Tschüß und auf Wiedersehen . . .

Vor mehr als drei Jahren haben wir diesen Blog begonnen. Der Protest gegen den Gipfel der G8 in Heiligendamm war nur wenige Monate alt. Die Repression gegen emanzipatorische und antimilitaristische Strukturen wurde durch den Staat mit erfundenen Anschuldigungen eskaliert. Der allererste Beitrag beschäftigte sich deshalb nicht umsonst mit den Festnahmen rund um die sogenannte Militante Gruppe am 31. Juli 2007. Nach drei Jahren zwingt uns die zunehmende Überwachung und Kontrolle sowie die umfaßende Repression, die insbesondere emanzipatorische und kritische Gruppen und Einzelpersonen betrifft, dazu in ein sichereres Netzwerk umzuziehen. Wir haben uns deshalb entschieden trotz der Unterstützung der Betreiber_innen von Blogsport zu Noblogs zu wechseln.

Im Laufe der Jahre hatten wir immer wieder mit verschiedenen Attacken auf uns zu kämpfen. Neben den widerlichen Kommentaren, antianarchistischen Vernichtungsphantasien durch vermeintliche Kommunist_innen, Beschimpfungen von ganz besonders motivierten Antiimperialist_innen und anderen Verschwörungstheoretiker_innen, Tiraden und ethnischen Zuschreibungen von weißen (Anti-) Rassist_innen sowie regelmäßigen Gröhlattacken von Südtiroler_innen, die in aka Schergen des italienischen Geheimdienst erkannten, gab es immer wieder handfestere Kriminalisierungsversuche durch den Betriebsrat des Deutschen Technikmuseum Berlin in Zusammenarbeit mit ver.di und der Museumsdirektion, der Geschäftsführung der Neue Babylon Berlin GmbH, Leon Benedens sowie Wahrheits- und Copyright-Fetischist_innen aus der Wuhlheide und dem Sportforum Hohenschönhausen.

Der erste massive Angriff auf uns stand im Zusammenhang mit dem Arbeitskampf um die Besucher_innen-Betreuung im Deutschen Technikmuseum Berlin, der im Herbst 2008 eskalierte. Markus Bretzel, der damalige stellvertretende Museumsdirektor und Verwaltungsschef der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin, fühlte sich massiv mißverstanden und wollte, daß sämtliche vermeintlich mißverständlichen und negativen Artikel über ihn verschwinden. Daß das Cyberspace aber nicht vergißt, schien dem kreativen Bürokraten entgangen zu sein. Die cholerische Art von Markus Bretzel sorgte schon damals dafür, daß er auf dem Posten des stellvertretenden Museumsdirektors nicht mehr tragbar war. Verwaltungschef in der Stiftung Deutsches Technikmuseum ist Markus Bretzel heute offenbar auch nicht mehr. Dafür residiert er nun als Office Manager der Einstein Stiftung, eine Marketing- und Lobbyorganisation zur Vermarktung des Bildungsstandortes Berlin und Forderung der Elitenforschung im Rahmen einer vereinten Hochschule, am Gendarmenmarkt.

In diesem Zusammenhang versuchten der Betriebsrat und der Museumsdirektor Dirk Böndel mit seinem Stellvertreter Josef Hoppe in sichtbarer Vertrautheit gegen einen unserer Autor_innen vorzugehen, was ihnen allerdings nicht gelang. Hintergrund waren die keinesfalls kämpferische Umsetzung der Forderung der Beschäftigten der Besucher_innen-Betreuung, aber auch die zum Teil problematische Präsentation der Objekte aus der Nazizeit. Hierbei sicherte Dirk Böndel zu, daß der Deportationswagen bei externen Vermietungen des Lokschuppens nicht verschwinden müsse. Diese Zusage wurde bis heute nicht umgesetzt. Hinzu kommen höchst problematische Formulierungen, die zum Teil offen nationalsozialistische Diskurse zur Knebelung der deutschen Luftfahrt und unvollständigen Darstellung der Opfer eben jener. Dieses Thema werden wir im neuen Blog in jedem Fall weiter verfolgen.

