Nazis, Gewalt und der BFC!

Das Derby zwischen Tennis Borussia und dem BFC Dynamo am Sonntag, den 7. Dezember im Mommsenstadion, endete, wie es nicht anders zu erwarten war. TeBe gewann hochverdient mit 4:2. Der TeBe Block feierte auf der Tribüne ausgiebig, farbenfroh und kreativ, während auf der Gegengrade weinrote und uniformierte Hooligans aufeinander trafen, die sich offenbar um das Gewaltmonopol in der Kurve stritten. Beiden Gruppen war Leib und Leben von Kindern und Frauen egal. Außerdem versuchten mehrere Dutzend Nazis ins Stadion zu kommen!

Das äußerst sehenswerte Spiel gewann Tennis Borussia mit 4:2. Die Gäste aus Hohenschönhausen zeigten lediglich in den ersten fünzehn Minuten der ersten Halbzeit und am Ende der zweiten Halbzeit einige ansehnliche Spielzüge. Die Heimmannschaft dominierte den Gegner sehr schnell. Schon in der ersten Halbzeit gab es drei Hunderprozentige, die nicht verwandelt wurden. In der zweiten Halbzeit stand es aber schnell 3:1 und von den Gästen aus Lichtenberg kam bis auf unmotiviertes in den Gegner rennen wenig Gegenwehr. Das 4:2 war hochverdient!

Jedoch interessierte sich die Presse in den vergangenen Tagen weniger für das Geschehen auf dem Rasen, sondern viel mehr für die Auseinandersetzungen zwischen Team Green und Team Weinrot im Gästeblock bei denen es zu 18 Festnahmen kam und 58 Personen, darunter auch Kinder und Frauen, verletzt wurden.

Die uniformierten Hooligans und die sogenannten Fußballfans trafen circa in der achtundachtzigsten Minute brutal aufeinander. Kurz zuvor wurde aus der Gästekurve, laut Polizei, zum zweiten Mal von einem namentliche bekannten 27-Jährigen ein Böller gezündet und auf das Spielfeld geworfen. Die Partie mußte kurz unterbrochen werden. Es drohte der Spielabbruch, da es schon in der ersten Halbzeit wegen einem Böller eine Spielunterbrechung gab. Die Ordner schritten ein und isolierten offenbar den Pyromanen. Dafür kletterten nun mehrere Personen auf den Zaun. Auch diese wurde von den Ordnern – etwas unsanft – wieder auf den Boden der Tatsachen zurückbefördert. Hierbei kam es zu Rangeleien zwischen den Gästefans und den eigenen Ordnern.



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Offenbar war die Polizei der Meinung, daß der Ordnungsdienst Unterstützung benötigt und kam zur Hilfe. Ich würde sogar sagen, daß die Ordner sich zurückzogen und die Polizei in den Block schickten um die Lage zu beruhigen. Auf jeden Fall eskalierte die Situation nun vollends. Team Green ging entschloßen und aggressiv rein und beendete, was der Ordnungsdienst nicht schaffte. Die Störer wurden festgenommen.

Jedoch entlud sich nun der Haß der Gäste auf die Heimmannschaft, der Frust wegen des verlorenen Spiels und der verkackten Saison. Mit diesem Ergebnis würde es schwierig sein um den Aufstieg mitzuspielen.


Als die Polizei ihren Einsatz begann, war die Reaktion im BFC-Block erschreckend. Die Beamten wurden sofort mit allem, was zur Hand war, beworfen. Die Spirale der Gewalt geriet in Gang, ohne ein Bemühen seitens der BFC-Ordner einzugreifen.

Das äußert Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verband (BFV), gegenüber der Berliner Zeitung.

Die Prügeleien zwischen den Gästefans und der Polizei wurde äußerst brutal geführt. Beide Seiten scherrten sich einen Dreck um Unschuldige, Frauen und Kinder. Von den Gästen wurden Parolen wie Auf die Fresse, Wir woll‘n den Spielabruch, Alle Bullen sind Schweine oder A.CA.B. gegröhlt. Die Polizei schlug auch mal auf Unbeteiligte ein. Immer wieder flackerten die Ausseinandersetzungen neu auf, nachdem sie sich schon längst wieder beruhigt hatten. Die unifomierten Hooligans bahnten sich mit Tränengas und Knüppeln den Weg durch die Menge. Betrunkene Freaks aus den Reihen der Gästefans reagierten mit Senfbottichen, Bierbechern, Kartons und Stühlen.



