Aktuelle Entwicklungen im Deutschen Technikmuseum Berlin

Demo von Besucherbetreuern Am Freitag haben die Besucherbetreuer_Innen des Deutschen Technikmuseums Berlin mit einer Aktion vor dem Museum auf sich aufmerksam gemacht. Sie kämpfen für reguläre Arbeitsverträge und gegen die Abwicklung der Besucherbetreuung im Deutschen Technikmuseum Berlin (eine Dokumentation). Mit Papierfliegern, Flaggen, Transparenten und jeder Menge Handzettel postierten sich die ca. 50 Teilnehmer_Innen für eineinhalb Stunden an der Ecke Trebbiner Straße/Möckernufer in Kreuzberg, um auf ihre prekäre Lage hinzuweisen. Dabei wurden sie neben ver.di dankenswerter Weise auch von anderen Gruppen unterstützt. Das Mayday-Bündnis Berlin, die Montagsdemo sowie die Jusos Berlin waren vertreten.

Die Idee der Aktion entstand im Anschluss an die Betriebsversammlung kurz vor Ostern. Ein paar Mitarbeiter_Innen entschlossen sich, nun nicht nur die Presse und Politik auf den Arbeitskampf aufmerksam zu machen, sondern auch die Besucher_Innen des Deutschen Technikmuseums Berlin. So mussten nur noch ein paar Aufgaben verteilt und Unterstützer_Innen mobilisiert werden, schon war die Veranstaltung perfekt. Denn auf viele Schultern verteilt, ist der Aufwand für solch eine Kundgebung nicht allzu groß – und Schultern haben die Besucherbetreuer_Innen reichlich. So bastelte ein engagierter Kollege mit Unterstützung ein wunderbares Transparent mit der Aufschrift: Vertragsverlängerungen sofort – Stoppt Outsourcing und prekäre Beschäftigung!. Viele andere verteilten fleißig selbstgemachte Flyer und ver.di-Flugblätter an potentielle Besucher_Innen, die diese dankend annahmen.

Die Beteiligten der Abschiedsfeier waren freudig gestimmt, kam es doch zu keinerlei Störungen. Aber vor allem machten gute Nachrichten die Runde. So entschied noch am Donnerstag das Arbeitsgericht Berlin über die ersten beiden Klagen zweier Beschäftigter auf Weiterbeschäftigung zugunsten der Besucherbetreuer_Innen. Das bedeutet, dass für die Beschäftigten eine maximale Befristungsdauer von zwei Jahren möglich ist. Wer länger als zwei Jahre beschäftigt ist, hat Anspruch auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag. Diese Rechtsauffassung wird wohl auch in den folgenden Prozessen zur Anwendung kommen, was eine Vielzahl von Wiedereinstellungen zur Folge haben wird.


T&M Besucherbetreuer und Maydaybündnis

Darüber hinaus berichtete die Presse in den vergangenen Tagen ausführlich über die Vorgänge im Technikmuseum, wodurch die T&M sowie die Museumsdirektion in aller Munde sein dürfte.

Die Berliner Zeitung widmete dem Museumsskandal am Donnerstag den Aufmacher des Berlin-/Brandenburgteils und berichtet von den Qualitäten der momentanen Belegschaft im Bereich Besucherbetreuung. Die Beschäftigten seien nicht nur dafür da, den Besucher_Innen den Weg zum Ausgang oder zur Toilette zu erklären oder Exponate zu schützen. Sie sind vor allem mit guten ausstellungsspezifischen Kenntnissen aus regelmäßigen Schulungen und Fremdsprachenkenntnissen ausgestattet und deshalb nicht einfach durch Security-Mitarbeiter_Innen ersetzbar. Des Weiteren wird im Artikel auch die nicht ganz ernst zu nehmende Argumentation der Museumsdirektion zur möglichen Abwicklung der Besucherbetreuung im Hause beschrieben. Danach seien die studentischen Mini-Jobber mit einem 6-Euro-Stundenlohn aufgrund einer hohen Fluktuation unrentabel geworden. Aber wie kann es denn eine so hohe Fluktuation geben, wenn doch die Hälfte aller Beschäftigten bereits mehr als zwei Jahre für die T&M tätig ist?

Die junge Welt berichtet ebenfalls schon am Donnerstag von der Situation der Besucherbetreuer_Innen. Während eine Mitarbeiterin über den Stand der Dinge informiert, weist Daniel Behruzi auf die Abschiedsfeier für die betroffenen Kolleg_Innen hin, die Ende März ihren Arbeitsplatz verlieren. In diesem Artikel geht es insbesondere um die Frage, wie ausgerechnet in einem rot-rot regierten Bundesland in solch einer Weise mit Beschäftigten in einem öffentlich geförderten Museum umgegangen werden kann.

Am Freitag publizierten gleich mehrere Zeitungen die gute Nachricht der Gerichtsentscheidung vom Donnerstag. Das Neue Deutschland erklärte, wie es zum positiven Urteil für die BesucherbetreuerInnen kam. Die T&M ist als Tochtergesellschaft des Museums, als Ausgründung und nicht als Neugründung, zu betrachten. Daher gelte für diese GmbH, dass Beschäftigte höchstens bis zu zwei Jahre befristet werden dürfen. Die taz fasst die Situation zusammen und spricht in diesem Zusammenhang von museumsreifen Arbeitgebern. Der Autor geht ebenso auf den Senat ein und erklärt, dass die Betroffenen nun auch politisch Druck ausüben wollen. Schließlich sei das Verhalten der Museumsleitung und dessen Tolerierung angesichts der jüngsten Entscheidung des Abgeordnetenhauses zum Thema Mindestlohn unverständlich. Erst vor wenigen Wochen wurde der Vorschlag von der SPD und der Linken über die Zahlung des Mindestlohns von 7,50 Euro als Voraussetzung für die Vergabe von öffentlichen Aufträgen verabschiedet.

Am Samstag legte die Berliner Zeitung erneut nach und berichtet nach Aussage von Catharina Huhle von einer Gesprächsbereitschaft der Museumsdirektion gegenüber dem Betriebsrat der T&M angesichts der neuen Situation. Die junge Welt konnte am selben Tag mit einer Bildmeldung der Abschiedsfeier vom Freitag unter dem Motto Protest gegen Entlassungen von Mitarbeitern des Technikmuseums aufwarten. Gleichzeitig erinnerte der Autor an die anstehende Übergabe einer Resolution an den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit. Nach seinem Osterurlaub soll er als Zuständiger für kulturelle Angelenheiten in die Pflicht genommen werden und sich für den Erhalt der Arbeitsplätze der Besucherbetreuer_Innen einsetzen.

Der politsche Druck könnte sich bereits in der kommenden Woche erhöhen. Am Montag, den 31. März 2008, tagt der Kulturausschuss unter Leitung der Grünen-Abgeordneten Alice Ströver. Dabei könnte nach diesem Medienecho durchaus die Konzeptlosigkeit der Museumsleitung des Deutschen Technikmuseums Berlin zur Sprache kommen.


1 Antwort auf „Aktuelle Entwicklungen im Deutschen Technikmuseum Berlin“


  1. 1 aka 30. März 2008 um 14:58 Uhr

    ne schöne einladung mit tagesablauf gibts hier als pdf.

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