Mit RandNotizen für Schlagzeilen sorgen

Die Anwohner_innen des Schillerkiezes in Neukölln sind zur Zeit besonders engagiert und diskutieren umfangreich über die Entwicklung ihres Umfeldes. Dies zeigt sich in den Aktivitäten von Tempelhof für alle, Reclaim Tempelhof, der Kampagne zu Kein Ort für Nazis und der neuen Stadtteilzeitung RandNotizen, deren erste Ausgabe Ende März erschien.

Dass das Virus der Gentrifizierung Nord-Neukölln zu erfassen droht, ist seit längerer Zeit bekannt. Doch während die Anwohner_innen anderer Stadtteile die wirtschaftlich agierenden Quartiersmanagements (QM) gewähren ließen, versuchen sich die Neuköllner_innen in die drohende Umgestaltung ihres Kiezes nach marktwirtschaftlichen Leitlinien einzumischen. Einen gewichtigen Beitrag machen dabei die unabhängigen Stadtteilversammlungen aus, deren fünfte im Schillerkiez am morgigen Montag stattfinden wird wie die Nachrichten aus Nord-Neukölln berichten und Plakate im Kiez informieren.

Aus den selbst organisierten Treffen von Anwohner_innen entstand so auch RandNotizen. Die Zeitung soll als Anwohner_inneninformation dienen, über das QM Schillerpromenade und deren Strategien aus dem TaskForce Okerstraße (TFO)-Papier aufklären. Dabei wird klar, dass das QM an Verdrängung der Anwohner_innen interessiert ist und nicht an der Verbesserung der Lebensqualtität für die Menschen im Kiez. In insgesamt zehn Artikeln geben die Autor_innen von RandNotizen eine guten Überblick über die vielfältigen Betätigungsfelder und Eingriffe des QM Schillerpromenade in die Bevölkerungsstruktur nahe des geplanten Columbia-Quartiers. So werden die Hintergründe von Sanierungsmaßnahmen bis zu Monitoring Soziale Stadt erläutert und sogar die Vorstellungen von Integration hinterfragt. Weiterhin beschägftigen sich zwei Beiträge mit dem sich regenden Protest gegen die privatwirtschaftlich gesteuerte Kiez-Umstrukturierung.

Die zweite Ausgabe von RandNotizen ist bereits in Planung. Darin soll u.a. die Mietenentwicklung im Schillerkeiz behandelt werden. Um mehr Informationen von Anwohner_innen zu diesem Thema zu erhalten ist in der aktuellen Ausgabe der Stadtteilzeitung ein Kiezfragebogen enthalten. Mensch darf gespannt sein, welche Veränderungen die Anwohner_innen bereits in ihren Häusern feststellen.

Die nächste unabhängige Stadtteilversammlung in der Kneipe Lange Nacht wird sich dagegen vor allem in Vorbereitung auf die Öffnung des Tempelhofer Feldes durch den Berliner Senat am 8. Mai mit Formen des Widerstands beschäftigen. Die Eroberung des neuen Parkgeländes unter dem Motto Reclaim Tempelhof könnte ein Zeichen im Kampf gegen die Umstrukturierung des Kiezes ohne Beteiligung bzw. gegen den Willen der Anwohner_innen setzen. So kann in der neuen Ausgabe von RandNotizen vielleicht schon von Erfolgen der Gegenwehr zur gezielten Verdrängung und Vertreibung von Anwohner_innen aus dem Schillerkiez berichtet werden.