Es gibt nur einen Hurricane

Am vergangenen Samstag verprügelte der Greifswalder Sebastian Sylvester den Hamburger Mahir Oral nach Regeln udn gewann haushoch. Diese Titelverteidigung selbst ist nicht erwähnenswert, der Kampfname des ostdeutschen Boxhelden, der sich immer wieder nationalistisch deutschtümelnd inszeniert schon.

Sebastian Sylvester nennt sich Hurrikan und bezieht sich damit womöglich auf Rubin Hurricane Carter. Aus rassistischen Motiven wurde ihm in einem Skandalurteil Mitte der 60iger der Weltmeistergürtel vorenthalten. Erst circa 30 Jahre später bekam er ihn vom Boxverband World Boxing Council (WBC) zuerkannt. Sehr viel aufsehenerregender, als der Skandal im Ring, schließlich sind Absprachen, Korruption und Richterkauf bis heute im Profiboxen üblich, Sylvester selbst hat davon offenbar schon profitiert, war die Verurteilung von Rubin Carter zu lebenslanger Haft wegen Mordes. Angeblich soll er, daß bezeugten zwei bekannte Kriminelle, die für die Aussage straffrei ausgingen, vor einer durchgehenden weißen Jury, drei weiße Männer erschossen haben.

Nach einer breiten Kampagne zu dem Skandalurteil, die Bob Dylan mit seinem Track (weitere Version von Ani di Franco) erst richtig bekannt machte, an der sich aber auch Mohammed Ali beteiligte, kam Carter 1985 19 Jahren Haft frei. Er gründete die Organisation Association in Defense of the Wrongfully Convicted, die sich um Inhaftierte kümmert, welche wie er unter haarsträubenden Umständen verurteilt wurden. Betroffen sind vor allem people of colour.

Sebastian Sylvester nennt sich selbst im Ring ebenfalls Hurrikan und ermöglicht so zumindest eine Verbindung zu Rubin Carter und seinem Schicksal. Die selbstgewählte Schreibweise wicht stark vom Vorbild ab. Doch die falsche Nennung in den Medien, die oft lediglich das ‚e‘ am Ende weg läßt und das ‚c‘ in der Mitte beibehält, verweist stärker auf Hurricane Carter.

Das sich Sylvester ausgerechnet auf Rubin Carter verweist, ist schwer nachzuvollziehen. Vor allem paßt dieser Kampfname eines rassistisch verfolgten Menschen und Boxers nicht zu seiner Inszenierugn als weißen Deutschen. So zog am Samstag er und seine Ecke komplett in Deutschlandtrikots in den Ring ein. Er selbst im Kroos Shirt, seine Betreuer_innen im Auswärtsdress der Fußballnationalmannschaft. Ihm gegenüber stand der Hamburger Mahir Oral, der einen eher türkischen Anhang mitbrachte. Wollte Sylvester aka Hurrikan sich nochmal vergewissern, daß er der richtige Deutsche ist?

Also ich finde den Bezug auf Carter udn die Inszenierung – die Marke – von Sebastian Sylvester einfach nur abstoßend. Bloß gut, daß er nie international boxen wird.