Football against Racism Fußball ist Breitensport. Jede_r kann Fußball spielen. Fußball ist ein kollektiver Sport. Jede_r darf Teil des Kollektivs sein. Jenseits von Nation, Rasse und Geschlecht! Fußball braucht aber auch einen kollektiven Gegner. Der muß besiegt werden. Fußball schweist zusammen. Auf dem Platz und im Umfeld! Deshalb war Fußball Volkssport. Fußball war nie frei von politischen Interessen. Das Kollektiv kämpft gemeinsam gegen einen Feind! In der Mannschaft und seinem Umfeld sind aber alle gleich!

Kampf um die Stadionkurve

Seit den 80iger Jahren entdecken Nazis den Fußball als Rekrutierungsfeld. Michael Kühnen, Nazi-Ikone und Mitbegründer der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), schreibt in seinem Rundbrief Die innere Front, daß der Kampf um die Stadionkurve aufgenommen werden sollte. Die Hamburger Aktionsfront Nationaler Sozialisten / Nationale Aktivisten (ANS / NA) sollte in seinem Auftrag, den Einfluss auf Skinheads, Fußballfans usw. auszudehnen.

Bis heute wird Fußball und insbesondere das Fanumfeld bewußt von Nazis benutzt. In einem Interview mit dem Fußball-Magazin Rund, was Goalie gefunden hat, erläutert Gabriel Landgraf, wie wichtig der Fußball zur Vernetzung von Nazigruppen untereinander und der Rekrutierung des rechtsextremen Nachwuchses war. Landgraf selbst ist Nazi-Aussteiger, ehemaliger Betreiber des rechten Berliner Infoportals und Mitbegründer der Kameradschaft Berliner Alternative Südost (BASO), die engen Kontakt zum Märkischen Heimatschutz pflegte.


Wir hatten einen Bolzplatz, auf dem wir wöchentlich zum Kicken einluden. Wenn da einer war, aus dem man was machen konnte, hat man ihn zum Fußball eingeladen, danach wurde noch gegrillt und Bier getrunken. So werden die 15-, 16-Jährigen geködert und rekrutiert. Zum Fußball haben wir speziell die Jugendlichen eingeladen, die noch nicht so gefestigt waren. Danach wurde aussortiert, mit wem kann man was anfangen, mit wem nicht. Beim nächsten Mal hat man den Nachwuchs dann zum Spiel ins Stadion mitgenommen oder zu einer Demo. So funktioniert das heute noch.

Seit den 90iger Jahren gab es zunehmend Bestrebungen die Nazihegemonie in den Stadien zu brechen. Antirassistische und antifaschistische Fangruppen setzten sich gegen den rechten Konsens, gegen Rassismus, Faschismus und Ausländerfeindlichkeit offensiv zur Wehr. Im Jahr 1993 gründete sich das Bündnis antifaschistischer Fanclubs und Faninitiativen (BAFF), das 1995 in Bündnis Aktiver Fußballfans umbenannt wurde.

Trotzdem änderte sich seitdem nicht viel. Kameradschaften sind immer noch in den Stadien. Rassismus, Faschismus, Antisemitismus und Sexismus sind weiterhin identitässtiftende Komponenten in vielen Fanszenen. Zwar werden die rechten Ressentiments nur noch selten in den Oberen drei Ligen gepflegt. Das Phämonen ist aber immer noch nicht verschwunden. Insbesondere in den unteren Ligen tummeln sich militante Nazis und rechtsoffene Hools. Da kann es schon einmal passieren, daß sogenannte Fans ein menschlichen Hakenkreuz im Block bilden, daß sich eine sächsische Mannschaft in der Kreisklasse mit dem Hitlergruß in Stimmung bringt, ein Freizeitteam sich den Namen Jungsturm Löbau / Zittau gibt oder ein Amateurtorwart mit der Rückennummer 88 aufläuft.

Die neue Taktik der Nazis ist es aber, wie es schon in Freiwilligen Feuerwehren vorzüglich funktionierte, sich in verantwortliche Positionen in vorhandenen Sportvereinen zu engagieren oder gleich selbst eigene Klubs zu gründen. Es geht ihnen darum aus der Mitte der Gesellschaft zu agieren und so die Auseinandersetzung mit den vielfach als privat angesehen politischen Ansichten zu unterlaufen. Getreu dem Motto, der hat soviel für den Verein getan, der kann kein Nazis sein, scheuen regionale Vereine die Auseinandersetzung mit den Nazis. Statt Sozialarbeit zu fördern wird so der Nazilifestyle geduldet.


