Beiträge von M. A. Bakunin

Marcel Reich-Ranicki zum 90.

Deutschland als Kulturnation, wie es Goethe und Schiller erdacht haben, wer stünde heute besser dafür als Marcel Reich-Ranicki, der heute seinen 90. Geburtstag feiert? Wobei feiern in diesem Zusammenhang eher ein Euphemismus ist, schließlich ist es eine schreckliche Sache 90 Jahre alt zu werden. Die deutsche Kulturnation, allen voran in Person von Anna Seghers, war es auch, die ihm durch die schlimmsten Verbrechen des volksnationalistischen Deutschtums hindurchhalfen und die ihn dazu veranlasste in das Land der Täter zurückzukehren. Was dann begann war eine einzigartige Karriere als Literaturkritiker, die, wie es Stephan Wackwitz beschreibt, aus dem literatur-historischen Kontext betrachtet werden muss und in dieser Form wohl nicht wiederkehren wird. Damit wird die Welt wieder ein Stück unübersichtlicher, sein Humor, seine Bissigkeit und seine unbestechliche Art fehlen schon jetzt, da kann ein Dennis Scheck noch so viele Bücher mit Schwung dem Abgrund entgegenschleudern. (mehr…)

Kurze Nachbetrachtung zum 1. Mai

Blockade gegen Nazis
Wieder ist ein 1. Mai vergangen. Trotz vorheriger Prognose auch diesmal ohne Tote, obgleich zumindest ein Polizeibeamter, der sich mittlerweile gestellt hat, sich durchaus Mühe gegeben hatte diese negative Deutung umzusetzen. Als Tag der Gewalt wird der 1. Mai 2010 glücklicherweise nicht in die Analen eingehen, dazu gaben sich zu wenig Vermummte dem alljährlichen Ritual hin. Nur ein paar in schwarz gekleidete Deppen meinten Journalisten angreifen zu müssen, von denen einige recht offensichtlich dem alternativen Spektum zuzuordnen waren. Auch präsentierte sich die in beachtlicher Zahl angereiste Polizei erst im Nachgang der Revolutionären 1. Mai Demonstration als Zielscheibe – insbesondere in den späten Abendstunden für die doch zahlreich vorhandenen Betrunkenen des gut besuchten Myfestes. (mehr…)

Gelesen (8): Hier und Jetzt – anarchistische Praxis und Theorie (von Uri Gordon)

Uri Gordon Hier und JetztDer neue Anarchismus, eine Strömung in der politischen Kultur etwa ab den 1960er-Jahren, zeichnet sich durch seinen vorwegnehmenden Charakter – Stichwort Selbstgestaltung –, durch seine Vielfalt und Offenheit, die es nicht erlaubt ein detailiertes, anarchistisches Zukunftsmodell zu beschreiben und durch die Ablehnung von Herrschaft im allgemeinen aus. Der Anachismus der Vorgängergeneration war dagegen explizit gegen „Staat“ und „Kapital“ gerichtet. Uri Gordon, der an der Oxfort Universität über anarchistische Politik promoviert hat und selber mit zahlreichen anarchistischen und radikalen Bewegungen wie Indymedia, dem Dissent!-Netzwerk, Peoples‘ Global Action und Anarchist Against the Wall zusammengearbeitet hat, versucht mit seinem 2008 bei Pluto Press (London) erschienenen Werk Anarchy Alive! Anti-authoritarian Politics from Practice to Theory den aktuellen Forschungsstand der anarchistischen Theorie zu reflektieren. (mehr…)

NGO-in-a-Box – freie Software für sozio-politische Arbeit

NGO-in-a-boxComputer-Software und das Internet sind die am weitesten entwickelten Bereiche der High-Tech-Industrie. Während andere Technologien bei progessiv und auch anarchistisch eingestellten Menschen auf wehemente Kritik stoßen, finden die meisten Erzeugnisse des IT-Sektors begeisterten Zuspruch und Anwendung. Tatsächlich ist das Internet mit seiner dezentralen Struktur sowohl für die lokale Ermächtigung als auch für die globale Vernetzung ideal geeignet und eröffnet die Möglichkeit des offenen und nichtkommerziellen Austauschs von Informationen und Programmen. (mehr…)

Klandestinität und Militanz – Widerstand gegen staatliche Repression

G8 Protest Prag Pink Lady »Ihr sagt über Anarchisten, sie seien ›meistens autonom, unverantwortlich, zahlenmäßig klein und nicht dazu bereit, ihre Taktiken aufzudecken. Sie würden Personen und Eigentum angreifen.‹ Das ist in wenigen Worten das, was die globale Wirtschaft ausmacht.«

