhr
    Zweite Kundgebung am Bebelplatz (St. Hedwigs Kathedrale)