Den zweiten massiven Angriff auf uns forcierte Timothy Grossman, der Geschäftsführer der Neuen Babylon Berlin GmbH, die für eine ganz besonders hohe Kreativität bekannt ist. So wird nicht gerade großer Wert auf Rechte von Filmschaffenden gelegt. Hinzu kommt eine Penetranz in der Verfolgung engagierter Gewerkschafter_innen, die ihres gleichen sucht. Außerdem ist das Firmengeflecht um Grossman schwer durchschaubar und scheint eher ein Modell zur Generierung von Subventionen zu sein. Seine Kumpels in den Senatsstrukturen haben ihm hierbei immer wieder bis in die höchsten Ämter tatkräftig unterstützt. Daran wird sich wahrscheinlich auch in Zukunft wenig ändern. Auch beim Arbeitskampf im Filmtheater Babylon konnte er auf die Berliner Politik und seine Beziehungen zu ver.di hoffen.

Sehr viel harmloser und beinah schon verzweifelt versuchte dagegen Leon Benedens für ihn negative Veröffentlichungen zu verhindern. Schließlich wurde er mit sexistischen Kalendern und sexistischen Äußerungen gegenüber einer irrelevanten Student_innen-Zeitschrift in Zusammenhang gebracht. Das geht gar nicht, wenn mensch seine Karriere im Netz aufbauen möchte. Und deshalb ist es nicht rechtens Namen zu schreiben und vor allem auch noch zu kritisieren. Komisch nur, daß die B.Z. den Namen Leon Benedens nennen darf, wir aber nicht. Der werte Herr Benedens hätte sich vor seiner breit angelegten Werbekampagne vielleicht genau überlegen sollen, ob er derart billige, sexististische Publikationen vertreibt.

Trotz der Angriffe und versuchter Einflußnahme auf Veröffentlichungen auf diesem Blog unterstützten uns die Betreiber_innen von Blogsport immer tatkräftig und schützten uns. Dafür sind wir sehr dankbar. Der gestiegene Druck auf uns, insbesondere durch die Speicherung von Verbindungsdaten und andere elektronische Überwachungsmaßnahmen zwingt uns trotzdem dazu, uns neu zu orientieren. Die Sicherheit und die Freiheit ohne Intervention von außen veröffentlichen zu können ist unser erstes Anliegen. Sonst ist ein emanzipatorischer Diskurs und eine offene Berichterstattung nicht möglich.

Die letzten drei Jahre waren aber nicht nur durch Attacken, Beschimpfungen und skurille Zuschreibungen geprägt. Es gibt bis heute Artikel, die immer wieder gelesen werden. Absolute Dauerbrenner sind die Artikel über alternative und ökologische Suchmaschinen sowie der Einkaufsführer zu fairen und ökologischen Produkten. Hierzu wird es auf dem neuen Blog in jedem Fall demnächst ein Update geben. Mit dem Fuck for Forest Artikel kommen auch Pornoliebhaber_innen, allerdings ganz anders, auf ihre Kosten. Artikel, die lange Zeit oft gelesen wurden, heute aber kaum noch angeklickt werden, waren über „Che“ Guevara und die Geschichte über den Hund Nokia.

Das Thema freiRäume und die entsprechenden Demonstrationen nahmen auf diesem Blog lange Zeit sehr viel Raum ein. Seit ein paar Monaten hat sich dies geändert. Auch weil die Häuserkämpfe und Aktivitäten zur Sicherung des Überlebens der emanzipatorischen Hausprojekte zunehmend unsichtbarer und schwächer werden. Die Kampagnen um Mediaspree, das Tacheles und etwas unsichtbarer für den Schokoladen, die immer noch laufen, sind zumeist von bürgerlich-alternativen Bündnissen und Einzelpersonen dominiert. Die vermeintlich alternative Kulturelite sammelt sich und kämpft selbst ums Überleben. In der freiRaum-Bewegung waren diese Projekte, Kneipen und Clubs allerdings schon lange nicht mehr aktiv. Aus dieser Indifferenz und Unsicherheit speist sich unser Rückzug.

Neben Musik, Comics und Streetart gehörte zu diesem Blog immer auch die kritische Intervention in den Sport und vor allem zu Aktivitäten rund um den Fußball. Zuletzt war die Fanszene Cottbus hier Thema. Die Unioner Antirassist_innen, die gemeinsam mit Konservativen, FDPlern und Rechten gegen Nazis kämpfen wollten, waren ebenfalls wenig begeistert von der hier veröffentlichten Analyse der Eisernen Fankultur. Der BFC Dynamo durfte sich schon vor längerer Zeit echauffieren und drohen.

Aber Schluß mit der Nostalgie! Wir verschwinden nicht, wir ziehen nur um. Trotzdem danke an das Blogsport Universum. Danke an unsere Leser_innen, die immer wieder interessante Ergänzungen und Richtigstellungen geliefert haben. Na dann bis bald und auf Wiederseh‘n! Bei Noblogs!