Archiv der Kategorie 'Antisemitismus'

. . . un ir shteyt un kukt azoy zikh mit farleygte hent

Deutschland feiert heute den Tag der Maueröffnung. Erinnerung an den Antisemitismus mitten in den Städten wird es nur marginal geben. Die Pogrome sind längst vergessen. Der nationale (Einheits-) Taumel duldet Deutsche nicht als Täter_innen. Der 9. November verknüpft aber sowohl die deutsche Vernichtungspolitik als auch die imaginierte nationale Passion. Es ist Zeit, daß Deutschland nix mehr zu feiern hat!

Das Inferno Cottbus lebt – Unbedrängt von den Fans und vom Verein

Im Jahr 2002 wurde von Cottbusser Vereinsseite der rechtsoffenen (Ultrà) Gruppe Inferno Cottbus ein Betätigungsverbot im eigenen Stadion auferlegt. Außerdem erwägte der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) ein ebensolches auch in den im Verband organisierten Vereinen und ihren Stadien. Hintergrund des in Fankreisen immer wieder als Verbot bezeichneten eingeschränkten Betätigungsverbots in zahlreichen Stadien war, so ist zumindest die Legende der Infernoist_innen, der Einsatz von Pyrotechnik durch einzelne Cottbusser_innen beim Ostderby gegen Hertha BSC. Der Sicherheitschef von Energie hatte eine Blockfahne mit brennendem Berlin verboten. Aufgrund des Frustes soll es dann im Heimblock zu Ausschreitungen gekommen sein. (mehr…)

Die Konstruktion des Anderen und die Angst vor dem Fremden

In Wagners Meistersingern inszeniert der deutscheste aller Komponist_innen einen bürgerlichen Sänger_innen-Wettstreit nach strengen Regeln, in welchem dem modernen Minnesänger und reinblütig adligen, volksdeutschen Ritter Walther von Stolzing der diletantische Sixtus Beckmesser gegenüber gestellt wird. In letzterem fließt all das zusammen, was der deutsche Volkskörper nach Wagner aussondern muß. Ganz im völkischen Geist der national mythischen Gesamtkunstwerk Ideologie wird dem deutschen Adligen mit Verbindung zum quasinatürlichem Grundungsmythos der Deutschen das Andere, nämlich das vermeintlich Jüdische in der Musik, in einem Formalisten und lediglich technischem Kopierer entgegengesetzt. Die Aufgabe, die einmal – zumindest kulturalistisch – dem Judentum zugewiesen wurde, hat heute der Islam übernommen. (mehr…)

Wladimir Kaminer – ein russischer Nationalist in Berlin

Den Vorzeigerussen Wladimir Kaminer mag jeder Deutsche. Er ist witzig. Hat nix gegen Homophobie. Erzählt verrückte Sachen. Hinzu kommt, daß er so einen witzigen Akzent hat. Und wer noch ein besonderes I-Tüpfelchen braucht, der kramt seine jüdischen Wurzeln heraus. Was aber sehr viele vergessen, ist, daß Kaminer seit Jahren immer wieder abstoßende Symphatien zu russischen Nationalbolschewist_innen zeigt und neuerdings auch antisemitisch nationalistische Propaganda in der Russendisko duldet. (mehr…)

„Dort, unter Deutschen, hat er keinerlei Verfolgung mehr erlebt.“

In der letzten Ausgabe der Jungle World wurde die Autobiographie von Arye Sharuz Shalicar besprochen. Der jüdische Iraner, der in Berlin aufgewachsen ist, nach der Schule nach Israel ging und heute Sprecher der israelischen Armee ist, erzählt darin seine Leidensgeschichte in Deutschland im Allgemeinen und im migrantisch arabisch dominierten Wedding im Besonderen. Im Zentrum des Buches steht die antisemitische Erfahrung als junger Mann, die Shalicar in seinem arabischen Freundeskreis erfährt, als diese bemerken, daß er nicht nur Iraner ist, sondern auch Jude. Der Antisemitismus der weißen Deutschen kommt kaum vor. Die Mehrheitsgesellschaft im Umkreis von Shalicar ist eine migrantische und arabisch. (mehr…)

Überfremdungsangst, Entartung und Rassismus – Ist doch alles nur Satire!

Sarrazin ist zur Zeit auf allen Kanälen. Er wird beschimpft und hofiert. Seine Theorien und Ideen werden insbesondere in Talkshows allerdings nicht selten verharmlosend rezipiert. Völlig zu kurz kommt oft, daß Sarrazin bewußt völkische Ressentiments, xenophobe Überfremdungsängste und rassistische Superioritätsvorstellungen bedient. Das aktuelle Buch zur Migration wird vor allem inhaltlich statistisch bearbeitet. Die ideologisch völkische, psychologische sowie die rassistische Komponente bleibt allerdings außen vor. (mehr…)

Der Mossad lauert überall!

Gestern abend fand im Neuköllner tristeza die sehr gut besuchte, offene Diskussionsrunde zum Thema boomende Verschwörungsideologien und -erweckungsbewegungen statt. Neben Classless Kulla, Reflexion, Tapete und Elke Wittich diskutierte ein Stefan äußerst angeregt mit. Leider blieb die Veranstaltung weit hinter meinen Erwartungen zurück. Ansatzweise gab es aber dennoch interessante Informationen zu Verschwörungsideologien und ihren Konstruktionen. Positiv hervorzuheben ist, daß Classless mehrfach betonte nicht in pauschale (Vor-) Verurteilungen zu verfallen. (mehr…)

New World Order – Des Truthers Fels in der Brandung des Zeitgeist

Dem Festival Kritische Masse im Berliner Club Rekorder, dem ehemaligen Klub des reaktionären Nationalbolschewisten Wladimir Kaminer, laufen die Bands davon. Insbesondere Tapete mußte offenbar feststellen, was es heißt von Wissenden bedrängt zu werden. Deshalb hat er sich in den letzten Tagen nicht nur einmal von den Verschwoerungstheorien, Infokrieger_innen und Co. distanziert. Herr von Grau, der ebenfalls aus der Playlist des Festivals verschwunden ist, war bei seinem Rückzug etwas zurückhaltender. (mehr…)

Recht auf Heimat – Für Christ_innen, Antisemit_innen, Nazis und SS-Mörder_innen

Am 5. August vor 60 Jahren wurde die Charta der Heimatvertriebenen unterschrieben und damit der völkische Nationalismus der Flüchtlinge aus dem Osten institutionalisiert. Es dauerte allerdings weitere sieben Jahre bis sich die Nationalsozialist_innen, ehemaligen SS-Angehörige und andere deutsche Nationalist_innen zusammenrauften und sich im Dachverband Bund der Vertriebenen (BdV) organisierten. Von der Nazigeschichte dieses Vereins für völkische Nostalgiker_innen und Volkstumfetischist_innen haben sich die verantwortlichen Offiziellen bis heute nicht distanziert. (mehr…)

„Denn wir sind das Volk“

Vor einigen Tagen sind mir Flyer und Aufkleber aufgefallen, die zu einem Festival Kritische Masse mobilisieren. Der Style und das Layout erinnert an linke Veranstaltungen. Anlehnungen an attac Events und angepaßte Megaspree Spektakel etablierter und zum Teil rassistischer Kultureliten sind ebenfalls zu entdecken. Nur der kleine Hinweis auf die Veranstalter_innen irritiert. Hinter dem Festival steckt nämlich das Infonetzwerk Berlin und das Radio NWO. (mehr…)