Actiondays gegen Nazis, Nation, Kapital und atomare Scheiße

Der heutige 5. September ist ein bundesweiter actionday gegen so manch widerliche Scheiße, welche die nationalistisch kapitalistische Ideologie mit sich bringt. Heute morgen wollten sich die aktionistischen Nazis von Frontbann 24 am Lichtenberger Bahnhof versammeln und eine Kundgebung abhalten. Seit einiger Zeit laufen die antifaschistischen Aktivitäten in Dortmund. Das Antifa Radio sendet und versorgt alle Daheimgebliebenen mit aktuellen Infos. Und am nachmittag rocken Trecker, Ökos und ein antikapitalistischer Block Berlin.

Der sogenannte Antikriegstag in Dortmund wird von den Autonome Nationalisten veranstaltet und gilt als eine der wichtigsten Termine für die militante Naziszene Europas. Deshalb ist es umso wichtiger der nationalistischen Geschichtsklitterung und Umwertung nationalsozialistischer Kriegstreiber in Friedensengel einen kraftvollen Protest entgegen zu setzen. Deshalb mobilisiert ein breites Bündnis zu kreativen Gegenaktivitäten.

Im Bündnis Dortmund stellt sich quer sammelt sich unter dem Motto Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus! der bürgerliche Protest zur antifaschistischen Demo. Ab 11 Uhr begann das S5 Bündnis mit seiner Kundgebung und anschließenden Demo. Laut dem Antifa Radio waren beim Deichkind Konzert um 12 Uhr circa 2.000 Menschen anwesend und es strömten immer noch mehr zum Treffpunkt.

Mit der gestrigen libertären und antinationalen Auftaktdemo, an der sich laut indymedia circa 1.200 Demonstrant_innen beteiligten, begannen die Proteste kraftvoll und kämpferisch.

Die Rote Antifa machte dabei leider wieder negativ von sich reden. Einige Aktivist_innen sollen sich angeregt mit türkischen Nationalisten von Millî Görüş unterhalten haben. Außerdem fotografierten sie ganz in Anti-Antifa-Manier die gestrige Demo ab, statt mit zu demonstrieren. Offenbar war es ihnen wichtiger (antiimperialistische) Querfrontkontakte zu knüpfen, als sich am antifaschistischen Protest zu beteiligen. Für heute haben sie glücklicherweise anderes angekündigt.

Erstaunlich ist, daß die Berliner Nazis sich scheinbar nicht dazu durchringen konnten nach Dortmund zu fahren. Das könnte daran liegen, daß die Strukturen der Autonomen Nationalisten hier sehr viel stärker geschwächt sind. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, daß die Berliner aktionistische Naziszene sich eher an anderen Organisationsmodellen orientiert.

Beim Frontbann 24 ist letzteres einschlägig. Deshalb sind sie heute besonders früh aufgestanden, um in ihrem vermeintlichen Homekiez Lichtenberg vor Drogenmißbrauch zu warnen. Ab 8 Uhr wollten sie sich am Bahnhof versammeln. Ich vermute, daß sie sich für die antifaschistische Demo am vergangenen Samstag revanchieren und ihre mickrige Mobilisierungsfähigkeiten beweisen wollen. Außerdem nutzen sie die Kundgebung als Treffpunkt um gemeinsam zum Naziaufmarsch nach Neuruppin zu fahren.

In Berlin passiert heute aebr noch mehr. So werden wahrscheinlich Tausende Menschen die Straßen der Innenstadt verstopfen, gegen Atomkraft demonstrieren und sich beim Transition Town Festival über alternative Stadtplanungskonzepte auf dem Boxhagener Platz informieren.

Die Renaissance der Anti-Atom-Bewegung ist heute aktueller den je zuvor. Die Asse säuft ab. In Morsleben, dem bisher einzigen bundesdeutschen Endlager dessen Überleben die heutige Bundeskanlerin in den 90igern sicherte, bröckelt der Berg über dem strahlenden Müll. Gorleben ist, laut Sigmar Gabriel zwar politisch tot, dennoch ist es als Endlager immer noch nicht für ungeeignet erklärt worden.

Dies ist umso erstaunlicher, weil die Gesteinsfomation von Gorleben der in Asse entspricht. Bei beiden handelt es sich um Salzstöcke. Was damit passiert, war und ist der Politik und vor allem den ernstzunehmenden Wissenschaftler_innen seit Jahrzehnten klar. Deshalb ist es absurd, daß die CDU, CSU und auch die FDP immer noch an der Atomenergie als Alternative zu Kohle festhält, obwohl die Müllberge wachsen und keine sichere Entsorgung absehbar ist.

Da der Lobbyprotest gegen die Atomindustrie, der von Verbänden alternativer Energieformen unterstützt wird, als im Grunde durchaus vernünftige Parteinahme für eine umweltschonende Energieversorgung rezipiert werden kann, braucht es notwendig eine antikapitalistische Intervention. Diese sollte den Antiatomprotest um den Diskurs über die kontinuierliche Aushöhlung von Mitbestimmungsrechten, die sowohl an der verhinderten Anwohner_innen-Beteiligung, der Rechtsbeugung bezüglich wissenschaftlicher Gutachten, der zentralistischen Forcierung atomenergiefreundlicher Entscheidungen aus den Ämtern und Ministerien und der Ignoranz der Parteien erkennbar ist, ergänzen. Deshalb wird es heute einen Antikapitalistischen Block geben.

Dog Walk 2009

Somit ist der heutige actionday komplett. Paßt alle auf euch auf! Rockt die Cities! Und am morgigen Sonntag darf gemütlich für die Tiertafel und Futterspenden mit seinem Vierbeiner spazieren gegangen werden. In Berlin geht es ab 11 Uhr in der Hasenheide los. Bremen startet 14 Uhr. Andere Städte beteiligen sich auch. Also, nach schauen, mitmachen und entspannen!