Der folgende Texte soll zum Nachdenken über Anonymität und Widerstand gegen staatliche Repressionen anregen. Beide Themen sind für die globalisierungskritische Bewegung, die sich als basisdemokratisch, egalitär und kreativ-vielfältig versteht, wichtig und dürfen keinem schwarz-weiß-Denken überlassen werden. Der Text wurde vom „Notes from nowhere“-Autorenkollektiv für das Buch „We are everywhere“ verfassen – „Es ist das erste Buch, das die sprudelnde Kreativität und das radikale Denken der weltweiten Protestbewegung wahrhaftig einfängt und darstellt.“ (Naomi Klein) Dieses überaus lesenswerte Büchlein wurde von diversen Übersetzungskollektiven in zahlreiche Sprachen übertragen. Im März 2007 kam die deutsche Ausgabe „Wir sind überall – weltweit. unwiderstehlich. antikapitalistisch.“ bei Edition Nautilus heraus. AKA bedankt sich für die Genehmigung der Veröffentlichung. (mehr…)

Frohe Ostern! ;-)

Ostern

Mit materieller Gleichheit zum besseren Leben

GängeviertelDie Linke hat es, mal mehr, mal weniger, schon immer gewusst: Ungleichheit schadet. Kate Pickett, Sozialepidemologin an der Universität York, hat zusammen mit ihrem Partner Richard Wilkinson in einer Studie herausgefunden, dass materiell gleichere Gesellschaften glücklicher sind als materiell stark ungleiche. Die beiden Wissenschaftler stützen sich dabei auf einen vielleicht nicht unumstrittenen, aber doch handfesten Glücksbegriff: in den verschiedenen Gesellschaften wurden Indikatoren für die Lebensqualität gemessen, z. B. die Häufigkeit von Morden, Selbstmord, Fettsucht, Teenagerschwangerschaften, Kindersterblichkeit, psychische Krankheiten, Bildungsstand der 15-jährigen, Stellung der Frauen etc. Die Daten stammen von der Weltgesundheitsorganisation und anderen internationalen Organisationen. (mehr…)

Gängeviertel Diskussionsreihe II – „Kreative Freiräume ohne Gentrifizierung – ist das in Hamburg möglich?“

Gängeviertel Im August wurde das zentral in der Hamburger Innenstadt gelegene Gängeviertel besetzt und als Freiraum erklärt, um es vor dem Abriss durch einen niederländischen Investor zu bewahren. Die Aktion hatte Erfolg, denn im Dezember wurde das historische Viertel für 2,8 Millionen Euro von der Stadt zurückgekauft. In den letzten Tagen wurde die Nutzung zahlreicher „öffentlicher“ Gebäude der Besetzer durch das Bauamt aufgrund von Sicherheitsmängeln untersagt, so dass die heutige Diskussionsveranstaltung im Rahmen der Gentrifizierungsdebatte im nahegelegenen U-Bahnhof Gänsemarkt stattgefunden hat. (mehr…)

Leistungsroboter und raffgierige Menschenmassen oder die Banalisierung der Philosophie

BanalitätPeter Sloterdijk, Kulturwissenschafter in Karlsruhe, deutscher Großphilosoph qua Medienpräsents und Heidegger- und Nietzscheverehrer, hat im Eliteblatt Cicero den Versuch eines bürgerlichen Manifestes unternommen. Unter dem die politische Stoßrichtung kaum verhelenden Artikels „Aufbruch der Leistungsträger“ wärmt Sloterdijk noch einmal seine These vom geschröpften Leistungsträger auf, doch der großbürgerliche Revolutionär aus der FAZ, dem aber leider Thoreau1 entgangen sein dürfte, mutiert im Cicero zum lammfrommen Schaf, das um Dankbarkeit für die regelmäßige Zahlung von Steuern bettelt. Die weinerliche Bitte verklausuliert er als Forderung nach einer „neuen Semantik“. Erträglich wird das nur durch die einfallsreiche Ironie und den Sprachklang, welche den inhaltlich schwachbrüstigen Philosophen haben zu einer Marke werden lassen. (mehr…)

bemalt & ungenormt – Frauen im Ostpunk

bemalt und ungenormt

Der Westen hat von ihnen kaum Notiz genommen, das Regime im Osten dafür umso mehr: den Punks. Jugendliche dieser Subkultur gerieten in radikalen Gegensatz zu den „sozialistischen Normen“ und erlitten besonders harte staatliche Repressionen. (mehr…)