Die Partei – Humorlos, apolitisch, irrelevant

Martin Sonneborn, der vermutlich adrett gekleideste Oberguru der als Satire verklärten irrelevanten Sekte Die Partei, poltert seit Tagen in sämtlichen Medien gegen den Parlamentarismus und den Landeswahlleiter, weil dieser ihn nicht mehr mitspielen lassen möchte. Radio Eins findet das witzig. Wenn mensch aber genauer hinhört bleibt von der vermeintlichen subversiven Satire, der politischen Intervention oder kreativen Dekonstruktion sozialer Klischees wenig übrig.

Eigentlich geht es Sonneborn nämlich darum seinen Film über das Performance Projekt Die Partei möglichst effektiv zu promoten. Die Absage von Roderich Egeler, dem Landeswahlleiter, war dabei gar nicht besonders hinderlich, sondern rieß die irrelevante Sekte ins Rampenlicht, wo sie sowieso hin wollte. Schließlich wollen sie satirische Propaganda machen, im Rampenlicht stehen und vor allem heulen sie nun nach Solidarität.

T-Shirts mit der Aufschrift Where is my vote, Wahlleiter sind für die mediale Promoaktion schon gedruckt worden. Ekelhaft stößt hier schon auf, das sich Sonneborn und seine unkreativen Brand Designer_innen einen Slogan aneignen, der Prügel, Morde, Verhaftungen und totalitäre Repression bedeutet. Satire wäre es, wenn damit deutsche Verhältnisse karikiert werden würden. Jedoch bleibt diese Parole lediglich oberflächlich und setzt offensichtlich nur auf eine mediale Wahrnehmung jenseits eines politschen Statements.

Trotzdem legt Die Partei wehrt darauf, daß sie Teil der parlamentarischen Demokratie ist. Sonneborn und seine Mitstreiter wollen als Partei wahrgenommen werden.

Wir sind aber eine gut organisierte Partei mit über 4.000 Mitgliedern und mit über neun Landesverbänden. Und das ist rechtlich völlig fragwürdig, was dieser Mann gemacht hat.

Damit liegt er gleichauf mit der DKP, allerdings weit hinter der islamophoben Christlichen Mitte, die für ein Deutschland nach Gottes Geboten eintreten. Selbst die sehr viel jüngere Piratenpartei hat mehr Mitglieder_innen und Landesverbände.

Aber Die Partei will ja auch, wie Sonneborn im Medienmagazin bei inforadio erläuterte, satirisch den theatralen Charakter der parlamentarischen Demokratie bourdieuesk dekonstruieren und so das passive Wahrecht stärken.

Neben ihrer subversiven kulturästhetischen Mission, die explizit politisch – eben als Partei – intervenieren möchte, sehen sie sich allerdings auch als nationale Botschafter_innen für Deutschland. Satire ist dabei keine Ausrede, sondern irgend was anderes. Es geht ihnen nämlich in jedem Fall um Politik. So meint zumindest Sonneborn beim Promointerview zu seinem Film mit radio eins.

Wir würden uns ja nicht auf Satire rausreden, sondern was mir machen ist ja echte Politik. Also, wir haben zum Beispiel das Deutschland Bild in Georgien entscheidend geprägt.

Bei inforadio legt Sonneborn noch eins drauf. Er schwaffelt etwas von Kapitalismus, Umweltzerstörung, der Entmündigugn des Bürger und setzt dem sein künstlerisches Konzept Satire entgegen, daß vor allem Spaß haben will. Die Partei will sich also über Politik lustig machen und die Krise weglachen. In den Untergrund gehen, sich zu Tode malochen und am Arbeitsplatz entwürdigen will er nicht. Dann lieber schon herrlich dekandent und bürgerlich, nicht zu Vergessen der radikalrevolutionäre Anstrich mit einem klitzekleinen Schuß intelektuellem Diskurs, in den Abgrund schauen und sich daran ergötzen.