Opa bei den Nazis, Vater bei der Stasi, ich beim BFC

In Berlin gibt es hinsichtlich der Verbindungen zu Nazis eine langjährige Konstante. Der Berliner Fußball Club Dynamo (BFC) steht für eine rechte Kurve. Der Verein selbst gilt als rechtsoffen und wird zum Teil von Neonazis gesponsert. Die ausschlaggebenden Namen sind Andre Sommer, Rayk Bernt – beide vom Motorclub Hells Angel’s. Rainer Lüdtke ist der Fanbeauftragte des BFC. Peter Meyer, mächtiger Wirtschaftsratsvorsitzender und Hauptsponsor des Vereins, ist wegen Verwenden von Zeichen verfassungsfeindlicher Organisationen (§86a) vorbestraft und wurde für einen Platzsturm beim Spiel gegen den SV Babelsberg 2004 angeklagt, aber freigesprochen.

Der Dauer-DDR-Meister und die sportliche Zweigstelle von Mielkes Staatssicherheit zog schon zu realsozialistischen Zeiten gewalttätige und rechtsoffene Hooligans an. Am 17. Oktober 1987 überfielen BFC Hools, unter ihnen Jens Uwe Vogt, zusammen mit Westberliner Nazis in einer gesamtdeutschen Aktion ein Punkkonzert in der Zionskirche. Sie stürmten mit Sieg Heil in die Kirche, gröhlten Juden raus aus deutschen Kirchen und wollten rote Punks aufmischen, aufklatschen und aufrauchen.

In der antifaschistischen DDR konnte das Problem mit Neonazis nun nicht mehr länger verdrängt werden. Der Schauprozeß änderte jedoch wenig. Das Gewalt- und Naziproblem beim BFC blieb. Im November 1989 überfielen 500 Berliner in Jena eine Tankstelle und prügelten sich mit der Polizei. Ein anderes Mal überfielen jugendliche BFC-Fans ein Asylbewerberheim in Greifswald. Am 3. November 1990, beim Spiel gegen Sachsen Leipzig, kam es zu schweren Krawallen, wobei der 18 jährige Dynamofan Mike Polley starb.

In den 90iger Jahren geht es mit dem in Fußballclub Berlin umbenannten Verein nicht nur sportlich abwärts. Viele Fans verabschieden sich. Es bleibt lediglich der harte Kern. Die Rückbesinnung auf den alten Namen im Jahr 1998 ändert deshalb wenig. Die Rechte am alten BFC Logo waren verloren gegangen. Die beiden Hells Angel’s Andre Sommer und Rayk Bernt sicherten sie sich für einen Spottpreis.


Staatlich verfolgt seit 1979

Diese beiden Rocker sind wichtige Schnittstellen zwischen rechten Rockerkreisen, der BFC Fansszene und Nazistrukturen in Berlin, insbesondere in Lichtenberg / Hohenschönhausen. Sommer ist Inhaber der Dynamo Fankneipe Berliner Fußballcafé mit dem angeschloßenen Tattoostudio Ostsektor. Die Gaststätte Germanenhof und der angeschloßene Schmuckladen Odins Klinge, sowie der Laden Kategorie C ebenfalls mit angeschloßenem Tattoogeschäft, gehören ebenfalls Sommer.

Die Lichtenberger Kneipe Berliner Fußball Café ist offizieller Fanshop des Fußballklubs BFC Dynamo. Hier treffen sich Fußball-Hooligans, Rocker und organisierte Neonazis. Die Kneipe ist das Stammlokal des Neonazi-Kaders Oliver Schweigert, die Hooligan-Gruppe 79er trifft sich hier, bei einer Razzia im Oktober 2003 bei einem „Tag der Germanen“ fand die Polizei unter anderem mehrere Mitglieder der Neonazi-„Rocker“-Gruppe „Vandalen“ vor. Im hinteren Bereich der Kneipe befindet sich der Tattoo-Shop Ost-Sektor. Bei einer weiteren Razzia im Oktober 2003 wurden hier mehrere Utensilien in Form von Hakenkreuzen und eine Reichskriegsflagge gefunden.