Aufgrund der Ausschreitungen am 7. Dezember droht dem BFC Dynamo nun der Auschluß aus der Oberliga. Der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) wird am folgenden Wochenende in einem Sportgerichtsverfahren über die Vorkommnisse im Mommsenstadion beraten und über mögliche Strafen für Dynamo und Tennis Borussia entscheiden, wobei der Heimmannschaft mangelhafte Zugangskontrollen und zu wenig Ordner vorgeworfen wird.

Der BFC Dynamo reagiert, wie schon so oft nach Ausschreitungen und Ausseinandersetzungen seiner Fans, lediglich mit Verharmlosung und der Selbstinszenierung als vermeintliches Opfer. Wahlweise ist es eine propagandistische linksbürgerliche Presse, linksextremistische Gewalttäter oder die Polizei, die den Ruf des ostdeutschen Rekordmeisters beschmutzen wollen. Nie sind es die eigenen Fans, die sich schuldig gemacht haben.


Der BFC Dynamo wird sich von seinen erfolgreichen Weg der letzten zwei Jahre nicht abbringen lassen, weder von einzelnen Personen, noch von massiven und unberechtigten Polizeieinsätzen. Wir stellen uns hiermit ausdrücklich vor unsere Fans! Der Verein wird es nicht hinnehmen, dass Fans durch ein überhartes und unberechtigtes Vorgehen der Polizei verletzt werden.

Die Übergriffe und die Gewalt der Polizei ist widerlich und muß verurteilt werden. An diesem Punkt stimme ich den Offiziellen des BFC zu. Die kollektive Gegenreaktion der Dynamofans und das unterlassene Eingreifen der Vereinsoffiziellen sollte aber auch problematisiert werden. Vor allem aber wird durch die Betonung der Übergriffe der uniformierten Hooligans auf vermeintlich friedliche Dynamo Fans etwas äußerst wichtiges unterschlagen. Nämlich das vom Fanbeauftragten Rainer Lüdtke eine Solichoreo für die Naziklamottenmarke Thor Steinar geplant war und über fünfzig Nazis versuchten sich Zugang zum Stadion zu verschaffen.



Die von Lüdtke geplante und organisierte Choreographie sollte das Thor Steinar Verbot im Mommsenstadion unterlaufen und offen Solidarität für die Nazimarke zeigen. Rainer Lüdtke schrieb:


Wir planen zum Spiel bei TeBe eine kurzfristige Aktion. Sie soll mit Ironie untermalt sein. Da TeBe einige Kleidungsstücke untersagt hat, vor allem Thor Steinar, wollen wir dies auf unsere Art und Weise kommentieren. Wir haben 400 dieser weißen Schutzanzüge für Lackierer und Maler besorgt. Diese wollen wir für 1,50 das Stück an unsere Fans abgeben. Auf diesen Anzügen wird ein Aufkleber angebracht „Timo Steinert“. Damit wollen wir geschlossen ins Stadion gehen!

Dieser codifizierte Thor Steinar Fanclub zeigt offen, in welche Richtung die Symphatien eines Teils der BFC Anhänger gehen. Es ist deshalb um so erschreckender, daß der Verein selbst diese Art der Solidarität toleriert und durch seinen Fanbeauftragten sogar unterstützt. Außerdem versuchten nicht wenige sogenannte Autonome Nationalisten und andere Nazis – erkennbar an einschlägigen Buttons und Symbolen – sich Zugang zum Gästeblock zu verschaffen.

Im Grunde ist die Nähe des BFC zum Nazilifestyle nicht sonderlich verwunderlich, hatte doch Peter Meyer, der Wirtschaftsratschef des BFC Dynamo vor einigen Jahren mit Thor Steinar als Trikotsponsor und zur Vermarktung der Merchandiseprodukte verhandelt. Auch wenn dies von Meyer regelmäßig geleugnet wird, bleibt ein fader Beigeschmack, behauptet dies doch mit Mario Weinkauf jemand, der während seiner Zeit beim BFC selbst wenig Probleme mit Nazisponsoren hatte. Auch von ihm wurden problematische Verbindungen in die Hooligan- oder Naziszene als Hobby oder Freizeit verharmlost.



So friedlich sind die Dynamos. Mensch beachte das Keltenkreuz.

Bei Peter Meyer scheinen die Verbindungen vor allem zu den gewalttätigen Fankreisen seines Vereins noch sehr viel intensiver zu sein. Für einen Platzsturm im Jahr 2004 in Potsdam unter dem (nationalsozialistischen) Motto Arbeit macht frei – Babelsberg 03, inklusive Körperverletzung, war ein Verfahren gegen ihn anhängig. Zunächst wurde er zwar freigesprochen, aber in der nächsten Instanz mußte er eine nicht unerheblichen Summe an das Opfer zahlen, damit das Verfahren eingestellt werden konnte. Seine Vorstrafe wegen Verwenden von Zeichen verfassungsfeindlicher Organisationen (§86a) läßt sich ebenfalls nicht leugnen.