So verwundert es gar nicht, daß Sonneborn in den zahlreichen Interviews, die er in den letzten Tagen gab, sich niemals politisch äußert. Schleißlich ist sein Konzept nicht politisch. Es beschmiert sich nur oberflächlich mit politischen Slogans. Was aber nicht über ihre politische Irrelevanz hinweg täuschen kann.

Deshalb ist es für Sonneborn auch kein Problem die Premeire seines Films im Filmtheater Babylon durch zu führen. Er inzeniert eine roten Teppich, stellt sich sexistisch verdinglicht seine Kanzler-Kandidatin an die Seite und lächelt verschmitzt in die Kamera. Er bemerkt nicht und äußerst uach nichts zum monatelangen Arbeitskampf im Premierenkino. Er bricht spektakulär (und damit wieder sehr politisch) den Boykottaufruf der Beschäftigten des Babylon.

Was bleibt also von Sonneborn und seiner Partei? Klamauk, entpolitisierte Aneignung, neoliberales Branding und Sexismus. Die Perfomance Die Partei ist gescheitert. Mit Satire hat Die Partei schon lange nix mehr zu tun. Mit Politik noch sehr viel weniger. Die Partei ist tot, es lebe die Sekte!


7 Antworten auf „Die Partei – Humorlos, apolitisch, irrelevant“


  1. 1 vega 10. August 2009 um 16:45 Uhr

    Sorry, Themaverfehlung. Deine bierernste Anlayse ist zwar scharfsinnig und gut geschrieben. ABER dadurch das du das Thema überhaupt ernst nimmst, geht alles was du schreibst schon wieder ins Abseits…

  2. 2 Machnow 10. August 2009 um 19:39 Uhr

    mag sein, daß ich sonneborn & sein pseudogequatsche zu ernst nehme. aber vor allem nervt mich, daß es schlechte satire ist. ich sehe nämlich keinerlei kreative brüche.

    der spruch „kanzlerin aber schöner“ (oder so) wird mit einem bild einer klischee-business-frau vermischt. hosenanzug, dekolleté, telefon. KEIN satirscher bruch! reproduktion sexistischer werbebotschaften zum zweck der promotion. deshalb verwundert es nicht, daß auf der seite der partei ein parteishop existiert, materialien allerdings nicht zu finden sind.

    genauso ist es mit dem vergleich zur iranischen opposition. einfach nur lcäherlich und verdammt schlecht. da wäre ein schmunzelmonservergleihcm it iranverknüpfung besser gewesen (zB „Wo ist meine Land, Wahlleiter!)

    hinzu kommt, daß die veranstaltungen der partei, wie das kanzlerkandidatinnen casting lediglich bespaßung veranstaltungen sind, ohne jeden subversiven (tucholsky) satirischen ansatz. das ist einfach nur bürgerlich kapitalistische scheiße. das hilft auch ein derrida, bourdieu oder sonst ein diskurs nicht.

    im übrigen hat sich sat über das casting sehr amüsiert. die veranstaltung fand im hamburger gentrifizierungspunkt – der privatisierten von student_innen als gegenveranstaltungsort zur FLORA etablierten – k73 statt. kulturkritische und interventionistische taktiken gab es nicht zu sehen. sondern wieder nur schlechte satire. klamauk und nonsense.

    es gibt eine subversiv humorvolle tradition. baudelaire, dadaisten, surrealisten, perfomance künstler ab den 50igern, situationist_innen und andere (radikale) künstler_innen haben bis heute die grenzen zwischen realität, theater, inszenierung, politik usw sehr viel besser thematisiert und dekonstruiert. Die Partei ist davon meilenweit entfernt…

    also nochmal, ich nehm die partei nicht ernst, sondern ich finde sie als performance grottenschlecht, als politische organisation irrelevant und ansonsten auch nicht besonders witzig.

    sorry ;-)

  3. 3 apostel 11. August 2009 um 0:43 Uhr

    ok, DAS HIER ist hingegen gute satire!

