Was heißt hier Junk Words?!

Auf der letzten Seite des Dschungels in der Jungle World, wo sonst die Comic Strips zu finden sind, ist jedesmal ein kryptischer Satz geschrieben, den kein Mensch so richtig kapiert. Selbst die Zeichner_innen waren lange ahnungslos, wie der Bigbeatland Comicautor und Parteigründer Andreas Michalke in einem Kommentar auf diesem Blog vor einiger Zeit bewies. Dieses Dilemma hat sich nun aufgelöst. Und nach der Eröffnung der Ausstellung Junk Word in der Galerie Knuth & Krüger der drei Zeichner_innen des Dschungels und der aktuellen Homestory sollten es dem ein oder anderem nun auch klar sein. Dieser zuweilen äußerst dialektische, beinah schon metarealististische, in jedem Fall ominöse Satz, der den Comicstrips ein Motto zu geben vorgibt, haben die Jungle World Leser_innen den Lektor_innen zu verdanken.

Ich war bei der Eröffnung in der kleinen, leeren Einraumgalerie in der Kreuzberger Oranienstraße. Es war meine zweite Comicaustellung aber die erste Comic-Vernissage. Die erste war übrigens die geniale Sonderausstellung Helden, Freaks und Superrabbis im Jüdischen Museum, wo ich leider den ausgezeichneten Katalog nicht mehr bekommen konnte, zur Geschichte des Comics im Allgemeinen und den jüdischen Elementen darin. Mensch, diesen Katalog muß ich haben . . .

Die Vernissage von Junk Word hatte nicht diesen umfaßenden Anspruch und konnte ihn auch nicht leisten. Trotzdem bietet die Ausstellung einiges Spannendes. Zum einen läßt sich anhand der gezeichneten Geschichte von Andreas Michalke zu einer fiktiven Feier zum 10jährigen Bestehen der Jungle World sehen, wie schwierig und heterogen die emanzipatorische und Squatter_innen-Bewegung beschaffen ist. Die Strips endeten nämlich in einer wüsten Schlägerei zwischen Anti-Imps, Antideutschen, Veganer_innen, Punks usw., die sich gegenseitig als Nazis beschimpfen. Auf der anderen Seite enthüllt Michalke so, wie seine Strips entstehen. Es werden nämlich die Phasen der Entstehung gezeigt.

Zuerst kann mensch sich die A3 großen Schwarzweiß Vorlage anschauen. Hier sehen die Betrachter_innen, wo mit Tippex korrigiert, aber auch, daß Korrekturen größtenteils kaum notwendig waren. Mich hat aber am meisten beeindruckt, wie sauber und geometrisch korrekt die Texte in der Länge und Größe gezeichnet waren. Die Buchstaben sind nicht nur beinah identisch, sondern scheinen auch noch auf einer Linie geschrieben zu sein. Radierungen hab ich nicht gesehen. Vielleicht gab es sie. Aber ich gehe ehrfurchtsvoll davon aus, daß die Texte freihändig so geschrieben wurden.

Die nächste, schon nur noch auf A4 gezeigte Phase, stellte die kollorierte Bearbeitung der Geschichte vor. An dieser Stelle ist erkennbar, wie wichtig die Farbe doch ist. Das, was mensch in Schwarzweiß gerade noch entgangen ist, wird nun sichtbar. Zum Beispiel, und es ging nicht nur mir so, hab ich erst in Farbe den Pillemann des Punks erkannt. Das letzte Bild, ganz weit hinten in der Ecke, zeigte die Vorlage der kompletten Seite, die wahrscheinlich ausnahmsweise in der Zeitung und nicht im Dschungel veröffentlicht wurde.

Die Vernissage war übrigens zu einem recht frühen Zeitpunkt gut gefüllt. Michalke legte alte Rock‘n'Roll Singles auf. Unter anderen spielte er auch eine schöne Version des Countryklassikers Jackson mit dem Johnny Cash und June Carters Duet weltbekannt wurden. Und weil es so voll war und gute Musik lief, sind mir die digirev Strips erst spät aufgefallen. Die Lampions von Leo Leowald dagegen schon früher. Die Leinwandzeichnungen von 18Metzger lohnen sich ebenfalls sich genauer zu betrachten. Die hübsch kolorierten Einbildstrips brauchen gar nicht viel mehr, um komplex zu sein. Und auf Leinwand sind sie noch beeindruckender, als im Dschungel.

Also, die Ausstellung Junk Word in der Galerie Knuth & Krüger in der Oranienstraße lohnt sich. Geöffnet ist am Donnerstag, Freitag und Samstag von 16-20 Uhr. Die Finissage findet nächsten Freitag, am 19. November ab 20 Uhr statt. Es sind also noch drei Tage Zeit sich anzuschauen, warum Comic auch Kunst ist. Also, hingeh‘n!