Zusammengefaßt läßt sich also sagen, daß am vergangenen Sonntag im Mommsenstadion ein äußerst widerliches Gebräu zusammenkam. Anstatt der üblichen circa 600 Anhänger des BFC Dynamo kam alles, was den schwulen, reichen Wessiverein Tennis Borussia und seine linken Fans nicht leiden kann. Selbst die junge Welt, eigentlich die Hauspostile von Dynamo, wußte von homophoben Gesängen zu berichten, die in der Gästekurve bereitwillig unterstützt wurden.

Neben den sowieso schon überdurchschnittlich vielen Thor Steinar Träger_innen kamen diesmal auch erkennbare Nazis, die aber im Gegensatz zum Sportforum in Hohenschönhausen geschlossen draußen bleiben mußten. Die nun mehr Ausgeschloßenen brauchten sich um die Solidarität ihrer Kameraden keine Sorgen zu machen. Der Nazilifestyle sollte durch eine ironische Choreo geehrt werden. Die Soli fiel zwar aufgrund von Bauschmerzen des Fanbeauftragten ins Wasser, die weißen Overalls blieben aber.

Trotz szenetypischer Unterhaltung kam es, provoziert durch einige, wenige Dynamo Anhänger, zu einer Massenschlägerei zwischen den uniformierten und den weinroten Hooligans auf die höchstwahrscheinlich nicht wenige im Gästeblock gewartet hatten. Dabei wurde rücksichtlos mit allem geworfen, was nicht angenagelt war, und jeder mit Gas besprüht, der sich entweder nicht schnell genug entfernte oder sich lautstark über den unverhältnismäßigen Einsatz beschwerte.

Was für ein Finale eines ansonsten hervorragenden Fußballnachmittags. Aber es war nun einmal die Eiterbeule des Fußballs zu Gast, die Nazis, Homophobe und Gewalttätern ganz besonders magnetisch anzieht. Die Recherchen, die vor einigen Tagen auf diesem Blog erschienen, wurden mit den aktuellen Vorkommnissen eindrucksvoll und unmißverständlich bestätigt.

+ + U P D A T E + +

Die Verbindung zwischen dem Spiel am Sonntag und dem Naziaufmarsch einen Tag vorher stellt ein Dynamo-Kamerad selbst her. Er sagt (im Video circa ab 1:15 min).


Wünderschön. Wat‘a jestern nich‘ jeschafft habt, könnt‘a heut [nachholen].




6 Antworten auf „Nazis, Gewalt und der BFC!“


  1. 1 Bart 13. Dezember 2008 um 15:14 Uhr

    Sehr schöner objektiver Bericht!!! Was zu erwähnen ist, daß ca. 50 Leute wegen Naziklamotten nicht ins Stadion kamen.
    Was ich fragen wollte: Von wem ist dieser Spruch? Würde mich mal interessieren.

    „Wünderschön. Wat’a jestern nich’ jeschafft habt, könnt’a heut [nachholen].“

    MfG Bart

  2. 2 Machnow 14. Dezember 2008 um 13:42 Uhr

    Dieser Satz ist aus einem Video. Ich habs oben nochmal eingebunden. Der Satz kommt circa ab Minute 1:15. Es ist der Typ der klatscht, der die uniformierten „Hooligans“ anquatscht. Die Gruppe um ihn drumherum sieht ebenfalls recht interessant aus.

  3. 3 informer 26. Dezember 2008 um 13:31 Uhr

    50 Nazis durften nicht in’s Stadion, aber dafür waren ca. 80 sog. autonome Nationalisten unter dem Dynamo-Publikum.

    Darunter eine grosse Anzahl von Potsdamer Neo-Nazis, die sehr gute Kontakte zu div. Dynamo-Leuten haben.

  1. 1 Goal! Tavano! Loviso! Fuß! « Brigata Amaranta Venticinque Aprile Pingback am 22. Dezember 2008 um 20:49 Uhr
  2. 2 Ultràs Union - Antisemitisch & homophob « Brigata Amaranta Venticinque Aprile Pingback am 12. Januar 2009 um 11:36 Uhr
  3. 3 Berliner Hooligans | Welt Hertha Linke - Hertha BSC Berlin Blog Pingback am 03. Februar 2009 um 15:37 Uhr
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