Transgenialer CSD – Party, Politik und Homophobie

gay pride Am gestrigen Nachmittag fand der Transgeniale CSD statt. Unter dem Motto Toleranz? Nein Danke! Glitter ohne Grenzen! zogen circa 2.000 Menschen durch Friedrichshain und Kreuzberg. Am Rande der Demonstration griff eine Personengruppe um Bushido, dem wahrscheinlich untalentiertestem Rapper von Berlin, die Demonstration durch Verbalgerotze in seinem schlechten Rapstil und mit Flaschen an. GLADT stellte mehrere Anzeigen.

Der Transgeniale Christopher Street Day versteht sich als politische Demonstration gegen Diskriminierung und Heteronormalisierung in der Mehrheitsgesellschaft. Er nimmt die Forderungen und den zum Teil militanten Kampf gegen die Repression, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit gegenüber als anders oder un-normal konstruierten Menschen ernst und stellt sich damit in die Tradition des historischen Stonewall Riot, in dem sich die Gay-Community tagelang gegen homophobe Polizeirazzien und Übergriffen im New Yorker Stadtviertel Greenwich Village wehrte. Deshalb ist es bis heute für den Transgenialen CSD wichtig, daß sich jede_r sicher und frei auf der Parade bewegen kann und jeder Übergriff auf Einzelne ein Angriff auf die Demo selbst darstellt, auf den entsprechend reagiert werden würde. Dabei ist es unerheblich, ob es die Polizei ist, die attackiert oder Passant_innen. Homophobie, Rassismus oder andere Ausgrenzungen wurden und werden nicht geduldet!


Weitere Bilder beim Medienkollektiv Berlin

Der Transgeniale CSD in diesem Jahr startete am Boxhagenr Platz. Ab 14 Uhr sammelten sich allmählich einige Menschen, die sich in keine normalisierte Schublade stecken lassen wollen. Im Gegensatz zum kommerziellen CSD bei dem sich die Berliner Politikprominenz traf, die tatkräftig Freiräume schließt und neue Angsträume schafft, die jedes kleinste politische Engagement gegen den kapitalistischen Mainstream kriminalisiert und verprügeln läßt oder jenseits demokratischer Teilhabe diktatorisch über Bürgerentscheide hinweg geht, ging es dem diesjährigen TCSD darum, die alltägliche rassistische, homophobe, transphobe, frauenfeindliche Gewalt und die Ausgrenzung von nicht-“schönen“, nicht-jungen, nicht-reichen, nicht-weißen, behinderten, politisch unbequemen Menschen offensiv zu thematisieren und nicht hinter blödsinnigen Slogans zu verstecken. Deshalb wundert es mich gar nicht, daß beim offiziellen CSD, wie Le Dernier Cri erzählt, sich sexistisch gaffende und ganz love-parade-like amüsierende Nazis im neuestem Thor Steinar Fummel rumtrieben.

Der TCSD zog derartige völkische und andere sexistische Exklusionsfetischisten nicht an. Statt mit dem Slogan Stück für Stück ins Homoglück um Toleranz und Akzeptanz zu betteln, sollte auf die alltäglichen Gewalten in einem kranken, an der eigenen Profitgeilheit erstickenden System, das uns in die Krise stürzt, nichts als Ausschlüsse produziert und uns dann seine Toleranz vor die Füße kotzt, aufmerksam gemacht werden.

Als die Parade um circa 15 Uhr los zog waren es relativ wenig Teilnehmer_innen. Aber schon in der Gärtnerstraße wuchs die Demo auf circa 1.000 Demosntrant_innen und Feiernde. Auf der Warschauer Brücke wuchs der Zug nocheinmal beträchtlich an. Über die Oberbaumbrücke zogen mindenstens 2.000 Menschen friedlich feiernd und informativ provokant.

An einem Imbiß am Schlesischen Tor (wahrscheinlich das Cafe Achteck direkt unter der U1, starblog meint allerdings, es wäre Burgermeister ) kam es zu einer verbalen und physischen Attacke auf die Demo. Einige Demonstrant_innen hatten den unkreativen Wortdilettanten Bushido entdeckt und ihn offensiv mit seiner Homophobie konfrontiert. Der fühlte sich ob solch geballter queerer Aussichten deart gestört, daß er in ein sexistisches Verbalgegrunze verfiel, welches schon seine Tracks entstellt. Seine Gang pöbelte fröhlich mit. Nachdem allerdings im Wortgefecht auch Wasser in Richtung Bushido flog, rastete einer seiner Jünger aus.


Weitere Bilder von Björn Kietmann bei der Morgenpost

Der Choleriker könnte nyze gewesen sein. Er nahm eine Flasche, zerschlug sie und fuchtelte damit wild vor sich rum. Bushido war da schon etwas zurückhaltender. Insbesondere als die Polizei auf ihn und seine Gruppe zu kam. Allerdings anstatt die ekelhaften Typen und vor allem den aggressiv homophoben Flaschenliebhaber zu entfernen, schützte Team Green Bushidos Gang und filmte lieber die zu Recht aufgebrachten Demoteilnehmer_innen großflächig.

An dieser Stelle soll es außerdem noch Flschenwürfe aus einer Gruppe von 4-6 Personen gegeben haben. Ob damit die Gang des Schißers Bushido gemeint ist, kann ich nicht sagen. Weitere Angriffe konnte ich nicht beobachten. Dieser wurde unmittelbar und im Rahmen des möglichen geahndet. Die Organisator_innen waren eher an einer Deeskalation interessiert. Die Homophobiker, Sexisten und Gewaltfetischisten um den weichgespülten gar nicht mehr Gangstarrapper, sondern viel mehr uniteressantem Kommerzpopper Bushido ließen sich zu seinem silbernem Mercedes eskortieren und flüchteten.