  4. 4 Betroffener 11. August 2009 um 1:37 Uhr

    Also mit dem Geschreibsel ist einem Babylon-Mitarbeiter nicht geholfen. Ist ja gräßlich.

  5. 5 Machnow 11. August 2009 um 9:47 Uhr

    @betroffener: Aber dadurch, daß das Babylon und ihr Chef sich wieder einmal als Premierenkino mit roten Teppich etablieren konnte? Das Filmtheater war in allen Medien. Radio Eins hat berichtet. Der rbb war live da. Sonnenborn hat schön gelächelt – stolz wie Bolle – und versuchte witzig zu sein. Und über den Arbeitskampf fiel nirgendwo ein Wort. Kein Wort zum Boykottaufruf durch die Beschäftigten. Kein Wort zum Inhalt des Arbeitskampfes.

    Die Premiere hat nur Grossman geholfen. Der steht wieder mitten in der kulturalternativen Szene an der Seite der vermeintlich vom Staat so benachteiligten Randgruppen. Er hat sich reinwaschen können. Die physischen Attacken auf Kinobesucher_innen und der Rausschmiß von eingeladenen Aktivist_innen sind kein Thema mehr…

    Und das hilft den Beschäftigten? Wohl kaum!!!

  6. 6 Betroffener 11. August 2009 um 16:42 Uhr

    Mir macht es halt etwas Bauschschmerzen, wie betriebsblind, ja geradezu „wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ – mäßig so ein Text daher kommt, der gleich alles verdammt. Würde er tatsächlich von Leuten gelesen, die zum Publikum vom Babylon gehören, aber nicht zu den Sympathisanten des Arbeitskampfes, würde er einiges an Sympathien verschenken, weil hier offensichtlich persönliche Befindlichkeiten verhandelt werden, die mit der Sache an sich nichts zu tun haben.
    Wie eine solche Premiere Grossman nutzt und dem Arbeitskampf schadet, ist eine Sache. Eine andere ist die blindwütige Auseinandersetzung mit Satire, ob oder nicht und gar der Person Sonnborns (der meiner bescheidenen Meinung nach den Schreiber in einem persönlichen Gespräch in kürzester Zeit sowas von in die Tasche stecken würde).
    Aber wie gesagt: Sowas funktioniert besser in Kooperation mit Veranstaltern, die nunmal nicht immer aus Verträgen und lange geplanten Veranstaltungen rauskönnen, die aber eben nicht verantwortlich für Grossman sind.
    Verschwiegen wird’s, wenn man sich selber zu etwas macht, was lieber verschwiegen wird. Bspw. mit paranoiden Thesen über die Welt der Bosse vs. den Rest und ähnlichem.

  7. 7 Machnow 11. August 2009 um 17:52 Uhr

    das sonneborn reden kann, galub ich gerne. das er oft gut ist, glaub ich auch. aber das, was er im zusammenhang mit dem film und der nichtzulassung seiner parteiperformance in letzter zeit abgelassen hat, fand ich wirklich schwach.

    er war schon oft sehr viel besser. zum beispiel (video) als er in trebbin, in der brandenburgischen provinz, die einwohner_innen zum feiern animieren wollte. bezahlen hat nich geholfen. eis, schnaps und bier funktionierte besser . . .

    die kanzlerin idee ist an sich gut. nur hätte ich eine satirische brechung mit der „hübschen“ kandidatin mit waffen, atommeilern oder an der seite von verrückten tyrannen besser gefunden.

    die babylon sache ist eine randnotiz für die meisten. für mich eben nicht. ansonsten hab ich in dem artikel eher die schwache und völlig humorlose promo kritisiert. außerdem fand ich es schwach, dass sonneborn einmal partei sein will, ihm es dann aber doch um spaß geht, aber spaß mit bourdieu… naja, die ansagen zur absage an der bundestagswahl teilzunehmen sind einfach nur inkonsequent und konzeptlos. da hätte ich mehr von ihm erwartet.

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