So läuft echte Mitbestimmung!

Im November hatte sich im Filmtheater Babylon ein Betriebsrat gebildet, Mitte Januar ging dieser an die Öffentlichkeit und nur einen halben Monat später gibt es eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe. An dieser aktiven und offenbar zielgerichteten Belegschaft und seiner Vertretung sollte sich der Betriebsrat der T&M GmbH mal ein Beispiel nehmen. Denn bis heute haben es die Besucherbetreuer_innen nicht geschafft eine Betriebsgruppe offiziell zu konstituieren und endlich ihre Mitbestimmungrechte offensiv einzufordern.

Aber darauf werden die Beschäftigten im Deutschen Technikmuseum Berlin (DTMB) wohl noch lange warten dürfen. Im Gegensatz zu ihren kulturprekären Leidensgenossen aus dem Babylon, die sich wehren, dringt über die Situation der Besucherbetreuung im DTMB nix nach draußen. Anfragen (meinerseits) werden konsequent ignoriert oder torpediert.

Da sieht’s im Babylon ganz anders aus. In zwei Monaten haben es die Beschäftigten geschafft sich zu vernetzen, ihre Situation in die Öffentlichkeit zu tragen und eine gewerkschaftlich betriebliche Basisgruppe offiziell zu gründen. Vielleicht war diese Geschwindigkeit nur möglich, weil sich eine freie, lokale Gruppe – ein Syndikat – bildete, die von der anarchosyndikalistischen Freien Arbeiter Union (FAU) unterstützt wurde. Diese freie Gewerkschaft hatte den Kampf um Arbeitnehmerrechte im Filmtheater Babylon schon sehr früh unterstützt. Der Umstand, daß das Babylon maßgeblich von öffentlichen Geldern abhängig ist, machte die Betreiber für öffentlichen Druck anfällig.

Auch das Technikmuseum wird hauptsächlich aus öffentlicher Hand finanziert. Jedoch nutzt der Betriebsrat der T&M GmbH – trotz der offensichtlichen Erfolgschancen mit geringstem Aufwand – die Öffentlichkeit nicht. Vielmehr schweigt er standhaft!

Nach Innen sieht es auch nicht so rosig aus. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß bis heute keine gewerkschaftliche Betriebsgruppe existiert. Ich finde es sehr bedenklich, daß nach über einem Jahr Arbeitskampf am DTMB und ein Jahr nach der konstituierenden Sitzung des Betriebsrates der T&M GmbH es immer noch keine Betriebsgruppe gibt.

Die Beschäftigten im Babylon benötigten hierfür circa 2 Monate! Sie nehmen ihre Mitbestimmungsrechte offenbar sehr ernst. Denn sie handeln! Sie scheinen erkannt zu haben, daß mit klaren Positionen, einer transparenten und vor allem öffentlichkeitswirksamen, gewerkschaftlichen Organisierung der Beschäftigten ihre Ziele offensiv sowie erfolgreich durchgesetzt werden können. So wird eine, laut Gesetz vorgeschriebene, quartalsmäßige Betriebsversammlung eben nicht verschlafen, was dem Betriebsrat der T&M GmbH aber peinlicherweise dennoch passierte.

So stehen sich nun zwei Konzepte gegenüber. Auf der einen Seite die Babylonier_innen, die sich engagieren, die Öffentlichkeit über neue Entwicklungen auf ihrem Blog informieren und vor allem offensiv die Interessen der Belegschaft vertreten. Auf der anderen Seite steht ein stummer Betriebsrat bei der T&M GmbH, der unsichtbar ist, scheinbar nach Außen, aber (laut meinen Informationen) auch nach Innen, nicht informiert und dem der Betriebsfrieden wichtiger zu sein scheint, als die Interessen der Belegschaft. Da fällt es nicht schwer seine Symphatien zu verteilen! Deshalb möchte ich hiermit der entschloßenen Belegschaft des Filmtheater Babylon meinen tiefsten Respekt ausdrücken. Ihr Mut sollte so manchem ein Beispiel geben . . .

ich entschuldige mich für den schmalz. aber manchmal darfs auch ein wenig pathos sein!