Tritte, Schläge und Knüppel auf Demonstrant_innen

Mitte Juli echauvierte sich der rbb über einen brutalen Angriff auf Polizist_innen während der Krisendemo und konstruierte fröhlich einen Anschlag durch einen selbstgebauten Sprengsatz. Außerdem attestierten die Redakteure des Beitrages der Partei Die.Linke und den Gewerkschaften eine mangelhafte Abgrenzung zu vermeintlichen (Links-) Extremist_innen. Als ob sie ihren älteren Beitrag relativieren wollten, enthüllte Kontraste gestern die Geschichte eines prügelnden Polizisten und Chef der 23. Einsatzhundertschaft von Berlin. Gemeint ist der Polizeihauptkommissar Olaf H., der nun zu einer Freiheitstrafe von zehn Monaten verurteilt wurde.

Hintergrund des Beitrags von Kontraste ist der Polizeieinsatz beim Oberligaderby zwischen Tennis Borussia und BFC Dynamo. Einen Tag nach dem Naziaufmarsch in Lichtenberg am 6. Dezember 2008 versammelte sich ein ganz widerlicher Mob aus Autonomen Nationalist_innen, Freien Kräften, sich selbst als provokant inszenierende Thor-Steinar-Symphatisant_innen, andere ostdeutsche Nationalist_innen, aber eben auch ganz normale Dynamofans im Mommsenstadion. Irgend wann flogen Böller. Es kam zu Rangeleien zwischen Dynamo-Ordner_innen und Gästefans. Dann schritt die als Prügelgang bekannte 23. Einsatzhundertschaft ein.

Olaf H., der Hundertschaftsführer, hielt sich dabei nicht zurück, sondern teilte selbst aus. Er wurde dabei gefilmt, wie er auf zwei sich am Rand haltende Dynamos zu ging und ihnen unvermittelt ins Gesicht schlug. Die erstatteten Anzeige und sorgten für ein Verfahren. Olaf H. wurde verurteilt. Ernsthafte Konsequenzen, außer einer Versetzung in den Innendienst, hat er aber nicht zu fürchten. Seine Pensionsansprüche sind gesichert. Der Korpsgeist stimmt (noch) und schützt den verdienstvollen Hundertschaftsführer.

Das der Verurteilte gar nicht so unbescholten ist, wie im Urteil behauptet wird, hat nun Kontraste herausgefunden. Im Jahr 1998, und wahrscheinlich einige Male später auch, hat Olaf H., damals noch einfacher Polizist, mehrfach zugeschlagen, getreten und falsch ausgesagt. Um eine Anzeige gegen sich wegen Körperverletzung im Amt zuvorzukommen, konstruierte er zusammen mit seinen Kollegen eine Widerstandshandlung eines_r Demonstrant_in in Königs Wusterhausen bei einen Antifa-Demo. Bei einem Einsatz während eines Castor Transportes im selben Jahr schlug er mit seinem Knüppel auf friedliche Passant_innen ein.

Dieses Vorgehen der Berliner Bereitschaftspolizist_innen soll, so beschreibt Kontraste, selbst bei den nordrhein-westfälischen Kollegen für Entsetzen gesorgt haben, so daß sie die Berliner Polizist_innen bei einer Untersuchung schwer belasteten. Trotz der zahlreichen Nachweise für unverhältnismäßige Gewalt im Einsatz gab es für die beteiligten Bereitschaftspolizist_innen im Allgemeinen und Olaf H. im besonderen in Berlin keine Konsequenzen. Sie wurden weiter auf Demonstrant_innen losgelassen.

Olaf H. ist allerdings auch in der Szene kein Unbekannter. Als stellvertretender Leiter der 23. Einsatzhunderschaft will er sich, nach eigenen Angaben während eines Verfahrens gegen Demonstrant_innen, zur gleichen Zeit an mehreren Orten befunden haben. Außerdem erlangte er nach dem vermeintlichen Anschlag auf Berliner Polizist_innen während der Krisendemo eine zwiespältige Berühmtheit. Er soll durch den Böller so schwer verletzt worden sein, daß er gegenüber der B.Z. damals behauptete die Täter_innen hätten den Tod in Kauf genommen.

Wenn der Sprengkörper ein paar Sekunden eher detoniert wäre, hätte ich tot sein können. Mein Schutzhelm rettete mir das Leben. Diese Leute haben unseren Tod in Kauf genommen.

Zunächst war alles friedlich, bis immer mehr Halbvermummte in schwarzer Kleidung auftauchten. Sie bildeten eine Menschenkette, trugen Plakate mit Aufschriften wie ,,Bullen-Staat’. Dann gab es provokante Rufe und es wurde immer enger. Man hatte kaum noch Platz zum Atmen. Es gab erste Attacken mit Holzlatten. Deshalb setzte ich meinen Helm auf. Noch beim Zubinden knallte es plötzlich zwischen meinen Beinen.

Meine Hose war völlig zerfetzt. An beiden Beine erlitt ich Fleischwunden, trotz Sicherheitsstoff und Schützern.

So wie der zitierte Olaf H. den Böller-Anschlag beschreibt, hat er ja nochmal Glück gehabt, daß ihn die Autonomen nicht gleich, noch am Boden liegend (wie er es offenbar schon 1998 getan hat), zusammengeschlagen haben. Naja, auf diese Konfrontationen und den Kick der exzessiven Staatsgewalt wird er wohl in Zukunft verzichten müssen. Für weniger Polizeigewalt wird diese Verurteilugn allerdings nicht sorgen.