Gaza brennt! Chanukkah Sameach!

Gaza Fire 27. Dezember 2008 Mitten im Shabbat des Chanukka Festes eskaliert die Situation im Gaza Streifen. Nach massivem Beschuß südisraelischer Ortschaften mit Kassam Raketen begann die israelische Luftwaffe die palästinensischen Regierungsgebäude zu bombadieren. Ziel der Angriffe, laut Ehud Barak, waren circa 100 Hamas Einrichtungen, vor allem Polizeistationen, Hilfseinrichtungen und andere Büros der Hamas. Darunter war auch die spirituelle und intelektuelle Bastion der fundamentalistischen, internationalen Muslimbruderschaft, die Islamische Universität von Gaza. In den ersten Stunden starben um die 220 Menschen. Unter ihnen waren drei hochrangige Hamas Offiziere und mindestens 15 Zivilisten. Circa 700 wurden verletzt.

Die palästinenischen sogenannten Befreiungsgruppen reagierten unmittelbar mit dem Beschuß des Südens von Israel. Erschreckender ist jedoch, daß, laut telepolis, im Südlibanon Katjuschas mit einer Zeitschaltung gerade noch rechtszeitig entschärft werden konnten. Offenbar ruft die Hezbollah zur Unterstützung ihrer Kameraden in Gaza ebenfalls zum Kampf gegen Israel. Andererseits ist der Stachel des Ungehorsams gegen die unmenschliche Belagerung von Hamastan schon längst im israelischen Kernland angekommen.

Gestern abend demonstrierten Hunderte Jud_innen und Araber_innen gemeinsam in Tel Aviv und forderten das Töten sofort zu stoppen. In Nazareth – in der Westbank – gingen circa 1.000 auf die Straße. In Nablus demonstrierten circa 500 gegen die Luftangriffe auf Gaza. Bei einer Demonstration in Ni‘lin, dem Ort, der sich schon seit geraumer Zeit mit Unterstützung der Anarchists against the Wall gegen den israelischen Sicherheitszaun – die sogenannte Mauer – wehrt, kam es zu schweren Übergriffen durch die israelische Grenzpolizei. Ein Mensch wurde erschoßen, ein weiterer schwer verletzt.



Bilder der Angriffe gibts bei HaAretz

Auch in Israel kam es zu Auseinandersetzungen zwischen israelischen Sicherheitsorganen und israelisch-arabischen Demonstranten. Übergriffe auf Israelis in den besetzten Gebieten gab es ebenfalls. In Hebron wurde hierbei ein acht Monate altes Kind bei Steinwürfen auf israelische Fahrzeuge verletzt. Die befürchtete Eskalation auf allen Ebenen findet bereits statt. Eine zweite Front – wenn nicht gar dritte Front – im Norden würde das Überleben Israels hochgradig gefährden, insbesondere weil islamistische Fundamentalisten jeder Colour zum Krieg gegen Israel blasen.

Jedoch mußte die israelische Regierung mit solch einer Reaktion auf einen derart massiven Luftkrieg gegen die Hamas in Gaza rechnen. Auch wenn die IAF versucht zivile Objekte zu verschonen, betrifft der Luftkrieg und vor allem der offenbar geplante Einmarsch große Teile der Zivilbevölkerung. Diejenigen, die schon seit Monaten darben, müßen nun mit einer weiteren militärischen Eskalation und Verschärfung ihrer lage rechnen. Damit wird die Position der Hamas aber ganz sicher nicht geschwächt, sondern viel mehr eine dritte Intifada losgetreten.

Außerdem scheint dieser Angriff nicht Ausversehen und als Reaktion auf den Raketenbeschuß südisraelischer Ortschaften erzwungen worden zu sein. Viel mehr begann die Planung des Bombardements von hamasnahen Einrichtungen laut HaAretz schon vor Monaten. Die Verhandlungen über einen Waffenstillstand mit der Hamas erscheinen so in einem ganz anderen Licht. Die Abriegelung und der permanente Bruch von Absprachen ebenfalls.

Solch eine Verhalten der israelischen Regierung kann nur als fahrlässig betrachtet werden. Damit wird die eigene Bevölkerung mutwillig gefährdet, in einen blutigen Konflikt gezwungen und jede Chance auf einen Frieden schon im voraus begraben. Der Krieg ist nun entfacht. Gaza brennt! Israel reibt sich auch im Inneren auf! Die Zivilbevölkerung im Heiligen Land wird wieder einmal leiden müßen. Die einzige Forderung – von einem breiten Bündnis unterstützt – kann nur heißen.

Today we stop the war!