Die bürgerliche Mitte wehrt sich

In Stuttgart geht das heimattreue deutsch christliche Bürgertum auf die Barrikaden, schützt die Bäume und schert sich einen Dreck um Hartz-IV Schnüffelei, Gesundheitsreform, Kopfpauschale und Arbeitsdienst. Geschichtbewußt und klassentreu wird zwar nicht gegen Ausländer_innen geschimpft, aber die Heimat von denen wird dann doch nicht selten in den Orient verlegt. Deshalb müssen die deutschen Bürger_innen auch kräftig gegen die Ergebnisse der Friedrich Ebert Stiftung zu nationalistischen und rechtsextremen Einstellungen in der bürgerlichen Mitte polemisieren und ganz, ganz laut Fälschung rufen.

So behauptet Klaus Schröder in seinem Kommentar im Tagesspiegel, daß die Mitte des Landes durch suggestive Fragestellungen von der FES als rechtsextrem diffamiert wird und die Studie deshalb eine offen ausgesprochene linke Kampfschrift gegen liberale und konservative Auffassungen und die hiesige Gesellschaftsordnung ist. Fehlt nur noch die Ergänzung, daß die sozialdemokratische FES ein Hort von Linksextremist_innen ist, die durch manipulierte Studien den Kapitalismus abschaffen wollen und den revolutionären Umsturz planen.

Auch der Staatsfunk Die Deutsche Welle echaufiert sich über die unseriöse Studie der FES, nennt sie wissenschaftlich fragwürdig und behauptet, daß die Zahlen umstritten sind. Als Kronzeugin der konservativen Staatsschützer_innen der regierenden bürgerlichen Mitte fungiert Viola Neu von der zum Teil rechtskonservativen Konrad Adenauer Stiftung. Sie selbst scheint insbesondere bezüglich Xenophobie eine erstaunliche Unsensibilität an den Tag zu legen.

Wer etwa die Aussage unterstütze, Ausländer ohne Arbeit sollten nach Hause geschickt werden, befürworte nur, was in vielen demokratischen Ländern üblich sei.

Und was auch in anderen (europäisch) westlichen Ländern üblich ist, nämlich die ökonomischen Verwertung von Menschen an ihre Ethnie / Abstammung zu knüpfen, kann selbstverständlich nicht xenophob und ausländerfeindlich sein. Es ist wahrscheinlich schlicht konservativ und bürgerlich.

Ähnlich argumentiert Schröder im Tagesspiegel. Wer glaubt, daß Ausländer_innen in der Mehrheit nur nach Deutschland kommen, um unseren Sozialstaat auszunutzen, ist selbstverständlich nicht ausländerfeindlich.

Da weder die Befragten noch die Fragesteller genaueres über Motive von einwandernden Ausländern wissen, sind Zustimmung wie Ablehnung ohnehin spekulativer Natur.

Ach ne! Das aber diese Spekulation den Migrant_innen ausgerechnet negative Zuschreibungen zuweist und damit irrationale Ängste ausdrückt, ist selbstverständlich ganz natürlich und keinesfalls xenophob. Ähnlich verharmlosend blubbert Schröder weiter vor sich hin.

Gleiches gilt für die Behauptung „Die Bundesrepublik ist durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maße überfremdet“. Da nicht definiert ist, wann „Überfremdung“ beginnt oder ob allein schon das Wort „überfremdet“ rassistisch besetzt ist, kann eine Zustimmung nicht von vornherein als pauschale Ausländerfeindlichkeit interpretiert werden.

Die Vorstellung von einer überfremdeten Gesellschaft, die bisher ausschließlich von der NPD, den Sarrazin-Jünger_innen, PI Sektierer_innen und anderen deutschtümelnden Muslimfeind_innen kommt, ist nach Schröder also auch kein Indikator für Xenophobie. Dämlicher geht’s wirklich nicht. Bloß gut, daß der Beistand für die staatstragenden Kräfte – die soziale und politische Mitte –, die den Sozialstaat finanzieren, sich für den Zusammenhalt der Gesellschaft einsetzen und überdurchschnittlich häufig ehrenamtlich tätig sind bei den Stuttgarter_innen noch gar nicht bemerkt worden ist. Sonst müssen sie dann doch wieder die CDU / CSU wählen. Damit die Deutsche Eiche auch weiter arisch rein in die saubere Zukunft wachsen kann.