Optimistisch, engagiert und xenophob

Die aktuelle Studie Jugend in Brandenburg 2010 und seine Ergebnisse wird von der Brandenburger Politik und konservativen Blättern sowie Ökobürger_innen gelobt. Kritik und Bedenken kommen von liberalen und linksbürgerlichen Blättern. So positiv, wie oft behauptet wird, sind die Ergebnisse der Studie mitnichten. Im Neuen Deutschland muß der Verantwortliche für die Studie sogar selbst zugeben, daß die Ergebnisse wenig aussagekräftig und oberflächlich sind. Die Methode erlaubt, anders als die Befragungen der Friedrich Ebert Stiftung zu diesem Thema, kaum ernsthafte Aussagen zu den Befindlichkeiten der Jugend in Brandenburg.

Auf ND-Nachfrage bekannte sich Sturzbecher auch zu den Grenzen der Studie. Sie stützte sich nur auf Selbstaussagen. Vor den einbezogenen Jugendlichen lag ein Fragebogen, bei dem sie nur Kreuzchen machten. Die Denk- und Bewertungsschemen waren also vorgegeben. Die Befragten haben nicht einen Satz selbstständig formuliert. »Wir bleiben stark an der Oberfläche«, gab Sturzbecher zu.

Trotz spektakulärem Optimismus der Wissenschafter_innen und der Brandenburger Landespolitik wird erkennbar, daß sich die Regierung mit Hilfe der Potsdamer Universität selbst eine positive Studie produziert hat. Frei nach Churchill eben.

Der Staatsfunk rbb spinnt aber zuverlässig an der Mär‘ von den optimistischen brandenburgischen Jugendlichen. In der gestrigen Sendung Brandenburg Aktuell reproduziert ein Songwriter und Gymnasiast fröhlich die neoliberale Legende, daß jede_r, der sich anstrengt, auch einen ordentlichen Job bekommt. Sein Musiker_innen-Kumpel war da etwas vorsichtiger und meint in den westlichen Bundesländern ein größere Ausbildungsplatzvielfalt entdecken zu können. Also doch nicht alles so optimistisch in Brandenburg. Außerhalb dann aber schon.

Neben dem Hang der brandenburgischen Jugendlichen zum Optimismus, Familie und konservativen Werten sind die Ergebnisse, auch wenn sie nur eine Tendenz abbilden, bezüglich Xenophobie und der nationalistischer Ideologien äußerst erschreckend. Offenbar sind 60 % der Jugendlichen zwar gegen Rechtsextremismus, jedoch bleibt die Zahl der xenophob eingestellten jungen Brandenburger_innen mit 40 % erschreckend hoch. Schlimmer noch sind aber die stagnierenden Zahlen für gefestigte Nazis bei circa 13 %. Da hilft auch nicht das hinundher interpretieren, wieder umdrehen, um dann doch zu dem Ergebnis zu kommen, daß es besser geworden ist. Die eigenen (oberflächlichen) Zahlen erzählen etwas anderes. Hier die Ergebnisse etwas anders aufgearbeitet (s. 12f, der Kurzfassung).


    Ablehnung Rechtsextremismus: 86,6 (2005: 86,8)
    Zustimmung Rechtsextremismus: 13,5 (2005: 13,2)

Es gibt also eigentliche keine signifikante Verbesserung. Der eigentliche Unterschied besteht darin, daß die Zahl der Jugendlichen gestiegen ist, die Rechtsextremismus völlig ablehnen (2005, 52,7 % -> 2010, 60,2 %). Insgesamt ist die Zahl der Gegner_innen von Rechtsextremismus allerdings, wie bei den Nazisymphatisant_innen, konstant geblieben.

Bei der Tendenz zur Xenophobie sieht es ähnlich aus.


    Ablehnung Ausländerfeindlichkeit: 77,7 (2005: 72,8)
    Zustimmung Ausländerfeindlichkeit: 22,3 (2005: 27,2)

Sie sinkt zwar, aber mit 40 % bleibt die Zahl der Brandeburger Jugendlichen, die glaub es gäbe zu viele Ausländer_innen in Brandenburg unverändert hoch. Diese Zahl scheint mir sehr viel aussagekräftige, weil sie jenseits des Extremismusdiskurses nationalistische und ausgrenzende Tendenzen offenlegt. Auch wenn es oberflächlich bleibt, stehen ca. 60 % tendenziellen Nazigegner_innen 40 % Nationalist_innen gegenüber.

Diese Gruppe wollen im Übrigen die Berlin Brandenburger und bundesweiten Nazikampagnen unter dem Motto Jugend braucht Perspektiven ansprechen. In Berlin geht es dabei um ein ethnisch und ideologisch reines nationales Jugendzentrum jenseits des linken sowie gutmenschelnden Multikultidurcheinander. Hierbei gerieren sich insbesondere die Freien Kräfte und erlebnisorientierten Nazis als nationale Alternative zum globalisierten Kapitalismus und Volkstod.

Dann schon lieber, wie in Storkow, Bildungsbanden gegen Nazis bilden.