Dieser ekelhafte Typ, der seine Minderwertigkeitskomplexe offenbar nur durch regressive Erniedrigung anderer und eine aggressive Attitude gegenüber unpaßend phantasierten zu verdrängen scheint, hat mit seinen Gebrabbel die soziale und gesellschaftliche Relevanz des politischen TCSD vor Augen geführt und in der Person Bushido die mehrheitsfähige Ausgrenzung durch den bürgerlichen und kulturellen Mainstream vor Augen geführt. Kuscheln mit vermeintlich toleranten politischen und kulturellen Protagonisten hilft gar nix. Vielmehr muß die Biomacht konsequent attackiert und dekonstruiert werden!


Weitere Bilder beim Antiteilchen

Während der Demo gab es außerdem einige interessante Redebeiträge. Neben Gentrifizierung, der akuten Gefahr für die einige Freiräume, unter anderem dem RAW Tempel und der Brunnestraße 183 und dem Thema Kottbusser Tor wurde zur Solidarität mit der queeren Bewegung in Bulgarien aufgerufen. Das International Queer Solidarity Network und AnarchoResistance hatten um Unterstützung und aktive Solidarität gebeten , da ihr Kampf für politische und gesellschaftliche Rechte von nationalistischer, neofaschistischer und kirchlicher Seite zunehmend militant und existenziell bedroht wird.

Auch in diesem Jahr soll zum zweiten Mal eine Gay Pride Parade in Sofia stattfinden. Im letzten Jahr wurde die Demonstration von Neonazis mit Molotowcocktails und Pyrotechnik attackiert. Die Bulgarische Nationale Union hatte zu einer Woche der Intoleranz unter dem Motto Sei intolerant! Sei normal! aufgerufen. Es kamen Nationalisten, Naziskins und Unterstützer der Bulgarischen Nationalen Union. Glücklicherweise wurde kein_e Teilnehmer_in der Parade verletzt. In diesem Jahr stellte sich die othodoxe Kirche auf die Seite der Nazis und die anderen Homophobiker.

Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, sowohl in vermeintlich toleranten als auch in dominant homophobnormalisierten Städten offensiv und solidarisch für seine Rechte auf die Straße zu gehen. Die Forderung ist überall gleich.

Smash Homophobia!


10 Antworten auf „Transgenialer CSD – Party, Politik und Homophobie“


  1. 1 tee 28. Juni 2009 um 18:43 Uhr

    untalentiert, schlechter rapper, „schißer“ – harte kritik!

  2. 2 Machnow 28. Juni 2009 um 20:42 Uhr

    hm. kritik? ich würds erkenntnis nennen ;-)

  3. 3 M. A. Bakunin 29. Juni 2009 um 0:10 Uhr

    Das der kommerzialisierte CSD Nazis durch einiges Zutun anzog, das ist harte Kritik und stößt bei mir auf Gegenkritik. Ansonsten ein gute Text zu einem wichtigen Thema und einer wichtigen Veranstaltung.

  4. 4 neuköllnchen 29. Juni 2009 um 10:37 Uhr

    Weiso kann es dazu kommen, dass die Polizei Bushido und seine Idiotne schützt? Der CSD hat seinen Ursprung j adarin, dass sich gewehrt wurde gegen Übergriffe und Diskriminierung. Armed gays won‘t be bashed. Dem homophoben Mob nächstes mal ein paar Faustdicke Platzverweise erteilen. Die Idioten fühlten sich ja nun bestätigt, Queers angreifen ist relativ ungefährlich. Die Reaktion sollte so ablaufen, dass sich das Flaschenkind es beim nächsten mal 2 mal überlegt, ob es das Maul aufmacht und mit Flaschen rumfuchelt.

  5. 5 Wendy 29. Juni 2009 um 12:42 Uhr

    Man muss sich zwischen Kritik an Homophobie und anderen sexistischen Erscheinungen und Gekeife a la „schwach“, „Schisser“, „ängstlich“ (unmännlich) entscheiden. Letzteres schließt nämlich nahtlos an Geschlechterrollen an und blamiert Bushido an seiner Abweichung zur Schablone.

    Da ist mir eine vernünftige Militanz a la „Armed gays won´t be bashed“ lieber.

  6. 6 Machnow 29. Juni 2009 um 13:11 Uhr

    alles richtig. die rollenzuschreibungen, die ich benutzt habe sind ungläcklich und im grunde „reaktionär“. allerdings war sie auch eher als (verdammt unkreatives und schlechtes) dissen meinerseits gegen bushido aus seienr perspektive gemeint.

    im grunde ist mir der homophobe, sexistische mainstream blödmann völlig egal. ihn „abzuwerten“ ist völlig unnötig und deplaziert. aber es ist nur an einer stelle, möchte ich betonen. bei den anderen absätzen habe ich mich bemüht etwas anders zu argumentieren…

  1. 1 Transgenialer CSD « meta.blogsport Pingback am 28. Juni 2009 um 18:49 Uhr
  2. 2 ABRISSBERLIN » Blog Archiv » Transgenialer geht es immer Pingback am 29. Juni 2009 um 2:18 Uhr
  3. 3 Ostprinzessin » BZ-Blog » Blog Archiv » Nicht nur reden, sondern handeln Pingback am 29. Juni 2009 um 3:12 Uhr
  4. 4 hello fmt*s « frauen mädchen transgender abend Pingback am 29. Juni 2009 um 11:09 Uhr
Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.