Das Inferno Cottbus lebt – Unbedrängt von den Fans und vom Verein

Im Jahr 2002 wurde von Cottbusser Vereinsseite der rechtsoffenen (Ultrà) Gruppe Inferno Cottbus ein Betätigungsverbot im eigenen Stadion auferlegt. Außerdem erwägte der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) ein ebensolches auch in den im Verband organisierten Vereinen und ihren Stadien. Hintergrund des in Fankreisen immer wieder als Verbot bezeichneten eingeschränkten Betätigungsverbots in zahlreichen Stadien war, so ist zumindest die Legende der Infernoist_innen, der Einsatz von Pyrotechnik durch einzelne Cottbusser_innen beim Ostderby gegen Hertha BSC. Der Sicherheitschef von Energie hatte eine Blockfahne mit brennendem Berlin verboten. Aufgrund des Frustes soll es dann im Heimblock zu Ausschreitungen gekommen sein.

Auch bei anderen Aktionen gab es immer wieder Ärger mit dem Inferno Cottbus, das sich 1999 gegründet hatte. Rassistische, antisemitische und homophobe Provokationen, die sämtlichst vollkommen unpolitisch gemeint sein sollen, wiederholten sich. Für den Verein wurde das Inferno Cottbus zunehmend zum Imageproblem. Deshalb kam die Reglementierung 2002 nach der Pyroshow gerade recht.

Von einer Auflösung der Gruppe nach dem Betätigungsverbot in den Stadien kam es dennoch nie. Immer wieder tauchte das Kurvenbanner insbesondere bei Auswärtsspielen auf. Hinter der antisemitischen Choreographie gegen Dynamo Dresden aus dem Jahr 2005, während der eine riesige Blockfahne gezeigt wurde, auf der das ‚D‘ im Wort ‚Juden‘ als Dynamo-Logo gemalt war, sollen die Reste des Inferno Cottbus gesteckt haben.

Das Ursprungsbanner der Gruppe Inferno Cottbus zeigt die Initialen ‚IC‘ und das Gründungsjahr 1999, die auf Tarnstoff gemalt wurden. Zwischen den Buchstaben und dem Jahr ist ein Keltenkreuz und ein Basecapetragender Junge mit Revolver zu sehen. Über die Zitate, auf die sich das Banner beruft, hat useless in diesem Jahr einiges Interessantes veröffentlicht. Hintergrund war, daß es offenbar beim Spiel gegen Hansa Rostock im Gästeblock gezeigt wurde.

Diese Entwicklung ist mir relativ neu. Üblicherweise versucht das Inferno Cottbus seit dem Betätigungsverbot ihr Solibanner mit der Aufschrift Inferno. Widerstand lässt sich nicht verbieten zu zeigen. So zum Beispiel beim DFB Pokalerstrundenspiel vor zwei Jahren gegen Tennis Borussia. Damals hing das IC99 Banner im Gästeblock, wurde allerdings schnell entfernt. Da sich zu diesem Spiel aber nicht nur Nazihools von Cottbus, sondern auch befreundete Nationalist_innen aus Frankfurt Oder, Eiserne Nazis und gerüchteweise auch römische Laziali im Gästeblock befanden, kam es nach Pöbeleien zu Ausschreitungen im Fanblock. Die vernünftigen Cottbusser_innen hatten zwar noch dafür gesorgt, daß das Inferno Banner verschwand, aber den sehr viel kleineren Nazimob schützten die Gäste dann doch.

Das die Nazis vom IC99 nun lediglich mit der Repression, die alle Fußballfans und organisierten Gruppen betrifft, herumschlagen müssen, beweist, daß beim Auswärtsspiel in Ingolstadt erneut an prominenter Stelle das Inferno Zaunbanner hing. Der Verein scheint ebenfalls wenig Interesse an der Durchsetzung seines Betätigungsverbots der Gruppe zu liegen. Auf der offiziellen Seite lobt der FC Energie Cottbus den stimmungsvollen Gästeblock und veranschaulicht das Feuer der weitgereisten Anhänger mit einem Foto, wo das Zaunbanner im Mittelpunkt steht.

Diese Ignoranz gegenüber den eigenen Beschlüßen und das Hervorheben der Gruppe, läßt einiges erwarten. Das IC99 ist mitnichten unproblematisch. Die Mitglieder_innen provozieren (auswärts) immer noch Auschreitungen und Kämpfe mit anderen Fangruppen. Antisemitische, rassistische und homophobe Chöre sind das widerliche Repertoire des IC99. Fanfreundschaften zu den nicht weniger antisemitischen und homophoben Ultras vom Wuhlesyndikat und den Nazihools vom Viktoria Frankfurt, die durch xenophobe Ausschreitungen insbesondere zur WM und EM bekannt geworden sind, beweisen die Kontinuität des IC99 und ihre politischen Symphatien. Da einzelne Mitglieder_innen auch an Überfällen auf alternative Projekte in Cottbus beteiligt gewesen sein sollen, muß davon ausgegangen werden, daß die Beziehungen zur Freien Naziszene sehr gut und die Übergänge als fließend zu betrachten sind.

Das Inferno Cottbus scheint wieder da zu sein. Mal sehen, wie lange sich das der Verein FC Energie Cottbus noch anschauen wird. Allerdings scheinen die zahlreichen Aktivitäten gegen Nazis in der Kurve der Lausitzer_innen Geschichte zu sein.