Christen, Nazis und die Polizei

1000 Kreuze in die Spree 2010

Am vergangenen Samstag zogen 500-600 christliche Fundamentalist_innen, neurechte Nationalist_innen, christlich-nationalistische Politsekten und Nazis mit Kreuzen bewaffnet durch Berlins Mitte. Einige Hundert Polizist_innen schützten den mittelalterlichen Aufzug. Gegendemonstrant_innen begleiteten den Marsch der Christ_innen lautstark und kreativ. Der Bundesverband Lebensrecht (BvL), der den Marsch ausrichtete, behauptet zwar 2.000 (!) Lebensschützer_innen gesehen zu haben, muß wohl aber seinen widerlichen Mob, die Polizist_innen und die Anti-Lebensschützer_innen mitgezählt haben um auf eine solche Zahl gekommen zu sein. Naja, egal! Hier ein paar Fotos und zusätzliche Informationen zu einigen Protagonist_innen der Lebensmarschierer_innen.

1000 Kreuze in die Spree 2010

Neben den bekannten christlichen Großfamilien war am Samstag offenbar der gesamte Berliner Landesverband (gleichzeitig wohl auch Vorstand) der Partei Arbeit Umwelt Familien (AUF) beim Marsch der sogenannten Lebensschützer_innen. Besonders auffällig war Cornelius Berghout, Beisitzer der nationalistischen Christ_innen.

Er lief immer wieder durch die Reihen und präsentierte seinen Namen und seine Ideen, wie zum Beispiel seines virtuelle Freizeitparks Neues Land, in dem jede_r nach Jesus sucht, ihn aber offenbar nie findet. Der umtriebige Altenpfleger ist nicht nur an der missionarischen Vermittlung evangelikalen, geistigen Dünnschiß interessiert, sondern engagiert sich offenbar auch kulturkämpferisch gegen Muslime. Unter anderem hat er die Petition Stopp the Bomb unterzeichnet (S. 47), allerdings nicht im Namen der AUF.

Übrigens war Berghout auch in der Partei Bibeltreuer Christen (PBC). 2007 war er noch Schatzmeister des Berliner Landesverbandes. Zumindest bis sich die AUF abspaltete.

1000 Kreuze in die Spree 2010

Ein weiterer auffälliger Mann mit Sendungsbewußtsein war Michael Nickel, CDU Mitglied und Pressesprecher der Aktion Linkstrend stoppen (ALS). In seinem Bericht über den Marsch für die Seite der ALS kommt er selbst mit der simplen Binnen-I-Regelung nicht zurecht. Außerdem behauptet er, daß die Lebensschützer_innen, die sich allerdings nur um die unsichtbaren Kinder kümmern, 4 km gelaufen wären. Von der Zeit, die sie gebraucht haben, könnte das auch hinkommen. Aber rein geographisch gesehen, war es höchstens 1 km, die die älteren Herrschaften marschiert sind.

1000 Kreuze in die Spree 2010

Hinzu kommt, daß Nickel eine positive Außenwirkung hinter all dem Lärm, den Polizeiketten und lautstarken Gegendemonstrant_innen entdeckt haben will. Die beinah 50 Kreuze in der Spree müssen ihm ebenfalls entgangen sein. Naja, Glaube versetzt eben doch in andere Wirklichkeiten . . .

1000 Kreuze in die Spree 2010

Die ALS sollte meiner Ansicht nach weiter beobachtet werden. Die Kampagne rund um das Manifest gegen den Linkstrend, das als Antwort auf einen vermeintlichen Linksruck der CDU mit der Berliner Erklärung gelten soll, führt verschiedene sogenannte neurechte Strukturen und interessierte rechtskonservative Christdemokrat_innen zusammen. Der Initiator Friedhelm-Wilhelm Siebeke wurde durch seine anwaltliche und ideologische Unterstützung des Revanchisten Martin Hohmann bekannt. Neben zahlreichen CDU Mitglieder_innen ist mit Klaus Hornung der ehemalige Präsident des neurechten Studienzentrums Weikersheim und Kolumnist der Nazizeitung Junge Freiheit einer der Erstunterzeichner_innen.

Renè Stadtkewitz, der Gründer der populistischen Partei Die Freiheit ist ebenfalls mit dabei. Sein Gründungskompagnon Aaron König war früher bei den Piraten, die bekanntermaßen uninformiert und ohne Berührungsängste auch mit Nazis von der Jungen Freiheit sprechen, will der neuen Partei, so schreibt der Tagesspiegel, vor allem ein liberales Gesicht geben. Dabei soll die Partei liberaler als die FDP, weniger staatsgläubig als die SPD und viel mehr Antiparteien-Partei sein als die Grünen je waren. Im Zentrum des widerlichen Gebräus aus Liberalismus, Konservatismus und Antiislamismus steht, wie so oft das Volk.

So paßt wieder alles zusammen – konservative Christdemokrat_innen, nationalistische Traditionalist_innen, liberale Extremist_innen der Mitte, christliche Kulturkämpfer_innen, Lebensschützer_innen und Nazis. Damit findet in der ALS zusammen, was von der Springerpresse und den anderen bürgerlichen Medien gerne als konservativ-populistische Rechtspartei erschrocken protegiert wird.

Weitere Bilder gibt es von pm_cheung, rassloff, noktalia und Benjamin Hiller