Weitere Information in Fight Back #3 (pdf)

Oliver Schweigert war nicht nur Mitglied der inzwischen verbotenen Kameradschaft Tor und der Nationalen Alternative (NA), sondern ist auch BFC-Hooligan und Brücke zwischen Nazis und Fans.

Rainer Lüdtke, seit der Rückbesinnung 1999 Fanbeauftragter des BFC, hat mit dem 3. Oktober als Tag der Germanen und der Reichskriegsflagge wenig Probleme. Die Reichskriegsfahne, so meint er, sei von den Nazis missbraucht worden. Außerdem müsse, so Lüdtke, sich niemand dafür schämen Germane und stolz auf sein Land zu sein.

Lüdtke ist Altfan, nach Eigenangaben seit 1974 beim BFC und steht der Fangruppe 79er nahe. Die hat sich 2005 organisiert und besteht zumeist aus Fans des älteren Jahrgangs, die sich seit den Siebzigern kennen. Er gründete zusammen mit dieser Fangruppe den Problemfan Fonds, der sich durch den Verkauf des Problemfan-Shirt und Spenden finanziert. Ziel des Fonds ist es Dynamo Fans zu unterstützen, die von staatlicher Seite immer mehr in die kriminelle Ecke getrieben wurden. Als Fanbeauftragter ist Lüdtke außerdem Inhaber und Verantwortlicher für eine offizielle BFC Fan Homepage. Auf dieser sind die bekannte Hooligan Marke Hoolywood und der rechtsoffene Merchandiseversand Sport frei als Sponsoren aufgeführt.

Die 79er treten, neben ihrem Engagement für Problemfans, als Sponsor der Jugendmannschaft von Dynamo in Erscheinung. Dort regierte bis 2007 der immer noch schlagfertige Ex-NPDler Ralf Wurzel als Jugendleiter und Verantwortlicher für die Finanzen. Er wurde letztes Jahr durch Jürgen Kayser ersetzt.

Hooligans erziehen Hooligans

Die Fanszene ist tief in den Nazistrukturen Berlins verwurzelt. Das Berliner Fußballcafé, die Fankneipe des BFC, sowie die anderen Etablissements von Sommer / Bernt, sind offene und regelmäßige Treffpunkte für Nazis in Lichtenberg.

Im Verein sieht es nicht viel anders aus Seit zwei Jahren bemüht sich der Verein sein Image zu verbessern. Trotzdem werden die Verbindungen der Fanszene zum rechtsradikalen Milieu abgewiegelt, geleugnet, geduldet und zum Teil integriert.

Die Finanznot zwang lange jeden Sponsor und jede unbürokratische Spende unhinterfragt anzunehmen. So schaffte es Sommer im Jahr 2001 zum Interimschef des BFC, als ein 7 Mio. Loch auftauchte. Zusammen mit seinem Kompagnon Rayk Bernt, Sommers Mann für’s Geschäft, übernahmen sie das Präsidium. Auch nach seiner Ablösung an der Dynamo Spitze blieb Sommer im Verein lange nicht nur als Fan und Sponsor aktiv. Er war bis 2006 für den Ordnerdienst verantwortlich und setzte dort seine rechten Rocker ein. Bis heute Lange war er mit seinem Germanenhof Sponsor des Fußballclubs. Der Verein will aber offenbar alle Verbindungen zu Sommer kappen. Das BFC Logo konnte erfolgreich zurückgekauft werden. Die Rechte hält nun Thomas Thiel von der Treasure AG.

Peter Meyer ist es, der sich ganz besonders hart um die Verbesserung des Images des BFC Dynamo bemüht. Er tritt mit seiner Firma Inifinity nicht nur als neuer Hauptsponsor auf, sondern ist auch Wirtschaftsratsvorsitzende des Vereins. Meyer selbst ist wegen Verwendes von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen vorbestraft und war wegen Platzsturm beim Spiel gegen Babelsberg 03 angeklagt, wurde aber freigesprochen. Laut Mario Weinkauf soll Meyer mit Thor Steinar über die Merchandisevermarktung verhandelt haben. Der Plan war wohl das Vereinslogo von Andre Sommer zurückzukaufen, die Produktion der Fanartikel an die MediaTex GmbH abzugeben und die Einnahmen zwischen dem Verein, dem Naziklammottenlabel und Andre Sommer gleichberechtigt aufzuteilen. Meyer streitet dies aber vehement ab.

