Das Quartiermanagament Schillerpromenade feiert ohne Anwohner_innen!

Das Quartiersmanagment Schillerpromenade hat vor Wochen inoffiziell ein Straßenfest in der Okerstraße polizeilich angemeldet. Am vergangenen Samstag fand es nun statt. Eine Woche vorher gab es einige wenige Plakate. Informationen an die Anwohner_innen gab es spät. Die motorisierten Bewohner_innen bekamen erst einige Tage vorher die Information, daß sie ihre Fahrzeuge zu entfernen hätten. So mußten einige kurzfristig abgeschleppt werden.

Einmal mehr hat sich gezeigt, daß das Quartiersmanagment zwar behauptet in Kontakt mit den Nordneuköllner_innen kommen zu wollen, aber daran scheitert, wie es zu bewerkstelligen wäre. Müller meckert zum Beispiel, daß das QM es erneut nicht geschafft hat die die Anwohner und Geschäftsleute langfristiger vorher mit einzubinden und diese einzuladen. So verwundert es gar nicht, daß selbst die Schillerkiezbewohner_innen selbst am Samstag nicht mitbekommen haben, daß in ihrem Kiez ein Fest für sie stattfand.

Nach mehr als zehn Jahren der Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsschichten und der forcierten Zwischennutzungs- und Aufwertungsarbeit des QM Schillerpromenade hat die umtriebige Chefin, die jeder Dreckszeitung erzählt, wie problematisch Nordneukölln ist, es endlich geschafft ein Fest in der von ihr stigmatisierten Okerstraße organisiert. Gekommen sind aber nur wenig Akteure. Auch, weil sie nicht eingebunden waren.

Für mich ist dieses Versäumnis wenig erstaunlich. Schließlich hat das QM nicht das Ziel die soziale Situation der Anwohner_innen zu verbessern, sondern sie in Problemgruppen (RRoma, Trinker_innen, Migrant_innen usw.) zu selektieren, ein soziales Monitoring durchzuführen und, wie sie selbst in ihrem Taskforce Papier schreiben, soziale Kontrolle zu etablieren. Die Partizipation der Anwohner_innen ist weder erwünscht, noch gibt es ernsthafte Konzepte hierfür. Ideen zur niedrigschwelligen Sozialarbeit sind ebenfalls lediglich marginal vorhanden, werden mit Monitoring Aufgaben verknüpft oder sind reine Lippenbekenntnisse.

Andrej Holm beschreibt die Aufgaben der Quartiersmanagmentbüros in Berlin im Unrast Büchlein Wir bleiben Alle! richtigerweise als Zwischennutzungsagenturen (S. 17), welche die vielen leerstehenden Gewerberäume kostengünstig an Künstler_innen, Kulturprojekte, Designer_innen und experimentelle Planungsbüros vermitteln. Es geht in erster Linie darum das äußere Erscheinugnsbild des Stadtteils zu verändern. Ein Sanierungsauftrag gibt es in erster Linie nicht. Dennoch können von diesen Imageingenieuren ein massiver Verdrängungsdruck ausgehen.

Im Fall des Quartiersmanagaments Schillerpromenade, das als Träger keine Kulturarbeiter_innen beschäftigt, sondern die Architektin Schmiedeknecht als Chefin hat und von einer Bau- udn Sanierungsfirma betrieben wird, ist der Aufwertungsauftrag sehr fiel massiver. Eine Imagekampgane ist uninteressant. Vielmehr geht es dem Vorortbüro der Baufirma QM Schillerpromenade eher darum das Klischee vom Problembezirk zu verfestigen und die verschiedenen sozialen Gruppen gegeneinander auszuspielen. Während die klassischen QMs als Zwischennutzungsagenturen eine Aufwertung durch Zuzug und kulturelle Angebote betreiben, interessiert sich das QM Schillerpromenade für soziale Kontrolle, Ausgrenzung und Stigmatisierung. Die Partizipation der Anwohner_innen wird eher als Gefahr gesehen, wie an geschlossenen Veranstaltungn der Bürger_innen-Versammlungen und Quartierbeiratswahlen zu erkennen ist.

Dem QM unter Leitung der Architektin und Angestellte der Baufirma BSG Schmeideknecht geht es um Zwang (Schulzwang, Hartz-IV Entzug). Das QM interveniert allerding nicht nur sozial, sonder nauch auch räumlich, indem es stigmatisierten sozialen Gruppen, wie den im Park trinkenden Anwohner_innen, die Öffentlichkeit nimmt und sie bewußt verdrängt. Kurzum, eine soziale Aufgabe hatte und hat das QM nicht. Deshalb scheitert es immer wieder an Konzepten der Organisation der Anwohner_innen. Das Fest in der Okerstraße mußte scheitern. Sowohl strukturell, als auch ideel. Personell sowieso.

Bilder vom Fest gibt es bei Müller meckert und bei Facetten Neukölln