Die TeBe Party Army wird beim Heimspiel von Tennis Borussia gegen die Reinickendorfer Füchse am 20. März einen Aktionstag im Rahmen der internationalen Kampagne United in Struggle des antifaschistischen Netzwerks Alerta! durchführen.

Es soll auf die Situation antifaschistischer Fußballfans in Ostereuropa aufmerksam gemacht werden. Die TeBe Fans haben sich entschieden, neben der Durchführung von Choreographien und dem Aufhängen von Tapeten, über den polnischen Verein Nigdy Wiecej (Nie wieder) zu informieren und für ihn zu sammeln. Hier ein paar Informationen über den Verein und seine Aktivitäten.

Im Jahr 1992 gründete sich zunächst die antifaschistische Grupa Anty-Nazistowska (GAN). Es formierten sich schnell in einigen größeren Städten Polens selbstständige Gruppen, die dem wachsenden Rassismus, Neofaschismus, nationalen Chauvinismus zivilgesellschaftlichen Widerstand entgegen setzten.

Das antifaschistische Netzwerk will mit ihren Aktivitäten gesellschaftlichen Druck ausüben. Es ist unabhängig und verzichtet bewußt auf parteipolitische Parolen. Es ist pluralistisch organisiert und sucht die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen, die Widerstand gegen Rassismus, Faschismus und Chauvinismus leisten. GAN sieht sich als informelle Bewegung, die spontan Aktionen durchführt.

Zur Durchführung größerer Kampagnen und Programme gründete sich im Jahr 1996 der Verein Nigdy Wiecej. Die Gründung wurde notwendig um der weiterhin wachsenden Fremdenfeindlichkeit in der polnischen Gesellschaft und Politik außerhalb von Demonstrationen und Aktionen auch zivilgesellschaftlichen Widerstand entgegen zu setzen.

Im Gegensatz zur Grupa Anty-Nazistowska versucht der Verein Nigdy Wiecej die Gleichgültigkeit der Politiker und das Fehlen eines gesellschaftlichen Widerstand dadurch zu reaktivieren, daß er Aktivitäten bündelt, eigene Kampagnen startet, Publikationen herausgibt, mit den Medien zusammenarbeitet und vor allem Bildungsarbeit organisiert. Der Verein will Menschen und Gruppen aus den Bereichen Politik, Kultur und Gesellschaft zusammenführen um die verbrecherischen Ideologien zu bekämpfen.

Die Aktivitäten des Vereins sind durchaus beachtlich und umfassen. Nigdy Wiecej gibt beispielsweise eine gleichnamige Zeitschrift heraus, die als wichtigste Publikation gilt, welche sich professionell mit den Thema Neofaschismus und dessen Bekämpfung auseinandesetzt. Das Programm Braunes Buch sammelt sämtliche rassistischen, nationalistischen oder antisemitischen Vorfälle in Polen und publiziert sie. Außerdem produiert der Verein zahlreiche Bücher, Flyer und Plakate.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bildungsarbeit, die durch ein umfangreiches Informationsprogramm gewährleistet wir. So wurden Aufklärungsfilme produziert, die an Schulen und Universitäten verteilt werden. Zusammen mit der Potsdamer Initiative Opferperspektive etablierte Nigdy Więcej ein Monitoring-Programm, das rechts motivierte Gewalttaten sowie nicht-staatliche Betreuungs- und Beratungsangebote für Opfer solcher Angriffe und Delikte in Polen und Deutschland untersucht. Hierbei ist offenbar das Ziel das Schweigen über die sogenannten Hassverbrechen in Polen zu brechen, die polnische Gesellschaft diesbezüglich weiter zu sensibilisieren, die eigene Arbeit des Vereins zu internationalisieren und mit anderen Initiativen zu vernetzen.

Mit der Kampagne Wykopmy Rasizm ze Stadionów (Wir kicken den Rassismus aus den Stadien) thematisierte der Verein ein Problem, daß auch für bei uns immer wieder problematisiert wurde (1, 2, 3) und werden muß.

Die Kampagne wurde notwendig, da insbesondere Fußballstadien in den letzten Jahren zu gefährlichen Orten voller Aggression, Gewalt und Hass geworden sind. Rassismus, Antisemitismus und nationaler Chauvinismus sind ständige Gäste in den Arenen Polens. Die steigende Zahl der Vorfälle zeugt unmißverständlich vom Ausmaß des Phänomens. In vielen Ligaspielen sind die Tribünen voller Flaggen mit neofaschistischen Symbolen. Es gibt antisemitische Gesänge und rassistische Rufe.



Ziele der Kampagne Wir kicken den Rassismus aus den Stadien sind die Verdrängung faschistischer Symbole aus den Fußballstadien, die Ächtung rassistischer Gesänge, Sprechchöre sowie Parolen, die Vernetzung antirassistischer und antifaschistsicher Fanclubs, sowie die Stärkung demokratischer Einstellungen unter den Fußballfans. So sollen sie immun gegen die haßerfüllte Ideologien und gegen Rekrutierungsversuche von neofaschistischen Gruppen gemacht werden. Die Kampagne richtet sich aber auch direkt an betroffene Sportler_innen, Trainer_innen, Sportfunktionär_innen und Journalist_innen.

Die Kampagne ist Teil der Aktivitäten des europäischen Netzwerks Fußball gegen Rassismus in Europa (FARE), das auch durch Nigdy Wiecej als polnischer Vertreter initiiert wurde.

Die Grupa Anty-Nazistowska, der Verein Nigdy Wiecej, ihre Kampagnen, die Aufklärungs- und Bildungsarbeit, die Freund_innen und Symphatisant_innen waren die ersten, die offensiv und öffentlichkeitswirksam sehr früh in Polen ein Thema problematisierten, daß bis heute tabuisiert wird. Heute, nach über 15 Jahren gibt es endlich eine paar kleine Erfolge zu feiern. Es entwickelte sich eine antifaschistische Gegenkultur, die sich zunehmend auch europäisch vernetzt. Die antifaschistische Gruppe und der Verein sind maßgeblich an dieser Entwicklung beteiligt. Wer sie unterstützen möchte, kann ihne auch die kleinsten Beträge spenden.

Bankverbindung:
Stowarzyszenie „NIGDY WIECEJ”
PKO BP I Oddzia³ Centrum, Warszawa
25 1020 1013 0000 0902 0129 5898

Außerdem steht der Verein Nigdy Wiecej jederzeit zur Zusammenarbeit bereit und wartet auf Kontakt.