Von einer Distanzierung von der rechten Fanszene und den Nazis im Verein kann nur bedingt die Rede sein. Lüdtke will zwar konsequent mit Stadionverboten gegen (rechtsradikale) Krakeeler vorgehen. Im Jahr 2008 sollen es, laut Vereinsangaben, schon 47 gewesen sein. Meyer droht ebenfalls damit, daß er rausschmeißt, wer gröhlt. Doch passiert ist bisher wenig. Ob dies aber ausreicht, um die gewachsenen Strukturen zwischen der Fanszene des BFC Dynamo und Neonazis in Lichtenberg, maßgeblich zu erschüttern, bleibt fraglich.

Wenn das erste Lichtlein brennt . . .

Fußball kann ein Zusammentreffen von Sportler_innen sein, die sich kollektiv jenseits von ausgrenzenden Attributen messen. Fußball ist eigentlich offen für jede_n. Unabhängig von seinem sozialen Status, seiner Herkunft, seiner Sexualität und seines Geschlechts. In den seltensten Fällen ist dies aber so!

In Berlin steht der BFC Dynamo für vieles, was so widerlich an Fußball ist. In seinem Umfeld organisieren sich seit Jahren Rassist_innen, Antisemit_innen und Nazis. Die Fanszene ist nur nicht nach rechts offen, sondern bietet mit seiner Fankneipe Berliner Fußballcafé, dem Restaurant Germanenhof, dem Laden Kategorie C und den dazugehörigen Tattostudios einer rechten Subkultur im Bezirk Lichtenberg Räume und ist deshalb für rechte Strukturen im Bezirk unabkömmlich.

Am 6. Dezember wollen sogenannte Kameradschaften zusammen mit der NPD für ein nationales Jugendzentrum durch Lichtenberg marschieren. Was damit gemeint ist, kann mensch sich gut vorstellen. Ein Nationales Jugendzentrum wäre Ausgangs- und Rückzugspunkt für militante Angriffe auf mißliebige Menschen. Es böte Infrastruktur für Nazi-Konzerte und Schulungsveranstaltungen sowie stünde zur Rekrutierung des Nazi-Nachwuches zur Verfügung.

Am 7. Dezember kommt der BFC Dynamo zum Derby bei Tennis Borussia und seinen linksalternativen Fans. Mindestens 1.500 Dynamos werden erwartet. Darunter sollen sich dieses Jahr, neben den üblichen 79er Hools, den rechten Freunden der dritten Halbzeit und unorganisierten Nazis, aufgrund des Aufmarsches einen Tag vorher eine große Zahl von rechten Fangruppen aus dem gesamten Bundesgebiet befinden.

Der Naziaufmarsch, der Protest dagegen und das Spiel Tennis Borussia vs. BFC Dynamo sind unserer Meinung nach miteinander verknüpft. Erstens geht es darum Nazis in die Schranken zu weisen und ihnen klar zu zeigen, daß sie sowohl im Stadion, als auch auf der Straße unerwünscht sind. Zweitens messen die Sicherheitsorgane beiden Ereignissen eine derart große Bedeutung bei, daß sie sie terminlich voneinander trennen. Deshalb gehört für uns der Protest gegen den Naziaufmarsch am 6. Dezember untrennbar mit dem Fußballspiel am Sonntag zusammen.

Nazis haben weder auf der Straße, noch im Stadion etwas zu suchen!

Am Samstag gilt es den Aufmarsch durch zahlreichen, vielfältigen und lautstarken Widerstand zu blockieren und den neonazistischen Ausflug zu einem Desaster zu machen. Am Sonntag soll, der in dieser Saison bisher ungeschlagene Verein Tennis Borussia, kreativ, lautstark und entschloßen im Mommsenstadion unterstützt werden. Erteilen wir Antisemitismus, Rassimus und Homophobie im Fußball und überall kraftvoll eine Absage!


Nazimaufmarsch am 6. Dezember
blockieren. sabotieren. verhindern!

10.00 Uhr zum S-Bahnhof Karlshorst (S3)
11.00 Uhr zum U-Bahnhof Tierpark (U5)

Am 7. Dezmeber! Support TeBe!
Tennis Borussia vs. BFC Dynamo

14 Uhr, Mommsenstadion (S Messe Süd)

. . . Antifa-Event statt Nazi-Advent!